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BASEL/Theater: DON CARLOS – Neuinszenierung

18.02.2022 | Oper international

Giuseppe Verdi: Don Carlos • Theater Basel • Vorstellung: 17.02.2022

(2. Vorstellung • Premiere am 13.02.2022)

Grosse Oper? Ganz grosse Oper!

Lange mussten sich die Schweizer Opernfans auf einen Don Carlos (Don Carlos: französische Fassung; Don Carlo: italienische Fassung) gedulden. Und nun gibt es ihn in dieser Saison, die Schweizer Intendanten scheinen sich nicht abzusprechen, wie ein paar andere Opern auch, in dieser Saison gleich doppelt. Im Herbst hatte der Berner Don Carlos (Modena-Fassung mit französischem Text) seine Premiere, nun hat Basel (mit der Originalfassung!) nachgezogen. Und mit seiner Produktion ist dem Theater Basel ein gigantischer Wurf gelungen!

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Foto © Matthias Baus

Das Sinfonieorchester Basel spielt an diesem Abend in schlicht überragender Form. Jedes einzelne Register befindet sich in Bestform, angeführt von den traumhaft schönen Bläsern. Michele Spotti gelingt es mit grossen, raumgreifenden, aber immer klaren Gesten dem Orchester einen atmosphärischen Klang auserlesener Güte zu entlocken. So wird das Autodafè nicht nur auf Grund des von Michael Clark bestens vorbereiteten Chor und Extrachor des Theater Basel zu einem Höhepunkt des Abends. Schon die Gestaltung des Beginns der Oper, Hörnerklang und Chor beigeschlossenem Vorhang im Zusammenspiel mit dem Orchester, legt Zeugnis ab von Spottis handwerklichem Können und ästhetischem Empfinden.

Yolanda Auyanet gibt mit kräftigem, klarem dramatischem Sopran eine überzeugende Elisabeth de Valois und macht so klar, warum der Vater, Philippe II, sie will und sein Sohn, Don Carlos, der sie eigentlich bekommen sollte, nicht von ihr lassen kann. Nathan Berg singt Philippe II. mit herrlichem Bass und grosser Bühnenpräsenz. Die Entdeckung des Abends ist der schwedische Tenor Joachim Bäckström als Don Carlos. Er gestaltet die Rolle des Infanten mit schier unerschöpflichen Reserven und einem Timbre, das an Neil Shicoff (ohne seine schmerzhafte Zerrissenheit) erinnert. John Chest als Rodrigue hat nicht ganz so viel Kraft, aber die gleiche Bühnenpräsenz. Vazgen Gazaryan ist mit kernigem Bass als Grossinquisitor in der grossen Szene zu Beginn des IV. Akts ein würdiger Partner Philippes II. Von phänomenaler Intensität ist die Gestaltung der Prinzessin Eboli durch Kristina Stanek. Von Rossinischer Leichtigkeit im «Au palais de fées» (Schleierlied) bis zur Dramatik des «O don fatal» stehen ihr alle erforderlichen Nuancen zu Verfügung. Ein Traum! Andrew Murphy als Ein Mönch, Nataliia Kukhar als Gräfin von Aremberg, Inna Fedorii als glockenreine Stimme vom Himmel, Ronan Caillet als Graf von Lerme, Jasin Rammal-Rykała, Kyu Choi, Félix Le-Gloahec, Andrei Maksimov, Yurii Strakhov und Jiacheng Tan als Flämische Gesandte ergänzen das formidable Ensemble.

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Foto © Matthias Baus

Vincent Huguet inszeniert eng am Libretto, das er sehr genau gelesen hat, und gibt den Gedanken des Zuschauers Raum, anstatt ihm eigene, zeitgeistige Umdeutungen aufzuzwängen. Unterstützt wird er vom grandiosen Bühnenbild Richard Peduzzis. Im meeresblauen Bühnenraum genügen Türme in terracotta und senfgelb, scherenschnittartig angedeutete Bäume und eine riesige rote Treppe um der wunderbaren Atmosphäre, die die Originalfassung des Don Carlos der Mailänder und Modena-Fassung weit voraushat, Raum zu geben. Ganz wesentlich trägt dazu die Lichtgestaltung von Irina Selka bei.

Diese Produktion ist ein Ereignis und lässt eine vermeintlich bekannte Oper neu entdecken!

Ganz grosse Oper!

Ganz grosse Empfehlung!

Weitere Aufführungen:

22.02.2022, 19:00; 25.02.2022, 19:00; 28.02.2022, 19:00; 18.04.2022, 18:00; 24.04.2022, 18:00; 30.04.2022, 19:00; 04.05.2022, 19:00; 13.05.2022, 19:00; 15.05.2022, 16:00; 21.05.2022, 19:00.

17.02.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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