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BASEL/ Stadtcasino: SINFONIEORCHESTER BASEL: „Fantastisch“. Anastasia Kobekina (Violoncello) – Markus Poschner (musikalische Leitung)

21.11.2025 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino – “Fantastisch” – Sinfonieorchester Basel (S0B) – Anastasia Kobekina (Violoncello) – Markus Poschner (musikalische Leitung)

Besuchtes Konzert: 19.11.2025

Zu einem anregenden, anspruchsvollen Konzertabend lädt das Sinfonieorchester Basel (SOB) mit seinem jüngsten Konzertabend Mitte November. Nicht nur das Programm, sondern auch die auftretende Künstlerin lassen aufhorchen.

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Musikalische Hochspannung: Anastasia Kobekina, Markus Poschner, Sinfonieorchester Basel (Foto: Bettina Matthiessen)

Anastasia Kobekina interpretiert an ihrem Cello zusammen mit dem SOB unter der zuverlässigen Stabführung des SOB-Chefdirigenten Markus Poschner das «Konzert für Violoncello und Orchester (1970)» von Witold Lutoslawski. Ein vielschichtiges Konzert, welches als Kampf zwischen Individuum (Solistin) und dem Kollektiv (Orchester) gesehen werden kann. Das lässt sich nachvollziehen, wenn man berücksichtigt, in welcher Zeit – 1960er-Jahre inmitten der kommunistischen Herrschaft – das Werk entstanden ist. Anastasia Kobekina möchte mit ihrer Interpretation Lutoslawskis Musik aus dem düsteren Kontext loslösen – sie sieht in dem Konzert nicht nur «Drama, sondern auch Komödie». Wahnwitzig – wenn nicht sogar wahnsinnig – ist das Werk ohnehin. Es beginnt fast schon unheimlich ruhig auf immer demselben, durch die Solistin angeschlagenen Uhrenton, dessen Ruhe unterbrochen und vom Orchester aufgegriffen wird – Ruhe und Unruhe, Chaos liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel bis zur Eskalation – ein spannungsgeladenes Wechselspiel, welchem sich Solistin und Orchester bedingungslos hingeben. Anastasia Kobekina begeistert mit grandioser Präzision und dramatischer Ausdruckskraft. Sie nimmt als Individuum die Kampfansage des Kollektivs – sprich des Orchesters – an. Wir erleben aufbrausende Zerrissenheit, welche immer wieder zu beunruhigender Ruhe findet. Zusammen mit dem durch Markus Poschner exzellent einstudierten Sinfonieorchester Basel liefert Anastasia Kobekina einen musikalischen Thriller von Hitchcocks Gnaden. Der Vergleich verhält, denn auch in den Filmen des Masters of Suspense steht der Held jeweils einer gegnerischen Übermacht gegenüber. – Als Zugabe spielt die Ausnahmekünstlerin, begleitet von Robin Fourmeau (Tambourine) eine Komposition Ihres erklärten Lieblingskomponisten: Wladimir Alexandrowitsch Kobekin, ihrem Vater.

Die «Symphonie fantastique, op. 14 (1830)» von Hector Berlioz nimmt in der Welt der Sinfonie eine besondere Stellung ein. Sie besteht nicht «einfach nur» aus Musik sondern auch – erstmalig – aus einer dramatischen Handlung, welche sich durch die fünfsätzige Sinfonie zieht. Das zusammen ergibt dann ein sinfonisches Ganzes und führt in der Konsequenz dazu, dass Berlioz’ «Symphonie fantastique» zu den Schlüsselwerken der Romantik zählt. Grosse Klangbogen, äusserste Sensibilität und innere musikalische Dramaturgie prägen die Aufführung und weisen Markus Poschner sowie das Sinfonieorchester Basel (erneut) als Meisterinterpreten der Romantik aus. Ein eigenes Kränzchen sei – auch hier – den höchst sensibel und präzise aufspielenden Holzbläsern gewunden!

Grosser Applaus des Publikums für einen spannenden, inspirierenden Konzertabend voll musikalischer Magie!

 Michael Hug

 

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