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BASEL/ Theater: „SIRENEN“ von Manuela Infante. Premiere

18.05.2026 | Theater

Theater Basel: «Sirenen» von Manuela Infante – Pr. 16.5.2026

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Elmira Bahrami, Giannina Fruttero, Nicole Sazo Cariola, Antoinette Ullrich, Gala Othero Winter, Susana Santos Silva © Lucia Hunziker

Sechs Mitarbeiterinnen einer Lithium-Abbaustelle in der Atacama-Salzwüste sind irritiert über die Leiche ihres Vorgesetzten, die an einen Pfahl gefesselt in der Hitze vor sich hin dörrt. Wie sie dahin kam, ist unklar. Ebenso, wann und ob sie abgeholt wird. Dass seine Tochter bald kommt, um ihn zu identifizieren, wird zu Recht angezweifelt.

Als das Handy des Unglücklichen mit gespeicherten Voicemails gefunden wird, ertönt Schauriges aus dem Jenseits: In zahlreichen Kommunikationsversuchen mit seiner Tochter, die er nie gesehen hat, schildert der Ingenieur seltsame Vorkommnisse: Dass immer mehr Vögel vom Himmel fallen, dass sie von Frauen aufgesammelt werden. Von Frauen, die singen. Oder singen etwa die toten Vögel?

Nach und nach kommen weitere Details ans Licht: So ist die Tochter schon längst da, unter den Arbeiterinnen, wurde sie doch vom Ingenieur vor 20 Jahren mit einer Einheimischen gezeugt. Von ihrem Vater hält sie nicht viel und hat ihm auch nie geantwortet. Schliesslich erinnert sich eine der Arbeiterinnen an den Odysseus-Mythos, was erklären würde, warum sich der sich seiner Sinne immer weniger mächtige Ingenieur an einen Pfahl gebunden hat, wo er schliesslich durch einen schnöden Sonnenstich gestorben ist.

Es ist aber nicht die Story, die den Reiz dieser Produktion ausmacht, vielmehr das Sprach-, Laut- und Gestengemisch, mit dem erzählt wird. Da wird gespuckt, gekeucht, gezischt, gekrächzt, gejault, gezuckt und Trompete gespielt, da wird Wortkalauer betrieben, Wörter absichtlich missverstanden und verdreht, minutenlang nur in Songtexten geredet und das alles auch noch dreisprachig.

Natürlich muss die moralische Seite auch noch bedient werden, und da wird es problematisch: Gibt es doch praktisch kein Thema, das Infante auslässt: Da werden Frauen nur wegen der Quote eingestellt und mit kreischenden Vögeln gleichgesetzt, da wird die Oberherrschaft der Neokolonisten gegenüber den ausgebeuteten Ländern bemängelt, und so weiter. Von Umweltverschmutzung über Neokolonialismus bis zu Sexismus und Rassismus wird da alles kritisiert, was auf dieser Welt zu kritisieren ist.

Ein bisschen hat man das Gefühl in einer Wahlwerbung der Grünen zu sitzen: Man ist erstens empört und zweitens über eigentlich alles. Dort wie hier wäre die Konzentration auf ein Hauptthema der Sache förderlich.

Alice Matheson

 

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