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BASEL/ Stadtcasino: Prégardien singt Händel • La Cetra Barockorchester Basel, Andrea Marcon

09.06.2023 | Konzert/Liederabende

Prégardien singt Händel • La Cetra Barockorchester Basel, Andrea Marcon • Stadtcasino Basel • Konzert: 08.06.2023

pregardien

Un momento do grandissimo contento

Andrea Marcon und das La Cetra Barockorchester sind auch 2023 wieder bei den Händelfestspielen Halle zu Gast. Vorher ist das Programm «Concerti grossi & Arien für den berühmten Tenor Francesco Borosini aus «Giulio Cesare», «Tamerlano» & «Rodelinda» im Stadtcasino Basel zu erleben.

Francesco Borosini (um 1695 – nach 1747) war ein italienischer Sänger mit ungewöhnlich grossem Stimmumfang von Bass bis Tenor. Unterricht in Gesang erhielt er von seinem Vater, dem Komponisten und Tenor Antonio Borosini, und wurde dann, wie dieser, an den Wiener Hof engagiert. Dort debütierte er 1709 in Antonio Lotti’s «Il vincitor generoso». In Wien sang er die Uraufführung zahlreicher Opern von Francesco Bartolomeo Conti (1681-1732) und Johann Joseph Fux (1660-1741). Borosini wurde als erster Tenor nach London engagiert, wo Händel den «Giulio Cesare» (HWV 17, 1724/1725) für ihn umarbeitete und die Rollen des Bajazet in «Tamerlano» (1724, HWV 18) und des Grimoaldo in «Rodelinda, Regina de’ Longobardi» (1725, HWV 19) in die Kehle komponierte.

Das Barockorchester La Cetra unter seinem künstlerischen Leiter und Händel-Preisträger Andrea Marcon beginnt den Abend mit der Ouvertüre für Dresden Nr. 6 g-Moll (1716) von Francesco Maria Veracini (1690-1778). 1714 lebte Veracini in London und gab im Kings Theatre Haymarket Violinsoli als Zwischenspiele in Opernvorstellungen. Bei dieser Gelegenheit dürfte Händel ihn kennengelernt haben. Die sechs Ouvertüren für Dresden entstanden 1716 in Venedig und brachten Veracini das bis 1722 dauernde Engagement als Hofkomponist und -violinist August des Starken ein. Bettina Simon und Georg Fritz gestalten die solistischen Passagen der Oboen mit ihren hell klingenden Instrumenten sehr elegant.

Die Arie des Sesto “Svegliatevi nel core” stammt noch aus der ersten Fassung des «Giulio Cesare» (HWV 17) von 1724, das Rezitativ «Seguirò tanto con ignoto passo» und die Arie «Scorta siate a’passi miei» stammen aus der 1725 überarbeiteten Fassung. Julian Prégardien gestaltet die Nummern mit strahlendem, bestens fokussiertem Tenor mit leichtem Metall und angenehmer baritonaler Färbung. Für die zu transportierenden Affekte findet er die ideale Intensität

Händels Concerto Grosso op. 3 Nr. 2 B-Dur (HWV 313) lebt vor allem vom satten Streicherklang und den virtuos gespielten solistischen Passagen der Konzertmeisterin Katharina Heutjer.

In Bajazets Arien «Ciel e terra armi di sdegno» und «Forte e lieto» aus «Tamerlano» (HWV 18) ist nun mehr lyrische Emphase als virtuose Attacke gefragt. Prégardien begeistert hier mit herrlich lyrischem Klang und wunderbaren, fast gehauchten Piani. Prégardiens Intelligenz der musikalischen und textlichen Gestaltung, wie es das Programmheft formuliert, kommt von Anfang an zur Geltung und macht den Abend schlicht zum Ereignis.

Das Rezitativ «Tutto lice sperar» und die Arien «Sperai né m’ingannai» und «L’angue offesa mai riposa» aus «Gulio Cesare» (HWV 17) sind von etwas verhaltenerem Duktus und klingen im Vergleich zu den ersten beiden Arien etwas konventioneller.

Das Concerto grosso op. 3 No. 4 F-Dur (HWV 315) lebt vom intensiven Zusammenspiel der Instrumentalisten und wird zu einem ersten Höhepunkt des Abends.

Das Recitativo accompagnato «Fatto inferno è il mio petto» und die Arie «Pastorello d’un povero armento» aus «Rodelinda, Regina de’ Longobardi» (HWV 19) mit dem von Prégardien wunderbar gestalteten Gegensatz von Hölle und bukolischer Ruhe wird zum gesanglichen Höhepunkt des Abend und reisst das Publikum von den Sitzen.

Mit Orontes «Un momento di contento» aus «Alcina» (HWV 34) und einer weiteren Zugabe entlässt Prégardien das begeisterte Publikum in den lauen Sommerabend.

Händel, wie man ihn im Moment kaum besser erleben kann!

Weiteres Konzert im Rahmen der Händelfestspiele Halle:

Samstag, 10. Juni 2023, 17:00, Konzerthalle Ulrichskirche,  Halle (Saale), Deutschland.

09.06.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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