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BASEL/ Theater: DIE VERSCHWÖRERIN. Schauspiel von Joël László – Uraufführung

04.11.2018 | Theater

Theater Basel: Die Verschwörerin, Schauspiel von Joël László – UA 2.11.2018

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© Birgit Hupfeld

Drei Gestalten in Schutzanzügen öffnen in sich verschachtelte aufwendig gesicherte Plastikbehälter. Lediglich gelbe Schnüre holen sie schliesslich heraus, die sie kreuz und quer über die Bühne spannen. Diese Hinweisfäden, die im Laufe der Handlung mit Fotos und Dokumenten behängt werden, entwickeln sich langsam zu einem Verschwörungsnetz, in dem sich die Protagonistin verfängt. Die Historikerin Sylvia (Barbara Horvath) wird bei ihren Forschungen zur Geschichte von Giftgas von geheimnisvollen Informanten wie einem Agenten mit Sonnenbrille (Mario Fuchs) unterstützt, die ihr Dokumente über die Herkunft der im Nahen Osten eingesetzten chemischer Waffen zuspielen.

Nun ist es schon an sich schwierig, Lehre und Forschung mit einer Familie mit Kleinkind unter einen Hut zu bringen. Sylvia sieht sich aber nicht nur konfrontiert mit ihrem immer mürrischer werdenden Mann Karl (Vincent Glander) und ihrem stets schreienden Baby (genial die Idee, das Baby durch eine aufnehmende Kamera zu ersetzen), sondern auch die dazugeskypten Gesichter der durch Giftgas sterbenden Familien im Nahen Ostenrauben ihr den Schlaf.

Als in einer Talk-Show Sylvia dem Verteidigungsminister (Martin Hug) vorwirft, Helmut Kohl habe deutschen Giftgasfabriken in den Nahen Osten exportiert, stellt die impertinente Moderatorin Delfi (Myriam Schröder) auch gleich die Möglichkeit von Fake News in den Raum. Dabei soll Delfis Name wie auch ihr silbergraues Tülloutfit (Bühne und Kostüme: Sigi Colpe) wohl an das antike Orakel mahnen. Hier wird der Medienwelt gnadenlos ein Spiegel vorgehalten: Die Macht der Bilder, auch der falschen, wird grausam deutlich. Im Umkehrschluss wird aber auch die Echtheit jedes Bildes bezweifelt: Obwohl es ein Bild des Giftgascontainerschiffes auf dem Weg zu den Einsatzorten im Nahen Osten gibt, wird die Tatsache negiert.

Hier liefe eigentlich alles auf den Eklat heraus, zu dem alle Fäden führen, doch der ungarische Regisseur András Dömötör nimmt dem Stück mit einer „Parallelsylvia“ unverhofft den Wind aus den Segeln und löst das Stück dann irgendwie im Aktions-Chaos auf.

Der Basler Islamwissenschaftler Joël László schrieb das Stück im Rahmen des Autorenförderprogramms «Stück Labor Basel» am Theater Basel. Das Thema ist aktueller als einem lieb ist, wird doch gerade über Waffenlieferung der Schweiz in den Nahen Osten diskutiert. Trotz ausgezeichneter schauspielerischer Leistung schaffen es aber weder Text noch Inszenierung, Stimmung zu schaffen und betroffen zu machen, was bei diesem Thema doch oberste Priorität gewesen wäre.

Alice Matheson

 

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