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BASEL/ Theater: MOSES UND ARON von Arnold Schönberg. Premiere

04.10.2026 | Oper international

Theater Basel: Schönberg: «Moses und Aron» – Pr. 3.10.2026

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© Ingo Höhn

Aufgrund zahlreicher antisemitischer Vorkommnisse, nicht zuletzt wegen des Verlusts seiner Stelle an der Preussischen Akademie der Künste in Berlin, rekonvertierte der 1898 zum Protestantismus konvertierte Schönberg 1933 wieder zum Judentum. Im Zuge seines neuerwachten Interesses an seiner jüdischen Herkunft befasste er sich intensiv mit dem Moses-Stoff und verfasste mehrere Werke darüber, auch die Oper «Moses und Aron», die eigentlich als Oratorium gedacht war. Er schaffte es allerdings nicht, das Werk im Exil in den USA zu vollenden, weshalb der 3. Akt nur aus einer unvertonten Szene besteht.

Der Inhalt lehnt sich nur lose and das 2. Buch Mose an, bei Schönberg bewirkt Moses selbst keine Wunder, ja lehnt diese als eine Verbildlichung der Allmacht Gottes komplett ab. Die Wunder Arons unterstützen Moses nicht, sondern sind bei Schönberg geradezu Blasphemie.

Auch unvollendet ist diese Oper ein Mammutwerk, das für ein Theater allein kaum zu stemmen ist. Es ist deshalb verständlich, dass sich Regisseur Benedikt von Peter hilfesuchend an seinen Kollegen in Freiburg im Breisgau, Felix Rothenhäusler gewandt hat. Das Werk über 2 Brüder wird also an 2 Häusern gespielt (ab März in Freiburg), von 2 Regisseuren geleitet und von 2 Chören (Leitungen: Michael Clark und Norbert Kleinschmidt) gesungen – allein für diese logistische Grossleistung gebührt allen Mitwirkenden der grösste Respekt.

Die in Zwölftontechnik geschriebene Partitur verlangt dem Orchester alles ab. Für den Freiburger Dirigenten André de Ridder kommt erschwerend hinzu, dass das Orchester hinter der Bühne über drei Register verteilt ist, wobei er in der Mitte mit den Streichern steht, über ihm die Bläser, was einem Kopfhörereffekt gleichkommen muss. Trotz Bildschirmen an den Bühnenseiten: Ohne Co-Dirigentin Friederike Scheunchen hätte das wohl nicht funktioniert.

Obgleich die Zwölftonmusik den demokratischen Schweizern gefallen müsste (alle 12 Töne einer Oktave sind gleichberechtigt, bevor einer wiederholt wird, müssen erst alle anderen einmal gespielt worden sein): die Tatsache, dass jeder Ton mit jedem kombiniert werden darf, ist immer noch gewöhnungsbedürftig, auch wenn man bei genauem Zuhören sogar ein 4-Ton-Leitmotiv und einige lautmalerische Momente, wie klopfende Regentropfen heraushören kann. Fantastisch der Höhepunkt des wilden Tanzes um das goldene Kalb mit anschliessender Orgie und Menschenopfern – kein Wunder liess das Theater Basel vorausschauend Ohrenstöpsel verteilen.

Aron nur als überdimensioniertes Megaphon auftreten zu lassen, als versinnbildlichtes Sprachrohr des Moses, geht etwas auf Kosten von Tenor Rolf Romei, dessen schauspielerische Qualitäten hier leider nicht zum Tragen kommen, und dessen gezwungenermassen überdeutliche theatralische Diktion ihn ganz schön Kraft kostet. Es nimmt auch der Rivalität der Brüder etwas die Spannkraft. Schliesslich besteht der Kern der Oper aus dem Streit zwischen den beiden Brüdern, die wie zwei Seiten einer Medaille sind, abstrakt gegen konkret, Gedanke gegen Bild und Wort.

Der immerhin 87jährige Schauspieler Walter Hess als Moses hat hingegen mit einem anderen Problem seiner Sprechrolle zu kämpfen: Schliesslich muss er sich genau an den Takt halten, Sätze also entweder dehnen oder zusammenquetschen. Eine Qual für jeden Schauspieler, tapfer ertragen.

Statt Götzenbildern fallen überdimensionale Schaumstoffobjekte aus einem Netz, Pizzastücke, Würfel, Regenbögen, Autos, Spielchips, Zigaretten, eben alles, was den Götzen Konsum symbolisieren soll. Allerdings ziehen diese zum Teil auch als Sexspielzeuge missbrauchten Objekte die gewalttätige Orgie etwas ins Lächerliche.

Noch störender sind allerdings diejenigen Chormitglieder, die verteilt im Publikum sitzen, von dort mitsingen, mitschreien und herumfuchteln. Da sie ausserdem ständig ihren Platz wechseln, müssen ganze Reihen immer wieder aufstehen. Das Publikum als Teil des Volks in die Handlung einbeziehen zu wollen – Benedikt von Peter verwendet diesen Kunstgriff immer wieder – ein verständlicher Wunsch, aber hier eher unpraktisch.

Wer seiner inneren Stimme folge, brauche keine Gesetze, meint Moses, der damit auf Selbstdisziplin und Eigenverantwortung setzt. Eine blöde Idee.

Das muss auch Moses klargeworden sein. Sogar in der Bibel schreibt er die 10 Gebote eiligst wieder auf. Bei Schönberg lässt Moses sein Volk nicht einmal ins Gelobte Land weiterreisen, und fordert es auf, in der Wüste zu bleiben, wo man keine Wünsche hat und es keine Versuchungen gibt.

«Bist du bereit für die Wüste?» fragt er ins erschöpfte Publikum.

Man ist eher reif für die Insel.

Alice Matheson

 

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