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BASEL/Stadtcasino: Markus Poschner, Jan Lisiecki und das Sinfonieorchester Basel – «Sehnsucht»

17.10.2026 | Konzert/Liederabende

Basel/Stadtcasino Basel: Markus Poschner, Jan Lisiecki und das Sinfonieorchester Basel – «Sehnsucht»

Konzert vom Mittwoch, 14. Oktober 2026

bas
Foto; Bettina Mathiessen

Manchmal braucht es keine grossen Gesten, um Musik zum Erlebnis werden zu lassen. Mitunter genügt ein fein abgestufter Klang, eine überraschende Wendung oder das perfekte Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester. Das Konzert «Sehnsucht» des Sinfonieorchester Basel (SOB) vereinte all diese Facetten und spannte einen weiten musikalischen Bogen, der die Zuhörer:innen in ihren Bann zog.

Den Anfang machte «Ciel d’hive»r von Kaija Saariaho aus dem Jahr 2013. Die 2023 verstorbene finnische Komponistin verstand es meisterhaft, Klang nicht nur als Melodie und Rhythmus, sondern als eigene, beinahe körperlich erfahrbare Atmosphäre zu gestalten. Auch dieses Werk öffnete einen Raum, in dem sich musikalische Farben und Stimmungen allmählich entfalteten. Das Orchester begegnete dieser anspruchsvollen Klangsprache mit der nötigen Sensibilität. Ein Auftakt, der weniger auf unmittelbare Wirkung als auf konzentriertes Zuhören setzte.

Mit Robert Schumanns Klavierkonzert in a-Moll op. 54 rückte anschliessend die romantische Gefühlswelt ins Zentrum. Der junge Pianist Jan Lisiecki, Jahrgang 1995, widmete sich dem Werk mit einer Mischung aus Klarheit, Eleganz und musikalischer Empfindsamkeit. Besonders reizvoll ist an Schumanns Konzert das Wechselspiel zwischen dem Klavier und dem Orchester: Der Solist steht nicht einfach im Rampenlicht, sondern ist Teil eines fortwährenden musikalischen Gesprächs. Lisiecki liess diese Dialoge lebendig werden und verband die virtuosen Passagen mit lyrischen Momenten, ohne die innere Spannung der Musik aus den Augen zu verlieren.

Markus Poschner begleitete den Pianisten mit spürbarem Feingefühl. Die musikalische Leitung gab dem Zusammenspiel Orientierung, ohne den Solisten einzuengen. So konnte sich Schumanns Werk in seiner ganzen romantischen Ambivalenz entfalten – zwischen träumerischer Innigkeit, temperamentvollem Aufbegehren und poetischer Leichtigkeit.

Lisieckis Zugabe bildete einen besonders schönen Nachklang. Mit dem Walzer op. 39 Nr. 15 von Johannes Brahms liess der das Publikum abermals erleben, was Sehnsucht möglicherweise Sehnsucht für ihn heisst. Nach den grossen musikalischen Bögen des Schumann-Konzerts wirkte diese kleine Zugabe wie ein persönlicher Gruss an das Publikum-unaufdringlich, warm und von jener Schlichtheit, die gerade bei grossen Pianisten ihre Wirkung entfaltet.

Nach der Pause änderte sich die Stimmung grundlegend. George Crumbs «A Haunted Landscape» (1984) führte in eine rätselhafte, bisweilen verstörende Klangwelt. Statt vertrauter musikalischer Formen standen hier ungewöhnliche Klangwirkungen und eine besondere Atmosphäre im Vordergrund. Das Stück verlangte vom Publikum Offenheit und Aufmerksamkeit, belohnte diese aber mit einem Hörerlebnis jenseits gewohnter Erwartungen. Zugleich zeigte sich, wie flexibel das Sinfonieorchester Basel zwischen unterschiedlichen musikalischen Sprachen wechseln kann.

Maurice Ravels «La Valse» (1920) setzte dazu einen wirkungsvollen Kontrast. Was zunächst an den eleganten Wiener Walzer erinnert, entwickelt sich zunehmend zu einem schillernden, immer stärker aufgeladenen Klanggeschehen. Vertraute Tanzrhythmen geraten aus dem Gleichgewicht, die orchestralen Farben verdichten sich, und aus der tänzerischen Eleganz wird ein beinahe taumelnder Rausch. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen Schönheit und Übersteigerung liegt die Faszination dieses Werks. Das Orchester konnte hier seine ganze klangliche Vielfalt ausspielen. Poschner hielt die Entwicklung zusammen und führte die Musik mit sicherem Gespür für ihre dramatische Steigerung voran.

Den Schlusspunkt bildete die Uraufführung der 1987 geborenen polnischen Komponistin Anna Sowa mit dem Stück «𝜇–Cephei». Dieser Ausflug in die zeitgenössische Musik gab dem Konzert eine zusätzliche Perspektive. Eine Uraufführung bedeutet immer auch, sich auf Unbekanntes einzulassen. Das Publikum begegnet Klängen, die noch nicht durch Tradition und Gewohnheit geprägt sind. Dass das Programm mit einem neuen Werk endete, war deshalb ein reizvoller Abschluss und ein Hinweis darauf, dass sich musikalische Sehnsucht nicht allein im vertrauten Repertoire findet, sondern ebenso in der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten.

Was bleibt von diesem Abend? Vor allem der Eindruck eines Programms, das unterschiedliche Hörwelten miteinander ins Gespräch brachte. Saariahos feine Klangpoesie, Schumanns romantische Unmittelbarkeit, Crumbs geheimnisvolle Atmosphäre, Ravels entfesselter Walzer und Sowas zeitgenössischer Beitrag bildeten keine blosse Abfolge verschiedener Stücke, sondern zeigten auf unterschiedliche Weise, wie vielfältig musikalischer Ausdruck sein kann.

Philipp Borghesi

 

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