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BAYREUTH: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER /L'OLANDESE VOLANTE – Kritik in deutscher und italienischer Sprache

18.08.2015 | Oper

BAYREUTH: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER am 15.8. 2015


Samuel Youn. Foto: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

Der Kern-Moment der Inszenierung stammt von der zeitlos universellen Vision des Lebens als dominiert vom ewigen ‚Wunsch nach Ruhe inmitten der Stürme des Lebens, als “das universellste Merkmal der Menschheit“ (Wagner). Das Meer ist dabei eine Metapher für die Existenz, es ist in seiner Gewalt unregierbar, rücksichtslos. Es dominiert die Komposition von der Ouverture an und wird von Wagner auch im weiteren Verlauf nie aus dem Auge verloren. In dem es in der Transposition in die Neuzeit von Jan Philipp Gloger/Regie immer noch die existentielle Angst in einer Gesellschaft, die durch extreme und unkontrollierbare Bewegung und Flüchtigkeit beherrscht wird, versinnbildlicht, stellt es zeitlos den existentiellen Konflikt zwischen Materialismus, dem Gott des Geldes und der Notwendigkeit von dessen Rücknahme in die Spiritualität der Seele dar, aber die stürmische See des Lebens überwältigt und fängt Menschen in dem Strudel ihrer Mechanismen und Karrieren eines materialistischen Lebensstils, in dem die Seele sich vernichtet wird und sich in ewiger Sehnsucht nach Erlösung fühlt.

 Angesichts dieser Voraussetzung erscheint die Inszenierung beeindruckend durch die unaufhörlichen blinkende Lichter wiebei Finanzoperationen an der Börse animiert, und erinnert wirksam an einen globalisierten unregierbaren Weltmarkt in einer fiktiven Stadt, wo die unendlichen aber flüchtigen Karrieremöglichkeiten am Schopf gepackt werden müssen. Die menschengewordene Verlorenheit inkarniert sich im Holländer, der als Geschäftsmann im System gefangen ist, aber im im beständigen Bedürfnis nach Flucht und Befreiung nur durch die bedingungslose und seelenrettende Liebe einer Frau zu erlösen ist. Brechen die Fesseln dieser Systeme, würde das die Humanisierung dieser Figur in der Wiedergewinnung der sentimentalen und spirituellen Sphäre bedeuten. Senta ist die einzige, die sich dem System widersetzt; schon die Szene der Weberinnen-Arbeiterinnen umreißt ihren Charakter als rebellisch; in der Rolle voll kraftvoller Vocalisen reussiert Ricarda Merbeth, die, auch wenn sie auch manchmal ein wenig müde scheint, sich in das Drama und in die Ekstase dieser Figur hineinbegibt, manchmal auch mit einem Hauch von Selbstironie. Die das stürmische Meer ‚beschreibende‘ Wucht der einleitenden Ouvertüre, nicht ohne untergründige Rossininische Insinuationen, führt weiter im komplexen Verlauf der Komposition, die einstimmig als das erste reife Werk Wagners angesehen wird, verharrt aber zwischen Neuem und Altem quasi in der Mitte, und wie sie im Inhalt mit der deutschen Romantik korreliert, scheint sie doch noch deutlich an die italienische Oper mit Bezug auf Rossini und Donizetti rückgebunden, sowie auf eine gewisse Leichtigkeit, gar mit ironischen Beigeschmack „funny“ in einigen Passagen der Musik. Vor allem der Charakter des Daland sowohl in der technischen Behandlung der Gesangsrolle als auch in der Psychologie des Charakters, brillant von Kwangchul YOUN mit Präzision und Leichtigkeit gespielt; diese „heitere Leichtigkeit“, die manchmal in der Musik enthalten ist,erleichtert auch die Entscheidung für eine moderne Inszenierung, d.h. in gleichzeitigem Zugriff die Geschichte fröhlich- ironisch aufzubereiten. Bei der Charakterisierung einiger Darsteller, als auch bei den Chören,z.B bei der prägnanten Einbindung bei der Eröffnung des zweiten Aktes, aber auch bei der Wahl einiger szenischer Elemente (die Marionette, der Wagen, die Plakate, die Flügel, der vergötterte Ventilator, die Berge von Pappkartons für den Schlussaufstieg zum Durchgang in „Liebe und Tod“; alles ohne etwas vom allgemeinen Pathos der Oper wegzunehmen.

 Im weiteren Verlauf des Dramas bereichern suggestive Projektionen den ganzen Bühnenhintergrund, die dann in Abstufungen das Licht verdunkeln oder schauerliche ‘Baumfluchten’ figurieren.

