Theater Basel: Grosse Bühne – «Don Quijote» – Thom Luz (Inszenierung) – Kammerorchester Basel – Eduardo Strausser (musikalische Leitung)
Premiere: 14. Mai 2026
Die Pastete des Ritters

André Morsch (Sancho Panza), Dietrich Henschel (Don Quijote). Foto: Ingo Hoehn
Ein Pasticcio ist, sprachlich betrachtet, eine Pastete. In der Küche bedeutet das: Man mischt Verschiedenes zu etwas Neuem. Das setzt voraus, dass man die Mischung dem Original vorzieht. Es ist eine Kunst für sich, aber keine für Puristen.
Im Theater Basel wurde nun eine solche musikalische Pastete serviert. Die Liste der Zutaten war exquisit, fast schon prätentiös. Thom Luz hatte die Partituren von Anonymus, Ruperto Chapí, Francesco Bartolomeo Conti, Pedro Halffter, Jacques Ibert, Wilhelm Kienzl, Jules Massenet, Felix Mendelssohn Bartholdy, Saverio Mercadante, Henry Purcell, Maurice Ravel und Georg Philipp Telemann zusammengetragen und sie mit der Präzision eines erfahrenen Sauciers zu einem neuen Ganzen amalgamiert (Musikalisches Konzept und Arrangements: Mathias Weibel). Es war handwerklich meisterhaft, daran gab es nichts zu deuteln.
Doch wie das bei sehr reichhaltigen Menüs oft der Fall ist, stellte sich nach dem dritten Gang eine gewisse Sättigung ein. Die Dramaturgie hatte das Problem jeder überfüllten Pastete: Sie zog sich in die Länge. Man verlor zwischen den Epochen und Stilen bisweilen den Appetit auf den nächsten Takt. Dass man dennoch bis zum Ende blieb, lag an den Gastgebern.
Dietrich Henschel als Don Quijote und André Morsch als Sancho Panza agierten mit einer Präsenz, die weit über das übliche Mass hinausging. Es war nicht nur Gesang; es war Artistik. Eine schauspielerische Tour de Force, so präzise choreografiert, dass man die Längen der Partitur fast vergass. Die kühle Souveränität, mit der Jan Bluthardt als Cervantes durch den chronologischen Mischmasch führte, gab dem Abend die nötige Struktur. Auch die Gehilfen untermalten das Geschehen mit einer stimmlichen Gewalt, die keinen Widerspruch duldete.
Einen faszinierenden Kontrapunkt bildete die Optik. Die Bühne von Muriel Gerstner und die Kostüme von Tina Bleuler verzichteten auf Farbe. Alles war in Schwarz und Weiss gehalten.
Die raffinierte Technik und die präzisen Projektionen von Jonas Alsleben und Cornelius Hunziker reduzierten den musikalischen Cocktail, den das Kammerorchester Basel unter der musikalischen Leitung von Eduardo Strausser eher zurückhaltend servierte, auf ein ästhetisches Maximum.
Wer Pasteten mag und die nötige Geduld für ein langes Menü mitbringt, dem sei diese kühl angerichtete Opern-Variation empfohlen. Es ist ein zweieinhalbstündiger Genuss. Man sollte ihn sich gönnen.
Frédéric Weisser

