Basel: Stadtcasino – Sinfonieorchester Basel (SOB) – «Stürmisch» – Mahler 5 – Markus Poschner (Leitung)
Monumentale Saisoneröffnung
- September (besuchtes Konzert) und 03. September 2026
Monumentale Saisoneröffnung

«Stürmischer» Start in die 151. Saison: Das Sinfonieorchester Basel mit Markus Poschner. (Foto: Bettina Matthiessen)
Sichtlich begeistert und ergriffen begrüsst Orchesterdirektor Franziskus Theurillat das Publikum zur Eröffnung der 151. Saison des Sinfonieorchesters Basel (SOB) im ausverkauften Musiksaal des Stadtcasinos Basel. Nebst Vertretern der Basler Regierung und den Parlamenten des Stadt- und Landkantons begrüsst der Orchesterdirektor den ehemaligen Chefdirigenten des damaligen Basler Sinfonieorchesters Moshe Atzmon, welcher die Geschicke des Orchesters von 1972 – 1986 nachhaltig prägte und als erster Dirigent alleine in der Schweiz mit dem Basler Orchester einen vollständigen Mahlerzyklus zur Aufführung brachte. (Den früheren Mahlerzyklus, welcher in Zürich zur Aufführung gelangte, wurde von vier Dirigenten geleitet.) Dass der Maestro Atzmon – nun mittlerweile 95jährig – im Publikum sitzt, freut nicht nur Franziskus Theurillat und das Sinfonieorchester Basel (SOB), sondern auch sämtliche Besucherinnen und Besucher; denn viele von ihnen wissen noch, was die Basler «Konzertszene» diesem sympathischen Künstler verdankt. Begrüsst werden aber auch die neuen Orchestermitglieder vorgestellt, welche an diesem Abend in Basel ihren Einstand geben.
Dass Moshe Atzmon ausgerechnet an diesem Konzertabend mit dabei ist, wird kein Zufall sein, denn nach ihm bringt das SOB mit seinem Chefdirigenten Markus Poschner einen vollständigen Gustav Mahler-Zyklus, welcher auch auf CD festgehalten wird, zur Aufführung. Damit – mit Mahler 2 – hat vergangene Saison Maestro Poschner seinen erfolgreichen Einstand gegeben. In dieser Saison wird der Zyklus weitergeführt – heuer eben mit der «Sinfonie Nr. 5 cis-Moll (1902/1911)».

Mahler mit Hingabe: Dirigent Markus Poschner (Foto: Bettina Matthiessen)
Monumental, schwer getragen – aber nicht niederschmetternd – startet das SOB in den ersten Satz von Mahlers grossem Werk. Die Blechbläser begeistern mit strahlendem Glanz, das Holz hält fein dagegen. Es gelingt eine differenzierte, dynamische Aufführung, in welcher die grossen, kräftigen, rauschenden Klangbogen voll zur Geltung kommen – bei den Piani traut man sich kaum zu atmen, so fein erklingen sie.
«Stürmisch bewegt. Mit grösster Vehemenz» – diese Bezeichnung setzte Gustav Mahler über den zweiten Satz. Und genau so setzen Markus Poschner und das Sinfonieorchester den Satz um. Auch hier gelingen Anschwellen und Zurücknehmen der Klangwellen sensibel-dynamisch. Auch hier achtet Maestro Poschner darauf, dass sämtliche Orchestergruppen zum Tragen kommen und nicht durch eine klangliche «Übermacht» verdeckt werden. Das Klangbild gerät sehr transparent, es gibt enorm viel zu entdecken. Besonders sensibel agieren die Celli in der grossen Piano-Stelle in der Mitte des Satzes.
Schwungvoll gerät der dritte Satz, das Scherzo. Die eleganten Violinen und die «frechen» Holzbläser geben sich vergnügtes, stimmungsvolles Stelldichein. Sehr berührend erklingen auch hier die feinen Passagen. Hohe Präzision beweisen die Streicher bei den Pizzicati.
Als Kontrast zum schwungvollen Scherzo führt uns das berühmte «Adagietto» aus tiefer, schwerer, höchst meditativer Hoffnungslosigkeit über einen verzweifelten Ausbruch hinaus ins Licht der Hoffnung. Es liegt trotz aller Klage so viel Tröstliches in diesem Satz. Das SOB arbeitet sämtliche Stimmungen präzis heraus. Dabei musizieren Streicher und die Harfe mit bestechender Schönheit und berühren tief.
Sanft holt das Horn zusammen mit den Holzbläsern das Publikum «zurück ins Leben» – lebensbejahend und voller Zuversicht erstrahlt der finale Satz und beschliesst das Werk, welches mit dem monumentalen Trauermarsch tragisch beginnt, genauso monumental, aber freudig. Der Satz greift dabei Motive aus dem Adagietto auf und wendet sie ins Versöhnliche, Zuversichtliche. Das SOB bringt seine Spielfreude und musikalische Strahlkraft nochmals zum Tragen und beschliesst den grandiosen Konzertabend festlich stimmungsvoll.
Standing Ovations des Publikums. What else?
Michael Hug

