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BASTAD/Schweden/ Tennisstadion: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – halbszenische Aufführung mit Maltman, Strid, Groissböck und Barbeyrac

09.08.2026 | Oper international

BASTAD Tennisstadion: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – halbszenische Aufführung mit Maltman, Strid, Groissböck und Barbeyrac; 8.8.2026

Ein nordischer Operntraum am Centrecourt

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Christopher Maltman, Elisabet Strid. Foto: Gunilla Hovenäs

Båstad ist eine beschauliche Gemeinde mit 5000 Einwohnern in der südschwedischen Provinz Skåne län am Kattegat. Landesweit bekannt für Tennis und Golf, ist Båstad der Austragungsort des Hauptevents des jährlichen Birgit Nilsson Festivals, einer Opernaufführung vor großem Publikum im riesigen Centrecourt, wo auch der Nordea Open Tennis Wettbewerb stattfindet. In diesem Jahr galt der musikalische Höhepunkt des Festivals Richard Wagners „Der fliegende Holländer“. Gesungen wurde in Konzertkleidung. Für die szenischen Elemente der Auftritts- und Bewegungsregie war Staffan Valdemar Holm verantwortlich.

2.700 Besucher und Besucherinnen waren gekommen, Einheimische wie zahlreiche Feriengäste, die in dem idyllisch gelegenen, von Ludvig Nobel (Bruder des Alfred Nobel) in seiner Bedeutung geförderten Orts zur Erholung Kultur serviert bekamen. Das Stadion liegt passend zum Inhalt der Oper direkt am Meer. So ließen es sich eifrige Möwen, Krähen und Schwalben in der Abenddämmerung nicht nehmen, in ihre Flugkünste und kleinen Sangeseinlagen vorzuführen. Die Bühne für Orchester, Chor und Solisten mit ihrer wuchtigen weißen Überdachung sah ohnedies wie Riesensegel am Schiffsbug aus.

Spannend und in der Verankerung des Nilsson Projekts vor Ort begründet ist, dass die Organisatoren auf eine gute Durchmischung von internationalen Stars mit schwedischen Solisten, ein schwedisches Orchester aus geografischer Nähe und einen Amateurchor setzten, der sich wiederum aus Mitgliedern von sechs Chören der Gegend (Einstudierung Linn Björklund, Iréne Jönssen, Mats Paulson und Brigitta Roslund) rekrutierte. Das Konzept ging auf und das Publikum konnte nach einer kleinen Zeit der Feinjustierung der Technik – Verstärker, Mikros und Lautsprecher samt links und rechts oberhalb der Bühne angebrachten Leinwänden – eine stimmungsvolle, dramatisch zugespitzte wie romantisch erfühlte Aufführung erleben.

Die musikalische Seite wurde erst einmal vom Helsingborgs Symfonieorkester unter der Stabführung von Henrik Nánási geprägt. Wer den ungarischen Dirigenten noch aus seiner Zeit als musikalischer Chef der Komischen Oper Berlin kennt, weiß, dass Nánási dem steten Klangfluss und einer temporeichen Agogik den Vorzug vor zugespitzter Artikulation und rhythmischer Schärfe gibt. Dementsprechend färbten vor allem die Streicher und das Holz das bewegte Klangwogen der lautmalend wütenden Natur ebenso wie das Scheinidyll einer Gesellschaft, die sich in der Figur des Daland als patriarchalisch rücksichtslos und selbstbezogen erweist.

Die Blechbläser bescherten anfangs einige Kiekser und die Chortenöre einige scharfe hohe Töne, was sich glücklicherweise alsbald einrenkte. Besonders loben möchte ich die Chorsoprane, die im berühmten „Summ und brumm, du gutes Rädchen“ Mädchenchor wirklich liedhaft volkstümlich ohne störendes Vibrato sangen. Natürlich war der Chor am heftigsten in der großen Eröffnungsszene des dritten Akts, „Steuermann, lass die Wacht!“ gefordert, die er mit bewundernswertem Volumen, Ausdruck und Textverständlichkeit darbot.

