THEATER BASEL: DER RING DES NIBELUNGEN von Richard Wagner
am 4.,5.,7.und 9. Juni 2025

Walhall brennt. Foto: Ingo Höhn
Schon die größten Theater der Welt tun sich schwer damit, eine komplette neue RING-Inszenierung herauszubringen, geschweige denn, den ganzen Zyklus dann auch noch in annähernd vier Tagen hintereinander aufzuführen.
Das Theater Basel, das ja eher zu den mittleren Bühnen zählt, hat das jetzt zu Spielzeitende zweimal gewagt – und auf der ganzen Linie gewonnen. Was man nicht hoch genug einschätzen und loben kann. Vor allem deshalb, weil die musikalische Umsetzung kaum Wünsche offen liess.
Jonathan Nott dirigierte das (bayreuthesk unter den Bühnenboden verbannte) Sinfonieorchester Basel mit nie nachlassender Verve, klugen Tempi und subtilen, auch lyrischen Feinheiten. Und das Sängerensemble war an allen vier Abenden ebenfalls durchgehend hervorragend.

Loge und die Riesen. Foto: Ingo Höhn
Nathan Berg ist ein beeindruckender und ausdauernder, permanent überforderter Clanchef, Bösewicht und Übervater, Michael Laurenz singt und spielt sich als Loge intrigierenderweise in die Herzen der Zuschauer, Solenn‘Lavanant Linkes Fricka keift formschön, Andrew Murphy ist ein Alberich, mit dem man einfach Mitleid empfinden muss, Ric Furman ist als Siegmund eine echte Entdeckung, Rolf Romeis Siegfried steigert sich Akt für Akt, Jasmin Etezadzadeh liefert als Waltraute eine herzzerreißende Walhalla-Erzählung ab, und Trine Møller ist, sobald sie nach zwei Abenden sinnlosen Herumspazierens auf der Bühne und Handlungkommentierens endlich singen darf, als Brünnhilde einfach g r a n d i o s.

Siegfried und der Waldvogel. Foto: Ingo Höhn
Musikalisch also ein Hochgenuss, der nur getrübt wurde von der Inszenierung des Hausherrn Benedikt von Peter (gemeinsam Caterina Cianfarini). Ich sehe ja ein, dass einem als Regisseur bei einem auf der ganzen Welt so häufig inszenierten Mega-Werk immer wieder etwas Neues einfallen, dass man immer wieder einen interessanten Ansatz, eine originelle Sichtweise bieten muss. Bedauerlicherweise gehen sich diese auf dem Papier spannend erscheinenden Regiekonzepte in der Bühnenpraxis leider nie ganz aus.
So auch hier: von Peter & Cainfarini legen die Handlung als Rückblick der (den Selbstmord in gut feministischer Weise verweigert habenden) Brünnhilde auf den Untergang einer dysfunktionalen Großfamilie an. Alle Personen sind von Anfang anwesend (auch wenn sie erst im Lauf der Tetralogie auf die Welt kommen) – was natürlich zu größeren Verwirrungen führt, auch und gerade, weil Brünnhilde das Geschehen immer wieder mit Zusatztexten kommentieren muss (und das noch dazu mit schwedischen Akzent !) .Das „Bühnenbild“ von Natascha von Steiger mit einem langen „Community“-Tisch, dem Rohbau eines Einfamilienhauses und sich im Verlaufe der vier Tage vermehrenden Welteschenstummeln (à la Godot) und die hässlichen Kostüme von Katrin Lea Tag tragen auch nicht dazu bei, die Inszenierung verständlicher oder ihren Anblick angenehmer zu machen.

Brünnhilde blickt zurück. Foto: Ingo Höhn
Aber sei’s drum: die Ohren wähnen sich vier Abende lang in Walhalla, als es noch nicht brannte. Also Augen zu und durch !
Robert Quitta, Basel

