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BASEL/Theater: RIGOLETTO. Der Applaus spricht keine Bände, aber sagt alles

17.02.2023 | Oper international

Giuseppe Verdi: Rigoletto • Theater Basel • Vorstellung: 16.02.2023

(6. Vorstellung • Premiere am 21.01.2023)
Der Applaus spricht keine Bände, aber sagt alles

Eine grosse Bacchetta garantiert noch kein gross(artig)es Dirigat. Zumindest an diesem Abend.

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Foto © Matthias Baus

Man könnte denken, nach der Probenzeit und fünf Aufführungen habe ein Dirigentenwechsel keine grosse Bedeutung, da das Orchester die Auffassung des Dirigenten verinnerlicht habe und eigentlich ohne Dirigent spielen könnte. Beim Sinfonieorchester Basel ist das nicht der Fall. Wohl wahrt es die Klangvorstellungen des ursprünglichen Dirigenten und den frischen Zugriff auf die Partitur. Gegen die (noch schnelleren) Tempo-Vorgaben von Thomas Wise (Musikalische Leitung) ist es allerdings machtlos. Wise hat an diesem Abend, das muss leider mit aller Deutlichkeit so gesagt werden, das Geschehen nicht im Griff, so dass es immer wieder zu mehr oder minder tumultartigen Momenten kommt. Verpasste Einsätze sind der fehlenden Übersicht zuzuschreiben, Patzer im Graben wie auf der Bühne den Tempi nahe der Grenze des Spiel- und Singbaren. Der Applaus nach der Pause spricht keine Bände, aber sagt alles.

Unter diesen Umständen hat auch Chor des Theater Basel (Chorleitung: Michael Clark), dessen Leistungen in beiden anderen besuchten Vorstellungen tadellos war, zu leiden. Der satte, homogene Klang bleibt erhalten. Die Präzision leidet natürlich.

Pavel Valuzhin gibt als Herzog von Mantua eine beeindruckende Vorstellung. Regisseur Vincent Huguet lässt seine Inszenierung in der Gegenwart spielen und zu dieser Gesellschaft gehören Körperkult und -training auf jeden Fall dazu. Und so ist der «Salon im Palast des Herzogs», in dem der Zweite Akt beginnt, das herzogliche Fitnessstudio und der Herzog macht die verschiedenen Übungen wie Handstand und Liegestütze und die Yoga-Stunde ohne Einschränkung mit. Kompliment! Wird Valuzhin während seiner Ballade zu Beginn des ersten Akts («Quest’o quella»/»Diese oder jene») noch brutalst überfahren, erhält er genügend Zeit für seine grosse Szene (Nr. 8) zu Beginn des zweiten Akts. Seine Stimme strömt frei mit endlosem Atem und viel Schmelz. Die in den hohen Lagen häufigen Wechsel in die Halbstimme nehmen der Stimme viel Glanz. Nikoloz Lagvilava ist mit seinem grossen, mühelos das Haus füllenden Bariton ein hervorragender Hofnarr Rigoletto. Mit schier endlosem Atem setzt Huguets Personenführung perfekt um und liefert ein musikalisch wie emotional beeindruckende Vorstellung. Gelegentliche Ausflüge ins Rustikale schärfen das Profil der Inszenierung. Regula Mühlemann gibt eine Gilda, die mit ihren klaren Höhen und ihrer emotionalen Präsenz beeindruckt. Der Stimme fehlt weiterhin das Fundament und so schweben und verklingen die Phrasen wie Trockeneis-Nebel. Artyom Wasnetsov ist mit seinem herrlich kernigen, mühelos das Haus füllenden Bass und seiner optischen Erscheinung, gut zwei Meter gross, eine Idealbesetzung für den Graf von Monterone.  Die Szene, als Monterone auf dem Weg in den Kerker Rigoletto begegnet und dieser gelobt ihn zu rächen, erinnert hier entfernt an die grosse Unterhaltung von Philipp II. und dem Grossinquisitor in «Don Carlo». David Shipley als Sparafucile geht mit seinem gepflegten Bass und tadellosen Auftritt gegenüber diesen beiden Giganten fast unter. Nataliia Kukhar gibt eine tadellose Maddalena. Frauke Willimczik als Gildas Gesellschafterin Giovanna, Mkhanyiseli Mlombi als Graf Ceprano, Inna Fedorii als Gräfin Ceprano, Kyu Choi als Marullo, Ronan Caillet als Borsa und Vivian Zatta als Gerichtsdiener ergänzen das Ensemble.

Zur Inszenierung ist bereits alles gesagt.

Weitere Aufführungen:

Fr. 24.02.2023; So. 05.03.2023; So. 19.03.2023; Mo. 10.04.2023; Fr. 21.04.2023; Sa. 29.04.2023;

Do. 18.05.2023; Di. 06.06.2023; Mi. 21.06.2023.

17.02.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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