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BASEL/ Theater/ Grosse Bühne: SALOME. Premiere

06.10.2022 | Oper international

Basel: Theater Basel – Grosse Bühne – Richard Strauss “Salome” (reduzierte Fassung vom Komponisten) – Herbert Fritsch (Inszenierung und Bühne), Sinfonieorchester Basel (SOB) – Clemens Heil (musikalische Leitung) – Koproduktion mit dem Luzerner Theater und dem Nationaltheater Mannheim

Premiere: 02.10.2022

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Heather Engebretson mit dem Kopf des Jochanaan (Jason Cox), Peter Tatsist, Jasmin Etezadzadeh. Foto: © Theater Basel

Als sich der blutrote Vorhang hebt und die ersten Klänge aus dem Orchestergraben steigen, wird relativ schnell klar, dass man sich auf einen intensiven Abend einstellen kann. Die exotisch ausgeleuchtete Bühne ist nur spärlich dekoriert mit zwei goldenen Sitzen und einem grossen Mond, der über der Szenerie thront. Kräftige Farben lassen dabei das Bühnenbild sehr lebendig wirken. Für Regie und Ausstattung zeigt sich Herbert Fritsch verantwortlich, der dem Basler Publikum mit seinen farbenprächtigen Inszenierungen längst ein Begriff ist. Durch das Fehlen eines opulenten Bühnenbildes rücken die Figuren in den Vordergrund. Fritsch gelingt eine hervorragende Personenregie, die erschüttert, amüsiert und überrascht. Selten hat man Charaktere auf der Bühne im Musiktheater so deutlich lesen und erleben können. Die Inszenierung beschäftigt sich dabei mit Tabuthemen wie Kindesmissbrauch und regt zum Nachdenken an, weil man durch diesen Ansatz Salomes Rache und Blutrausch ansatzweise nachvollziehen kann. Man hegt trotz aller Widrigkeiten Sympathie für sie, als sie vom Tetrarchen zum Tanz der sieben Schleier genötigt wird. Das ist starkes Theater.

Musikalisch ist der Abend ebenfalls ein Triumph. Clemens Heil dirigiert ein stets transparentes, kraftvoll und leidenschaftlich spielendes Sinfonieorchester Basel (SOB). Das Orchester spielt in der von Richard Strauss persönlich angefertigten Fassung für reduziertes Orchester. Die Sänger:innen werden nie von den Klangmassen zugedeckt, sondern können durch das sensible Dirigat von Heil stets gehört werden. Nebst der fulminanten Orchesterleistung gilt es auch die Sängerbesetzung zu loben. Heather Engebretson in der Titelrolle versteht es zu betören. Sowohl stimmlich auch als darstellerisch reizt sie das Mögliche aus. Jason Cox ist ein ebenso stimmgewaltiger Jochanaan. Herrlich zynisch und überspitzt ist das Königspaar mit Jasmin Etezadzadeh als Herodias und Peter Tantsits als lüsterner Tetrarch. Die hohe sängerische Qualität zieht sich von der Titelrolle bis hin zur kleinsten Partie des Abends konsequent durch, was das Publikum zu Recht begeistert. Zusammen mit der bereits erwähnten grandiosen szenischen Umsetzung ist die Salome von Herbert Fritsch ein Muss für sämtliche Musiktheaterliebhaber:innen, welche grossen Wert auf musikalische Qualität und eine hochwertige und originelle Inszenierung legen. Gerade für Menschen, welche sich zum ersten Mal mit dem Stoff auseinandersetzen, ist die derzeitige Basler Salome bestens geeignet.

Dem Theater Basel darf zu diesem starken Saisonbeginn gratuliert werden.

Philipp Borghesi

 

 

 

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