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BASEL/ Stadtcasino: SINFONIEORCHESTER BASEL „Bilder einer Ausstellung“ Sol Gabetta (Violoncello), Michal Nesterowicz (Leitung)

21.01.2016 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino – Sinfonieorchester Basel (SOB) – „Bilder einer Ausstellung“ – Sol Gabetta (Violoncello), Michal Nesterowicz (Leitung)  – 20.01.16

 Mit „Drei Stücke im alten Stil, op. 24“, welche Henryk Mikolaj Gorecki 1963 komponierte, eröffnet das Sinfonieorchester Basel (SOB) unter seinem designierten ersten Gastdirigenten Michal Nesterowicz den jüngsten wahrhaft bildstarken Konzertabend.

Wer im Oktober vergangenen Jahres im Konzert „Chantfleurs“ dabei war, weiss, dass er sich von Dirigent Nesterowicz ein schwungvolles, dynamisches, fein differenziertes, mit zudem angemessen zügigen Tempi versehenes Dirigat erhoffen darf. Auch heuer sollen diese Erwartungen nicht enttäuscht werden. Geheimnisvoll, ja mystisch, beginnen die „Drei Stücke im alten Stil“. Die Violinen stellen die Leitmelodie vor. Diese wird von den restlichen Streichern aufgenommen und variiert. Es fällt auf, mit welcher absoluten Präzision und Sauberkeit die Streicher des SOB muszieren. Aus den feinsten Piani entwickeln die Musiker eine Steigerung, welche in streichorchestralem Vollklang endet. Zehn faszinierende Minuten mit einem faszinierenden Werk – klein, aber fein!

Mit technischer Brillanz und grosser Sensibilität spielt Weltstar Sol Gabetta – welche übrigens unweit von Basel lebt – das „Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 H. 196 (1955)“ von Bohuslav Martinu. Sie meistert sämtliche Schwierigkeiten dieses anspruchsvollen, vielschichten Werks mit einer fast schon beängstigen Leichtigkeit – als wäre das alles gar nichts … Der zweite Satz gerät dank Sol Gabettas weichem und ausdrucksstarkem Spiel zu einer veritablen Meditation. Verstärkt wird diese Wirkung durch die einfühlsame Begleitung durch das SOB und dem Dirigenten. Der mit fingerbrecherischen Läufen nur so gespickte dritte Satz gerät in den melancholischen Teilen erneut besonders emotional.

Nach der Pause erklingt dann das titelgebende Werk „Bilder einer Ausstellung – Erinnerung an Viktor Hartmann (1874)“ von Modest Mussorgski. Es erklingt die Orchesterfassung von Maurice Ravel aus dem Jahr 1922. Dabei ziehen das SOB und Maestro Nesterowicz erneut sämtliche Register ihrer Kunst. Die Blechbläser eröffnen das Werk mit der „Promenade“ feierlich, klar, kräftig und rein. Im Bild „Gnomus“ beeindrucken die absolut einheitlich und kompakt aufspielenden Streicher, bei den „Tuileries“ setzen die Holzbläser virtuos-verspielte Akzente. Ein Highlight für sich sind die witzig verspielten Flöten beim „Ballett der Küken in ihren Eierschalen“. Monumental, jedoch frei von jeder Übertreibung, gerät das letzte Bild „Das grosse Tor von Kiew“. Michal Nesterowicz achtet hier besonders auf zügige Tempi und differenzierte Phrasierungen. Zusätzlich sind hier das Schlagwerk sowie das Xylophon mit ihrer messerscharf-präzisen Leistung hervorzuheben.

Nach langem Applaus folgt als Zugabe der „Danse macabre“ von Camille Saint-Saëns – mit einem exzellenten ersten Violonisten. Eine Zugabe, welche den vorangegangen Werken an Kraft und Musikalität um nichts nachsteht. Abendfazit: Bravo – bravi!

 Michael Hug

 

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