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BAYREUTH/ Festspiele: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

03.08.2018 | Oper


Peter Rose, Rainer Trost, John Lundgren. Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele, Wagner: Der fliegende Holländer , am 3. August 2018

Die „Fliegende Holländer“-Produktion des Regisseurs JAN PHILIPP GLOGER befindet sich im letzten Bayreuth- Jahr. Viel wurde sie bereits besprochen. Manches ist gelungen, wie etwa die spielopernhaften Segmente zwischen Daland und dem Steuermann oder Mary und dem Damenchor.

Auch die Begegnung Senta´s mit dem Holländer, bei der die Szene langsam dreht und lange Schatten moduliert, hat Atmosphäre. Insgesamt jedoch gibt es keine einheitliche Ästhetik. Video, Bühne und Kostüme harmonieren und kontrastieren nicht richtig und dadurch wirkt vieles beliebig, manches belanglos.

Musikalisch ist diese Wiederaufnahme bei AXEL KOBER in sehr guten Händen. Er verleugnet nicht die Vorläufer der deutschen Spieloper (Flotow, Nicolai, Lortzing), von denen Wagner ausgeht und mit Meisterhand Neues, Anderes und letzlich die große, ernste Oper formt.

Das Festspielorchester folgt ihm geschmeidig und eloquent, wenn auch die Intonation bei mörderischer Hitze nicht in allen Holzbläsern halten will (Klarinette).

Beim Sängerensemble ragen fast mehr die Comprimari heraus, und die Palme gebührt ohne Zweifel dem Erik, den TOMISLAV MUZEK hochemotional, belkantesk und mit subtil- perfekter Diktion zur Hauptrolle macht. Ein Tenor mit Strahlkraft in der Höhe, eleganter Phrasierung und großer Musikalität.

Auch der komödiantische PETER ROSE als präsenter, bäriger Daland und RAINER TROST als agil-serviler, schönstimmiger Steuermann vermögen vollkommen zu überzeugen. In der kleinen Rolle der Mary liefert CHRISTA MAYER hohe Qualität.

Sie alle überzeugen auch dank ihrer vorzüglichen Textverständlichkeit, die die beiden Protagonisten nicht in dem Maße beherzigen.


Ricarda Merbeth (Senta), Christa Mayer (Mary) und der Damenchor. Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

RICARDA MERBETH als Senta ist inzwischen im Hochdramatischen angelangt, und wenn sie sich nicht zügelt, muss man von einem Kleine-Sekund-Vibrato sprechen. Der Holländer JOHN LUNDGREN verfügt über eine charaktervolle Heldenbaritonstimme, die er mehr mit Farben und Inhalt füttern könnte, um eine herausragende Leistung zu bieten. Manchmal wird es zwischen diesen beiden einfach nur laut und man versteht nicht, warum sich die beiden so anbrüllen müssen, wo das Orchester mit dem akustischen Vorteil doch mehr nachgibt als im Opernalltag draußen in den anderen Opernhäusern. Ein hochachtbarer Kampf ist es allemal, nur eben nicht das Außergewöhnliche.

Der Festspielchor unter der Leitung von EBERHARD FRIEDRICH ist in Höchstform, und sowohl die schmissigen Seemannslieder wie der grazile Frauenchor werden mit Inbrunst und Klangfülle zum Ereignis.

Das Publikum applaudiert freundlich, wenn auch nicht begeistert.

Christian Konz

 

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