György Kurtág: Fin de partie • Theater Basel • Premiere: 12.04.2026
Schweizer Erstaufführung
Für «Endzeit-Fans» ein Muss
Das Theater Basel wagt sich an die Schweizer Erstaufführung von György Kurtágs einziger Oper «Fin de partie» – und gewinnt. Das vom Komponisten stärker als in anderen zeitgenössischen Opern geforderte Publikum zeigt sich begeistert.

Foto © Ingo Hoehn
György Kurtág thematisiert in seiner Oper, zu der er sich nach Samuel Becketts «Fin de partie» («Endspiel») das Libretto selbst geschrieben hat, das Warten von vier Überlebenden einer globalen Katastrophe auf ihr individuelles Ende. Das Quartett der Überlebenden, das (gemäss Libretto in einem Haus am Meer) auf engstem Raum zusammenlebt, ist durch seine körperlichen Einschränkungen gegenseitig voneinander abhängig und macht sich trotzdem das Leben schwer. Hausherr Hamm sitzt im Rollstuhl, sein Diener Clov kann sich nicht setzen und Hamms Eltern Nagg und Nell, die einander (nach mutmasslich jahrzehntelanger Ehe) nicht ausstehen können, fehlen die Beine.
David Marton (Inszenierung) setzt dieses Endspiel beklemmend intensiv und fordernd um. Der Wechsel des Handlungsorts, von einem «Haus am Meer» zum Überbleibsel des Pools auf dem Dach eines in dieser globalen Katastrophe zerstörten Hochhauses vor einer Stadtkulisse (Bühne und Kostüme: Márton Ágh), verstärkt die Wirkung des zivilisatorischen Endspiels stärker als vom Libretto vorgegeben. Mit sorgfältiger, präziser Personenführung gelingt Marton hier eine mustergültige Charakterzeichnung. Das Lichtdesign von Thomas Kleinstück verstärkt den dystopischen Eindruck der Szenerie.
Nathan Berg gibt, an das Sofa (statt Rollstuhl) gebunden, einen intensiven Hausherrn Hamm. Als er sich doch mit grossen Qualen zum Abgrund geschleppt hat, verhindert sein Gegenpart, der hyperaktive Clov (Michael Borth) den finalen und vor allem erlösenden Sprung, den man Hamm doch sofort gönnen würde. Zwischen den Kissen des Sofas (statt wie in der Vorlage in Mülltonnen lebend) streiten sich permanent Hamms Eltern Nell (Ursula Hesse von den Steinen) und Nagg (Ronan Caillet) und machen die Abneigung des Sohnes umso deutlicher. Das berührend glaubwürdige Spiel der Solisten zeugt von intensiver, präziser Probenarbeit.
Von dieser intensiven Probenarbeit zeugt auch die Präzision der Übereinstimmung zwischen Bühne und Graben. Kurtág hat seine Partitur mit zahlreichen, ausführlichen und höchst präzisen Dynamik- und Tempoangaben versehen und das Sinfonieorchester Basel bewältigt unter der musikalischen Leitung von Gábor Káli die geforderte Höchstleistung ohne Einschränkung.
Für «Endzeit-Fans» sicher ein Muss.
Weitere Aufführungen:
Sa. 18.04.2026,19:30; So. 26.04. 2026,18:30; Sa. 02.05. 2026,19:30; Fr. 15.05. 2026,19:30;
Mo. 25.05. 2026,18:30; Mo. 01.06. 2026,19:30; Mi. 03.06. 2026,19:30; Fr. 05.06. 2026,19:30;
So. 14.06. 2026,16:00; Do. 18.06. 2026,19:30.
16.04.2026, Jan Krobot/Zürich

