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BASEL/ Stadtcasino: SOLISTENABEND MARTHA ARGERICH (Klavier) / KREMERATA BALTICA

29.01.2016 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino – AMG-Konzert – Solistenabende S5 – Martha Argerich, Klavier, Kremerata Baltica  – 28.01.16

Ihr Name ist der Garant für ein volles Haus: Martha Argerich. Die phantastische Ausnahmepianistin war heuer mit Beethoven in Basel zu Gast. Allerdings mussten sich die Konzertbesucher in Geduld üben; der Auftritt der Pianistin war erst auf Ende des Konzertabends angesetzt.

Eröffnet (und dominiert) hat den Abend die Kremerata Baltica mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Streichersinfonie Nr. 7, d-moll“. Nach einem recht dynamischen Auftakt flachte das Streicherensemble ab und lieferte eine technisch saubere, von Emotion weitgehend befreite, mässig inspirierte Darbietung.

Auf Mendelssohn folgte „The Season’s Digest“ von Alexander Raskatov (geb. 1953). Dieses „Werk“ entstand nach Tschaikowskys Klavierzyklus „Die Jahreszeiten“. Im Programmheft äussert sich Raskatov zu seiner Komposition wie folgt: „Neue Zeiten, neue Jahreszeiten. In diesem Werk wollte ich ein altes, traditionelles Werk mit neuen Augen sehen, wollte alles Akademische oder Klischeehafte vermeiden und eine alte Musiksprache mit neuen Ausdrucksmitteln beleben. Das „Neue“ dominiert, und ich hoffe, dass ich dieser berühmten Musik eine zeigemässe „Up-to-date“-Erscheinung habe verleihen können.“ Als ob Tschaikowsky das nötig hätte! Es gibt also nicht nur Regisseure, welche die Auffassung vertreten, wenn sie einen Klassiker umschreiben, werde er dadurch besser … – Und sorgte diese Komposition aus dem Jahre 2001 für Streicher, Schlagzeug und präpariertes Klavier für so manchen verfremdeten Moment. Mit wesentlich mehr Spielfreude als beim Eingangsstück war die Kremerata Baltica da dabei.

Nach der Pause eröffnete die Kremerata mit Mieczyslaw Weinbergs „Sinfonietta Nr. 2, op.74“, für Streichorchester und Pauken – eine höchst eindrückliche musikalische Erfahrung! Bei diesem Stück überzeugte die Kremerata Baltica durch ausdrucksstarkes, dynamisches Spiel mit äusserst präzisen Pauken. Besonders ergreifend gelang der dritte Satz mit dem wunderbaren Zusammenspiel der Solobratschen und –Celli.

Und dann endlich war sie da: Martha Argerich, mit dem „Konzert Nr. 2 B-Dur op.19“ von Ludwig van Beethoven im Gepäck. Das Warten hat sich gelohnt: Frau Argerich präsentierte sich in absoluter Bestform! Bereits der Beginn des ersten Satzes war eine klare Ansage! Mit einer verspielten, liebevollen Leichtigkeit meisterte die Pianistin die Läufe, bot erneut grosse musikalische Emotion – und hielt sich dabei körperlich weitgehend zurück, als wollte sie sagen: „Ihr müsst mir nicht zusehen, sondern zuhören.“ Man konnte erahnen, wie Beethovens wunderbare Musik förmlich aus der Musikerin Herzen durch Arme und Hände in die Tasten floss. Der langsame zweite Satz geriet zu einer wahrlichen Meditation. Die Verschmelzung Seele – Hände – Instrument war vollkommen. Mit verspielter Frische gelang ihr auch der dritte Satz meisterhaft. Martha Argerich konnte auf die einfühlsame Begleitung der Kremerata Baltica zählen, welche die hohe Kunst Martha Argerichs noch besonders hervorhob – es war einfach perfekt! Grosser Schlussapplaus für einen ungewöhnlichen, höchst spannenden Abend.

 Michael Hug

 

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