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BASEL Theater: MACBETH von Giuseppe Verdi. Grenzenlose Blödelei. Premiere

23.01.2026 | Oper international

Giuseppe Verdi: Macbeth • Theater Basel • Premiere: 22.01.2026

Grenzenlose Blödelei

Steht der Name Herbert Fritsch auf dem Besetzungszettel, da weiss der Zuschauer, was ihn erwartet.

max
Foto © Ingo Höhn

Ein Grundanliegen von Herbert Fritsch (Inszenierung, Bühne und Kostüme; Bühnenbildmitarbeit: Olga Steiner; Kostümmitarbeit: Sascha-Alexander Todtner) liegt, gemäss Interview im Programmheft darin, Pathos und die allzu grosse Operngeste, auch in vokaler Hinsicht, zu vermeiden. Eine valable Alternative zur inkriminierten Sicht hat er allerdings nicht zu bieten. Es bleibt einmal mehr bei egozentrischem Regietheater, kulminierend in der Applausordnung mit dem Auftritt des Regisseurs aus der Versenkung. Immerhin gestaltet Fritsch diese Nicht-Alternative mit der ihm eigenen Konsequenz. Als Bühnenbild dient eine Flucht von fünf Portalen mit Rückwand, die fast durchgehend rot (die Farbe des Blutes und damit im Bereich des «Pathos») beleuchtet sind (Lichtdesign: Cornelius Hunziker). Die Kostüme sind, mit Ausnahme der Lady, die als platter, nicht wirklich motivierter Kontrast zur gängigen Lesart weiss, die Farbe der Unschuld tragen «muss», durchgehend schwarz und nach klassischen Vorlagen gestaltet. Imkerartige Kopfschütze ermöglichen den Damen vom Chor einen raschen Wechsel vom Hofstaat Macbeths zu Hexen und zurück. Auch die Bewegungschoreographie folgt dem kaum durchschaubaren Konzept der Inszenierung: die roboterartigen Verbeugungen des Hofstaats und der schlicht nur nervig gezeigte, dauernd seine Krone verlierende Malcolm lösen wiederholt Lacher im Publikum aus. Im Übrigen geht die Personenführung so weit, dass in der Lady Wahnsinnsszene nichts von Wahnsinn (auf den mit ihrem weissen, von anderen «Wahnsinnigen» wie Lucia oder Elvira bekannten «Unterrock» angespielt wird) und nach Macbeths Visionen nichts von Erschütterung festzustellen ist. So eindrucksvoll die Körperbeherrschung der Lady und Macbeths auch sind: das an sich ernste Stück machen sie vollends zur platten, banalen, dem Stück unwürdigen Unterhaltung. «Ich finde eigentlich, es geht am Ende um eine Liebesgeschichte», äussert sich Fritsch im Programmheft. Es gelingt ihm nicht, dies deutlich zu machen: vor wenigen Monaten gab es auf einer Schweizer Bühne eine Umsetzung zu sehen, die genau das unter Umgehung von Pathos und grosser Operngeste als Wurf gezeigt hat. Davon ist Fritsch meilenweit entfernt.

Dirk Kaftan (musikalische Leitung) gelingt es mit dem Sinfonieorchester Basel nur bedingt Pathos und grosse Operngeste zu vermeiden. Mit seiner Disposition von Tempo und Lautstärke gleitet er, so virtuos die Musiker (Bläser!) im Einzelnen auch sind, wiederholt ins knallig Pathetische ab. Immerhin nimmt er das Orchester in den entscheidenden Momenten so weit zurück, dass die Sänger nicht zugedeckt werden. Michael Clark hat die Chöre (Chor des Theater Basel und Extrachor des Theater Basel) tadellos vorbereitet. Es verdient absolute Bewunderung, wie die Anforderung des Regie-Konzepts erfüllt werden, ohne dass der Gesang darunter zu leiden hätte.

Iain MacNeil gibt den Macbeth mit kräftigem, gut fokussiertem Bariton mit ansprechend virilem Klang. Passend zur Inszenierung zeigt er, dass man das Singen während des Schlagen eines Rades nicht unterbrechen muss. Der Banco von Sam Carl begeistert mit herrlich kernigem, voluminösen Bass. Heather Engebretson gelingt eine eindrückliche Darstellung der Lady Macbeth. Stimmlich bleibt Engebretson bei der Rolle, die an der «Grenze zwischen Gesang und Sprache, zwischen Oper und Schauspiel» angelegt ist, «Brücke zwischen dem, wie italienische Oper vorher war, und der Zukunft mit seinem [Verdis] späteren Stil», eindeutig auf der Seite dessen, was die Oper vorher, vor der Erstfassung des «Macbeth» von 1847, war. Die klangschöne, eben fast zu schöne Stimme ist perfekt fokussiert, höhensicher und trägt im ganzen Haus. Schlichte Bewunderung verdient ihre (physische) Bühnenpräsenz. Beim ersten Auftritt ist man sich nicht sicher, ob hier eine Primaballerina oder eine Primadonna auftritt. Auch später zeigt sie, wenn sie vom zwei Köpfe grösseren Macbeth zirkusreif durch die Luft gewirbelt wird, dass frau in jeder Situation singen kann. So beeindruckend diese Momente auch sind: wenn einer von beiden ausfallen sollte, geht ein wichtiger Teil des Inszenierungs-Konzepts verloren. Rolf Romei gibt den Macduff mit gut fokussiertem, höhensicherem Tenor. Warum König Duncan (Peter Keller) gleich als dementer Tattergreis gezeigt wird, bleibt das Geheimnis der Regie, passt aber stimmig zum Konzept. Hope Nelson als Dame der Lady Macbeth, Ervin Ahmeti als Malcolm, Marius Aron als Arzt sowie Nathan Schludecker als Mörder und Diener

Wer’s mag…

Weitere Aufführungen:

Sa. 24.01.2026, 19:30; Fr. 30.01.2026, 19:30; So. 01.02. 2026,18:30; Sa. 07.02. 2026,19:30;

Sa. 14.02. 2026,19:30; So. 01.03. 2026,18:30; Do. 12.03. 2026,19:30; Mi. 18.03. 2026,19:30;

Sa. 21.03. 2026,19:30; Do. 26.03. 2026,19:30; Sa. 28.03. 2026,19:30.

24.01.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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