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BAYREUTH/ Festspiele: GÖTTERDÄMMERUNG – „Der Ring des Nibelungen“ – zweiter Durchlauf, 3. Tag

14.08.2016 | Oper

Bayreuth: Götterdämmerung 12.8.2016

Szene aus Götterdämmerung, Bayreuther Festspiele 2016 | Bildquelle: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Siegfried und die Rheintöchter. Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Bestspiele

Nun wurde der 2.Ring_Zyklus bei den 105.Wagner-Festspielen mit dem 3.Tag abgeschlossen. Die Nornen sehen wie russisch orthodoxe Fürstinnen aus, rot, schwarz, gold (!) mit hochetürmten Kopfbedeckungen, halten Votivschalen und alles möglich andere heilige Grät, das sie in einer Kapellennische unterhalb des Gibichungen Wohnblocks abstellen. Die Nische wird mit Scherengitter von Hagen, der dort meditiert, immer wieder verschlossen.  Aber gerade die Götterdämmerung erscheint in Castorfs Regie am uneinheitlichsten zu sein. mit orientalisch-russisch-sowjetischen Elementen, DDR Reminiszenzen und schließlich der klassizistischen US-Börsenhalle. Es hat sich im 4.Jahr alles eingespielt und läuft mehr oder weniger klaglos ab. Besonders im längsten 1.Akt ist erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Denn Marek Janowski, der Dirigent, hat sich jetzt auf eine relativ flotte Gangart eingependelt, und bringt auch die mythische Nornenepisode nicht zu bedeutungsschwanger langatmig. Die ‚Gibichungenshalle‘ gewinnt besonders mit dem Hagen Stephen Milling, der einen radikalen voluminösen noblen Schwarzbaß zur Verfügung hat. Die harmonisch prekären Tonballungen bekommen starkes Gewicht, wenn Wagner glamourös diese ‚größte aller Intrigen‘ einfädelt. Markus Eiche trägt einen wendigen gutstimmigen Gunther bei, und die verführerisch als Lockvogel eingesetzte Gutrune der Allison Oakes kommt wie ein IT-Girl, auch gesanglich, herüber. Siegfried Stefan Vinke stürmt zur Blutsbrüderschaft in die Dönerbude und ritzt sich und Gunther den Arm auf, das wird dann wieder auf der Leinwand vergrößert gezeigt. Am Brünnhildefelsen tritt Marina Prudenskaya als neue Waltraute auf und legt einen beachtlichen Part vor, singt schwer „russisch“ auch (mit scharfen Tönen gemixt), unterstreicht somit die Dringlichekeit ihrer ‚Anfrage‘ betreffs des Rings. In ihrem Timbre befinden sich aber auch anmutige Färbungen. Der Chor im 2.Akt singt wieder sehr zuverlässig und stimmstark, in eher aufgehellter Färbung, dabei gehen aber die Speereide (Siegfried und Bünnhilde) diesmal im allegemeinen Getümmel etwas unter. Ein funkelndes Prunkstück stellt dagegen das anschließende Terzett der Dreiersverschwörung dar, in die auch der erst zögerliche Gunther mit hineingezogen wird. Man sieht, dass Castorf Markus Eiche gekonnt eingeführt hat. Im 3.Akt ist dagegen nichts geändert, eher ‚veinfacht‘: Siegfried bei den glamourösen Rheintöchtern mit großem Mercedes, danach brutale Erschlagung Siegfrieds duch Hagen, wenn auch hinter einem Lattenrost, Öffnung eines der aufgestapelten Ölfässer durch den schlimmen Nibelungensohn, Trauermarsch ohne Bebilderung und Brünnhildes Schlußgesang, nach dem sie Benzin rund um die New Yorker Börse ausschüttet, die aber dann nicht abgebrannt wird! Im Graben bemüht sich Janowski, die letzten Szenen nicht orchestral zu übertönen.- Es sollen hier nochmal die Namen des Bühnenbildners Aleksandar Denic und der Kostümbildnerin Ana Braga Peretzki genannt werden.

Die Nornen werden von Wiebke Lehmkuhl (berückender Alt), Stephanie Houtzeel (bekannter Wiener. Mezzosopran) und Christiane Kohl gestaltet. Die wieder phantastisch singenden und Siegfried umgarnenden Rheintöchter gestalten Alexandra Steiner, Stephanie Houtzeel und Wiebke Lehmkuhl. Als Alberich ist nochmal Albert Dohmens Baßbariton in seinem Mahnmonolog bravourös zu hören, danach erwartet ihn eine Statistin zur nicht erzwungenen Liebe im Gibichungen-Treppenhaus. Catherine Foster steigert sich optimal bei Brünnhilds Schlußgesang und wird zurecht umjubelt, hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert. Stefan Vinke ist ein stimmstarker Siegfried, der auch in Gesang aus seiner Jugendzeit völlig überzeugt und eine aufblühende Höhe jetzt als Trumpfkarte einsetzt.                                   

Friedeon Rosén

 

 

 

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