 Dämonische Besessenheit führt den Holländer dahin, im globalen Wirtschaftssystem reich zu werden und etwas zu verkaufen;die Interpretation des Samuel Youn auch bei den dunklen und gespenstischen Akzenten im Monolog erstreckt sich im Allgemeinen in Richtung einer sentimentalen Lyrik und Ausdruckskraft, die von Verzweiflung und Sehnsucht durchdrungen ist. Gut definiert von der Regie erscheint der Charakter des Steuermann, treuer Assistent Dalands und perfekt in die materialistische Logik eingebunden, mit seinen häufigen humorvoll zynischen Einlassungen setzt er einen ironischen“Kontrapunkt” zu der unweigerlich tragischen Geschichte; Benjamin Bruns in der Rolle, mit einer durchdringend schneidenden Stimme, aber gleichzeitig wieder sanft, mit weit vorne positionierten Spitzentönen, dem italienischen Gesang durchaus verbunden. Großer Auftritt und große Interpretation auch von Tomislav Muzek in der Rolle des Erik, der auf eine intensive und lebendige Interpretation mit lyrischer Inspiration setzt, leidenschaftlich und schön dramatisch, ohne auf die Tränendrüse zu drücken, noch ins Furioso zu fallen, aber mit der Technik und Balance, unterstützt von einer soliden kompakten Gesangstechnik, die er mit Eleganz und Weichheit kraftvoll einsetzt, auch „Belcanto“ ermöglicht.

Mary Christa Mayer: die im Charakter auch gut psychologisch vom Regisseur definiert ist und die eine innere Entwicklung bei der Entfaltung der Geschichte durchmacht,  von anfänglicher Rigidität zur Öffnung dem Neuen gegenüber, bietet eine sensitive und brillante Interpretation.

 Große Präsenz und Engagement der Chöre, mit erheblichen Einsatz und Qualität der Ausführung, Präzision und Bühnenpräsenz. Dabei bestechende Eleganz im Zusammenspiel von Kostümen und Bühnenwirkung.

 Der Rhythmus und die Spannung der Aufführung auch in den Momenten der Emphase ,fallen niemals ab und garantieren die Ausführung es Holländers als romantische Ballade, die sie zum“course à l’abîme” macht,ohne sich unnötige Stillstände zu erlauben.

 Die Richtung der Musikalischen Leitung Axel Kobers und die Orchesterleistung sind wirklich gut, das Orchester unterstützt das Dirigat mit der großen Kapazität, gutem Sound und Soli, dazu bemerkenswerte Homogenität in der Balance zwischen den Gruppen: aus den schrecklichen und dunklen Schattierungen geht der Holländer und seine Matrosen auf die fröhliche Unbeschwertheit des norwegischen Unternehmens in der Umgebung von Senta zu, durch die stürmischen und eisigen Wellen der Wagnerschen Romantik zu der Leichtigkeit der Stellen, die von italianisierender Inspiration geprägt sind.

 Goßer und warmer Applaus des Publikums.

Cristina Iacoboni

 

L‘ OLANDESE VOLANTE  / DER FLIEGENDE HOLLÄNDER  Bayreuth, 15/08/2015

Il nucleo generatore della messa in scena nasce dalla visione atemporale e universale  dell’esistenza umana come dominata dell’eterno  ‚desiderio di calma in mezzo alle tempeste della vita‘ visto come ‘la più universale caratteristica del genere umano’ (Wagner); il mare, metafora dell’esistenza, con la sua potenza ingovernabile e spietata, domina il lavoro dall’inizio della sinfonia e non lascia mai l’azione; nella trasposizione dell’azione in tempi moderni realizzata da Jan Philipp Gloger si evidenzia ancora di più questo spasimo esistenziale in una società dominata dall’estrema ed ingovernabile mobilità e fuggevolezza; atemporale è il conflitto esistenziale tra il materialismo del dio-denaro e il bisogno di redenzione e spiritualità dell’anima, il mare tempestoso dell’esistenza travolge e cattura  l’uomo nei vortici dei suoi meccanismi materialistici e carrieristici in uno stile di vita standardizzato in cui l’anima si sente annientata e in perenne anelito di salvezza; nell’attualizzazione dell’azione, la messa in scena rappresenta questo scenario aprendosi su un allestimento cupo e imponente animato dalle incessanti luci lampeggianti delle operazioni finanziarie, molto efficace nell’evocare un mercato mondiale globalizzato ingovernabile in una immaginaria metropoli dove le infinite e fugaci possibilità carrieristiche devono essere colte al volo. La perdizione umana incarnata dall’Olandese, uomo d’affari imprigionato nel sistema ma in perenne bisogno di fuga e liberazione, si redimerà solo attraverso l’amore incondizionato e salvifico di una donna che, rompendo le catene di questi schemi, permetterà l’umanizzazione del personaggio nel recupero della sfera sentimentale e spirituale. Senta è l’unica ad opporsi al sistema, già nella scena delle filatrici-operaie delinea il suo personaggio libero e ribelle; nel ruolo, la vocalità potente di Ricarda Merbeth, che, pur se a volte sembra un po’ affaticata, si impone nella drammaticità come anche nella sognante estaticità del personaggio, con qualche momento di auto-ironia.

