Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BASEL/ Stadtkasino: Allgemeine Musikgesellschaft Basel (AMG) Daniel Lozakovich (Violine) Orchestre de Chambre de Lausanne – Eva Ollikainen (musikalische Leitung)

28.11.2025 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino – Allgemeine Musikgesellschaft Basel (AMG) Daniel Lozakovich (Violine) Orchestre de Chambre de Lausanne – Eva Ollikainen (musikalische Leitung) 27.11.2025

Im Rahmen ihrer Solistenabende hat die Allgemeine Musikgesellschaft Basel (AMG) den schwedischen Violinisten Daniel Lozakovich eingeladen. 2021 sorgte der junge Künstler in Basel bereits in der Reihe «Rising Stars» mit einem Wahnsinnssoloprogramm mit Werken von Bach, Ysaye und Paganini für Furore. Damals schon begeisterte er mit seinem enormen technischen Können und seiner riesigen Leidenschaft. Wunderbar also, dass die AMG diesen Ausnahmekünstler für ein weiteres Konzert in der Stadt am Rheinknie gewinnen konnte. Diesmal allerdings in Begleitung des Orchestre de Chambre de Lausanne und der finnischen Dirigentin Eva Ollikainen.

Das Orchester eröffnet den Abend mit dem «Concert Românesc», welches György Ligeti 1951 in Budapest komponierte. Das Werk, welchem rumänische Volkslieder und Volksmusik zugrunde liegen, hatte in der stalinistischen Diktatur keine Chance und wurde verboten; es widersprach offensichtlich den Normen des sozialistischen Realismus. Ligeti floh in den Westen und wurde dort vor allem durch neuartige Klangfarben bekannt. Und heute gelangt also ein frühes, sehr melodiöses Werk des Meisters zur rassigen, temperamentvollen Aufführung. («So kenne ich den Ligeti ja gar nicht», wird sich wohl der/die eine oder andere Gast im Publikum gedacht haben.). Eva Ollikainen führt das Orchester mit grosser Leidenschaft und Begeisterung durch das «Concert». Das Orchestre de Chambre de Lausanne nimmt die klaren, präzisen Einsätze auf und setzt sie feurig um. Es begeistern die einheitlichen Streicher, die quirligen Holzbläser.

hulo
Magische Poesie an der Violine: Daniel Lozakovich (Foto: Sasha Gusov)

Es geht mehr als nur begeisternd weiter: Daniel Lozakovich kehrt mit dem «Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26 (1864 – 68)» von Max Bruch ins Stadtcasino zurück. Was nun erklingt, ist schlicht und ergreifend magisch. Quasi aus dem Nichts lässt der Solist seinen Part aus dem Gesamtklang herauswachsen. Und das zieht Daniel Lozakvich während der gesamten Aufführung durch – eine wahre Verschmelzung zwischen dem Solisten und dem Orchester. Neben der herausragenden technischen Perfektion sticht bei dem jungen Künstler die enorme emotionale Anteilnahme heraus. Diese kommt ohne grosse – geschweige denn übertriebene – «Körpershow» zum Ausdruck. Dirigentin Ollikainen und das Orchester nehmen dies auf und perfektionieren so ein poetisch-magisches Musikerlebnis – wie leidenschaftlich kraftvoll erfüllen uns grosse Klangwogen, wie fein, zierlich und zärtlich berühren uns die Pianissimi!

Nach der Pause erklingt die «Sinfonie Nr. 4 c-Moll D 417 («Tragische»)» von Franz Schubert. Auch hier arbeitet Eva Ollikainen zusammen mit dem Orchester die verschiedenen Stimmungen und Klangfarben differenziert heraus – im aufwühlenden 4. Satz ist es dann bei den Forti vereinzelt fast etwas zu viel des Guten … – Wie auch immer: die mitreissende Aufführung kommt beim Publikum gut an – eigentlich schon zu gut – denn jeder Satz wird mit Applaus bedacht, was nicht nur für Zuhörende, welche nicht aus der musikalischen Stimmung herausgerissen werden wollen, störend ist.

Hoch verdienter grosser Schlussapplaus für diesen hochkarätigen Konzertabend!

Michael Hug

 

Diese Seite drucken