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Tobias Westmann, Günther Groissböck. Foto: Gunilla Hovenäs

Sängerisch überzeugte die Aufführung als ein Wagner-Fest an stilistisch geeichten Stimmen. Zudem war ein wacher Ensemblegeist zu spüren, der die Intensität des Miteinander festspielreif abbildete.

Christopher Maltman, längst ins heldische schwere deutsche Fach hineingereifter britischer Bariton, interpretierte die Titelrolle des auf allen Weltmeeren, nach Erlösung durch eine treue Frau suchenden, unstet herumirrenden Mannes äußerst charismatisch und in dunklen Erdtönen. Dämonisch düster und doch zart liebend, gelang ihm ein Rollenporträt von zwingender Präsenz. Wotan, Amfortas und Holländer gehören mittlerweile zu seinem Stammrepertoire. Den Walküren-Wotan wird er bei den Salzburger Osterfestspielen 2027 unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko singen. Kein Wunder, dass die Nachfrage der Intendanten und Dirigenten dementsprechend hoch ist.   

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Günther Groissböck. Foto: Gunilla Hovenäs

Im perfekten Kontrast dazu sang Günther Groissböck den Daland ganz in deutscher Singspielmanier nahe am Wort, lyrisch expressiv und liedhaft melodisch.  Der österreichische Bass, bekannt für seine innovativ und den Traditionen neue Facetten hinzugewinnend gestalteten Figuren wie beispielsweise des Ochs von Lerchenau, gab die sonst oft biergemütlich abgespulte Rolle von Sentas Vater als schlauer Fuchs in den besten Jahren. Sein Daland war einmal kein ruraler Polterer, sondern ein gerissener Geschäftsmann und deshalb in seiner scheinbaren Verbindlichkeit so gefährlich.

Als Senta folgte Elisabet Strid keiner hochdramatischen Lesart der jungen, von einer idée fixe wie einer Art heiligen Mission gleichermaßen erfüllten Frau. In der Ballade und den lyrischen Szenen erfreute die schwedische Sopranistin mit wunderbar blühenden Phrasen und poetischer Schwärmerei. Manch Spitzenton im großen Duett mit dem Holländer sowie im Finale des dritten Akts hingegen setzte sie einzeln vorsichtig, manchmal allzu verhalten in Szene. Das funktionierte zwar technisch einigermaßen, aber von der Wirkung her blieb sie damit etwas an emotionaler Wucht schuldig.

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Stanislas de Barbeyrac, Elisabet Strid. Foto: Gunilla Hovenäs

Mit einem exzellenten Erik überraschte Stanislas de Barbeyrac. Bewundernswert war, wie raffiniert Barbeyrac seine beispielhafte Legatokultur und die Gestaltung von musikalischen Bögen mit heldischer Attacke zu verbinden wusste. Die von der Tessitura und den unbequemen Intervallsprüngen hundsgemeine Tenorpartie ist ja kaum singbar. Dennoch gelangen Barbeyrac vor allem im Duett mit Senta und der düsteren Kanzone im dritten Akt mit seinem dunkel fundierten Tenor erzählerisch packende Auftritte.

Die Mary war mit der schwedischen Mezzosopranistin Martina Dike ungewohnt stimmkräftig, der Steuermann mit dem metallisch granulierten Tenor Tobias Westmann auffällig dramatisch besetzt.

Fazit: Ein gelungenes, atmosphärisch aufgeheiztes Finale des Birgit Nilsson Festivals 2026. Möge das Festival seinen lokalen Charakter behalten und dennoch überall dorthin ausstrahlen, wohin sich seine Bedeutung als Verbindung von Förderung des Nachwuchses und großer Oper noch nicht durchgesprochen hat. Die großzügige Stifterin und kluge Strategin Nilsson hätte es sich verdient.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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