Il potere descrittivo ed introduttivo dell’Ouverture, non priva di suggestioni rossiniane, realizzato con sapiente concertazione ed enfatizzato dall’uso di bagliori di luce, ci introduce nel percorso musicale dell’Opera che, unanimamente considerata come la prima opera verso la maturità di Wagner, rimane tuttavia sospesa tra Nuovo e Antico, intrisa com’è di contenuti legati  al primo Romanticismo tedesco ma al contempo evidentemente ancora imparentata con l’opera italiana, con riferimento a Rossini e a Donizetti e ad una certa ironica leggerezza e connotazione “buffa” di alcuni passi musicali, affidati  soprattutto al personaggio di Daland sia per le caratteristiche tecnico-vocali del ruolo che per la psicologia del personaggio, brillantemente interpretato da Kwangchul YOUN con precisione e disinvoltura ; il tratto di “serena leggerezza” talvolta contenuto nella musica ben si presta alla scelta di trasporre in tempi moderni la messa in scena,  in una comune chiave di realizzazione a volte garbatamente ironica della vicenda, ed agendo sia nella caratterizzazione di alcuni personaggi, sia nella sapiente regia del coro soprattutto in alcune plastiche “inquadrature” come nell’apertura del II Atto, sia nella scelta di alcuni elementi scenici (il fantoccio, il trolley, i cartelloni, le ali, il ventilatore idolatrato, la montagnola di scatoloni per l’ascesa finale al trapasso in “amore e morte”…); il tutto, senza nulla togliere al pathos generale dello spettacolo.

La scena del II atto, nello svolgersi del dramma, si va poi arricchendo di suggestive proiezioni sull’intero fondale che gradualmente colando di nero oscurano la luce, o raffigurano suggestive “fughe” di alberi.

La possessione demoniaca porta l’Olandese ad essere la tipica vittima del sistema economico materialistico dove la ricchezza vuole comprare qualsiasi cosa, ma l’interpretazione di SAMUEL YOUN  pur nei cupi e spettrali accenti dei monologhi protende generalmente verso una liricità ed espressività sentimentale intrisa di disperazione e di Sehnsucht.  Ben delineato e seguito registicamente il personaggio del Timoniere, fido e rampante assistente di Daland, perfettamente calato nell’ottusa logica materialistica, che con i suoi frequenti interventi umoristicamente cinici descrive una sorta di “contrappunto” ironico allo svolgersi ineluttabilmente tragico della vicenda; nel ruolo Benjamin Bruns, che  mostra una vocalità squillante e al tempo stesso garbata, con acuti ben posizionati in avanti e un morbido canto all’italiana.  Grande prova esecutiva ed interpretativa per Tomislav Muzek  nel ruolo di Erik, che realizza una intensa e vibrante interpretazione con afflato lirico e passionale e bel piglio drammatico, senza cadere né nel “lacrimevole” né nel “furioso” ma con arte ed equilibrio, sorretto dalla solida e generosa vocalità, compatta e squillante, dispiegata con eleganza e morbidezza insieme a vigore, che gli consente di padroneggiare con potenza espressiva e finezza tecnica pagine di impianto “belcantistico”; la Mary di Christa Mayer: personaggio anch’esso ben delineato psicologicamente nella regia, realizza una evoluzione interiore nello svolgersi della vicenda uscendo dalla rigidità iniziale verso un’apertura al nuovo; sensibile e brillante l’interpretazione.

Grande presenza e impegno dei Cori, con notevole dispiegamento di qualità esecutive, precisione e presenza scenica. Nelle sue apparizioni, eleganza cromatica nell’insieme di costumi e scena.

Il ritmo e la tensione della rappresentazione, pur nell’enfasi di alcuni momenti di respiro, non cadono mai e inesorabilmente realizzano nell’esecuzione dell’Olandese la sua fisionomia di ballata romantica che effettua la sua “course à l’abîme” senza concedersi inutili tregue.

La direzione di Axel Kober e l’esecuzione orchestrale sono veramente ottime, l’orchestra sostiene la direzione con grande capacità, bel suono negli assoli e notevole omogeneità nell’equilibrio tra le sezioni: si passa con effetti mirabili dalle terribili e cupe tinte dell’Olandese e dei suoi marinai alla gaia e leggera spensieratezza della società norvegese intorno a Senta, dagli accenti tempestosi e gelidi del romanticismo wagneriano alla leggerezza delle pagine di ispirazione italianeggiante.

Grande e lungo l’applauso caloroso del pubblico.

 Cristina Iacoboni

 

 

 

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