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BAYREUTH/ Festspiele/ Großes Festspielhaus: DAS RHEINGOLD (am 4.8.)

05.08.2026 | Oper international

BAYREUTH/ Festspiele/ Großes Festspielhaus: DAS RHEINGOLD (am 4.8.2026)

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Foto: Enrico Nawrath/ Bayreuhter Festspiele

Nach dem letzten insgesamt gescheiterten Valentin-Schwarz-Ring musste im Jubiläumsjahr natürlich ein neuer folgen, da DER RING DES NIBELUNGEN 1876 die Festspiele begründete, und auch beim 100jährigen Jubiläum der in die Annalen eingegangene Ring von Patrice Chereau und Pierre Boulez, dem Komponisten, gespielt wurde. Was die diesmalige Dirigentenwahl anging, konnten wenig Zweifel bestehen. Der beste derzeitige Wagnerdirigent konnte gewonnen werden: Christian Thielemann. Aber als Regisseurin, Regisseur bot sich keine offen(sichtlich) an, und wenn, wäre sie oder er wahrscheinlich für das auch den Sparzwängen unterlegene Festival zu teuer gewesen. So kam wohl die  Chefin Katharina Wagner auf die Idee, die heute in aller Munde stehende „Künstlerische Intelligenz“ die Führung übernehmen zu lassen, natürlich nicht ohne ein breit gefächertes Team, 4 Männer, die die Ergebnisse zumindest kontrollieren, und wenn nötig in Zaum halten könnten, denn, wie man weiß, ist  die KI ja auch mit schweren Fehlern behaftet.

Wie in Bayreuth üblich, konnte die KI im Vorspiel noch nicht zu Wort kommen, der Vorhang öffnete sich erst an dessen Ende. Da also das Orchester unter Thielemann in nuce, und der ließ auch spielen wie selten, das tiefe Es plastisch von den Kontrabässen, später verstärkt durch  Kontrafagotte und mystisch heraufbeschworen, und auch später konnte Thielemann Begleitstimmen wie noch nie gehört dazuzaubern, dass es ein ganz neues Hörerlebnis wurde, das sich bis zu den Gischt spritzenden Rheinwellen immer stringenter ausbreitete, bis man plötzlich die Rheintöcher in ihrem Jubelgesang ausbrechen sah, aber  ganz einfach nebeneinander stehend in weißen romantischen Kleidkostümen (Pia Maria Mackert). Katharina Wagner sprach ja wohl von halbszenischer Aufführung. So ist es auch angelegt, also die Sängerinnen spielen gewissermaßen, was sie singen, und brauchen dazu scheint’s auch keinen Regisseur, höchstens einen Koordinator. Wer das aber ist, bleibt unklar, es geht hier mehr um das „kurieren“ (Markus Lobbes), und die Digital- und KI- „Storytelling“ (Roman Senkl).

Und das ist eine gigantische Bilderflut, meist Bruchstücke von Landschaften, die ineinander übergehen, Felsen ,Gebäude, Schlösser Burgen, Menschen, Tiere Riesen, Zwerge, aber eine Zuordnung zum jeweiligen Inhalt von Rheingold ist nur ganz schwer auszumachen .Es ist immer den ganzen Bühnenhintergrund bedeckend, natürlich schön bunt und, was vielleicht noch am interessantesten sein könnte, es zerrinnt auch ins Abstrakte und mündet in surrealistische Bilder, die Dinge bis zur Unkenntlichkeit verändern. Nur manchmal zu Beginn, kommen auch „germanische“ Motive, Krieger mit Pferden etc zum Tragen.

Dagegen hält die Musik mit Thielemanns Festspielorchester. Wunderbar werden die Motive zu Beginn „Wotan“ aufgebaut. Eher in getragenen Tempi entwickelt sich die Story mit den Riesen, die sich von den Göttergestalten kaum abheben. Sehr dosiert nimmt die Musik Fahrt auf und kommt dann sehr dynamisch aus dem verdeckten Graben. Der Abschiedsgesang Frickas und die Freia- Äpfel-Erzählung wirken dann wie die Ruhe vor dem Sturm, wenn es in Nibelheim  hoch hergeht. Mit der Liebesverfluchung Alberichs ist der dramatischste Ausbruch erreicht, der äußerlich ja nur quasi durch den Riesen-Brudermord noch getoppt wird. Das Alles spielt das Festspielorchester sehr bewegend pulsierend, und Thielemann hält sich werkdienlich zurück, stellt sich nicht subjektiv in den Mittelpunkt.

Von einer Bühne von Wolf Gutjahr sind nur wenige Versatzstücke erkenntlich.

Die Sängerinnen und Sänger sind ein weiteres großes Plus dieses Vorabends. Der Wotan Michael Volle ist nach seinem tollen Sachs auch hier eine Wucht.Auch so textverständlich hat man Wotan noch selten gehört.Das Timbre ist nicht zu weich und nicht hart,eine super Mischung,wobei er ja eher ein Baritonaler ist. 

Den Donner gibt Alexander Grassauer durchschlagend voluminös.Froh Siyabonga Maqungo lässt lyrische Tenortöne vernehmen.

Anna Kissjudit, ein relativ neuer, spannender Name, mutet wie ein tiefer Alt mit ihren oft wie rausgeschleuderten Einwürfen an.

Die Freia gibt Evelin Novak mit hell- gleissender Stimme. Erda ist Christa Mayer mit einem hier mystischen Mezzo.

Den Alberich übernimmt in Bayreuth wohl zum 1.Mal Jochen Schmeckenbecher mit furchterregendem Gehabe und auch Stimme.Seine Verfluchung kommt einfach gnadenlos herüber.

Den Mime singt, weniger spielt hier wie alle anderen, Gerhard Siegel larmoyant. Den Fasolt mit weicherem Bass Mika Kares, den Fafner dunkel- gnadenlos neu Peter Rose.

Klaus Florian Vogt hat mit dem Loge, fast möchte man sagen, die Rolle seines Lebens gefunden. So schön natürlich, fast unschuldig (aber das ist ja bei Loge hinterhältige Maske) hat man die Rolle noch kaum gehört. Auch wenn sein Gesang manchmal wie keusch wirkt, ist er hier der eindeutige Agent des Handelns, auch im Kostüm hervorgehoben. Es gibt sicher viele gute Loge-Sänger, aber Vogt ist auch hier ein Phänomen!

Das Rheintöchter-Trio ,angeführt von Katharina Konradi/Woglinde mit bestechend brillierendem Sopran,wird komplettiert von den auch zusammen musikalisch sopranistisch bewegten Natalia Skrycka (Wellgunde) und Marie-Henriette Reinhold/Flosshilde.

 

Friedeon Rosen 

 

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