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BASEL/ Stadtcasino: KONZERT SINFONIEORCHESTER BASEL unter Markus Poschner; Julia Fischer (Violine) (Respighi, Suk, Dvorak, Tschaikowski)

08.05.2026 | Konzert/Liederabende

Basel/ Stadtcasino Basel: Sinfonieorchester Basel. “Leidenschaftlich”

Konzert vom 06.05.2026

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Copyright: Bettina Matthiessen

Im Zuge des letzten regulären Abonnementskonzerts der Saison 25/26 hat das Sinfonieorchester Basel (SOB) drei sehr spannende Werke auf dem Programm. Die erste Hälfte des Konzerts bilden zwei Tondichtungen für Solovioline und Orchester. «Poema autunnale» aus der Feder des italienischen Komponisten Ottorino Respighi und die «Fantasie für Violine und Orchester» des Tschechen Josef Suk gestalten den ersten Teil. Nach der Pause folgt die 6. Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Als Solistin für die beiden ersten Werke hat das SOB die international gefeierte Virtuosin Julia Fischer eingeladen, und die musikalische Leitung liegt beim seit dieser Spielzeit amtierenden neuen Chefdirigenten des Orchesters, Markus Poschner.

Obwohl Respighi als führender Vertreter der neueren italienischen Instrumentalmusik gilt und Suks Tonsprache eher der Spätromantik zugeordnet werden kann, ergänzen sich beide Stücke hervorragend und bieten – auch dank der innigen Interpretation von Julia Fischer – einen mehr als nur soliden Einstieg in den Konzertabend. «Poema autunnale» überzeugt durch eine mystische, weiche Klangwelt, in welche die Violine sehr charmant eingebettet ist. Nicht umsonst heisst das Werk auf Deutsch übersetzt «Herbstgedicht». Das Stück ist stellenweise zudem überaus virtuos und verlangt Fischer höchste Präzision und Intonation ab – Aufgaben, die dieser Ausnahmegeigerin hörbar keine grosse Mühe bereiten. Poschner begleitet dabei sehr sensibel und arbeitet die Holzbläser als spannenden Gegenpart heraus.

Als zweiter Programmpunkt folgt Suks «Fantasie für Violine und Orchester», die nach dem wohlklingenden, entspannenden Einstieg die Stimmung nun vermehrt aufbrodeln lässt. Dem Stück ist auditiv deutlich zu entnehmen, dass Suks Schwiegervater Antonín Dvořák wohl einen Einfluss auf dessen eigenes Schaffen gehabt haben könnte. Das Werk ist von ansprechenden Melodien und rhythmischen Passagen durchzogen, die stark an böhmische Volksmusik oder Tänze erinnern. Laut Fischer ist das Stück für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung, weshalb man einen – nach ihren Worten – «mutigen» Dirigenten benötigt, der sich dessen annimmt. Mit Poschner scheint sie sich sehr wohlzufühlen und kann musikalisch aus dem Vollen schöpfen. Man spürt regelrecht, wie sehr ihr das Werk am Herzen liegt, und bekommt dementsprechend eine sehr persönliche Interpretation geboten. Sie atmet mit dem Orchester und phrasiert eindringlich, verspielt und überraschend. Poschner begleitet ebenso einfühlsam, hat die Dynamik stets im Griff und lässt der Solistin ihren gestalterischen Raum. Julia Fischer wird vom Basler Publikum wärmstens bedacht und entlässt dieses nach der Zugabe von Niccolò Paganinis 13. Caprice in B-Dur in die Pause.

Hauptprogrammpunkt ist, wie bereits erwähnt, die 6. Sinfonie «Pathétique» des wohl bekanntesten russischen Komponisten der Romantik, Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Das Werk bringt sämtliche Emotionen mit sich, die ein Mensch in seinem Leben zu fühlen vermag. Leidenschaftliche, lebensbejahende Melodien werden von harten Akkorden – vielleicht Schicksalsschlägen – zerrissen. Gerade der erste Satz, der gegen Ende in einem der intensivsten Klangerlebnisse kulminiert und sich schonungslos über den gesamten Saal ergiesst, ist zutiefst erschütternd und eindrücklich zugleich. Der zweite Satz scheint auf den ersten Blick ein Walzer zu sein und vermag es doch nicht, ein vollkommen wohliges Gefühl zu vermitteln. Dieses stellt sich erst im dritten Satz mit der Überschrift «Allegro molto vivace» ein – einem Scherzo, das von fanfarenartigen Jubelklängen und einer marschartigen Vehemenz durchzogen ist. Im letzten Satz stellt man fest, dass die Zukunft vielleicht doch nicht so triumphierend ist, und muss sich mit erneuten Gefühlsausbrüchen sowie einem tieftraurigen und düsteren Ende abfinden. Wer erahnen möchte, wie Tschaikowskis psychische und körperliche Verfassung beim Komponieren dieses Werks ausgesehen haben mag, braucht nur an dessen eigenes Zitat zu denken: «Wer etwas aus meinem Leben erfahren möchte, muss sich lediglich meine Musik anhören.» Markus Poschner und dem SOB gelingt es herausragend, sämtliche Facetten der Partitur zu beleuchten, das Publikum mitzureissen und zu begeistern. Die Tempi gestalten sich flexibel, jedoch eher auf der zügigen Seite, ohne dass dabei das nötige Pathos verloren geht. Die Streicher spielen mit einer Intensität, die einem kalt den Rücken hinunterläuft. Die Blechbläser sind bestens disponiert und überzeugen mit rundem und doch bestimmendem Klang. Die Holzbläser leiden, trillern und sorgen für Gänsehaut. Das Orchester ist kurz gesagt in Topform, und was Poschner an Klangqualität herauskitzelt, ist grossartig.

Emotional bewegt bedankt sich das Publikum bei allen Beteiligten mit frenetischem Applaus und verlässt den Saal mit einem Musikerlebnis, das noch lange in den Köpfen nachhallen wird.

Philipp Borghesi

 

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