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BASEL/ Stadtcasino: EVGENY KISSIN – Poetische Virtuosität – konzentrierte Brillanz

21.01.2015 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino – Allgemeine Musikgesellschaft (AMG),
6. Solistenabend – Evgeny Kissin
20.01.2015

 Poetische Virtuosität – konzentrierte Brillanz

 Nach zwei Jahren kehrt der Ausnahmepianist Evgeny Kissin mit einem vielversprechenden Soloprogramm an die Stadt am Rheinknie zurück. Sein „Spezialgebiet“ Chopin bildet auch an diesem Konzert den Hauptteil des Abends.

 Pianist Kissin in einem Interview: „… es macht einen grossen Unterschied, ob man die Musik eines Komponisten liebt oder ob man nur in der Lage ist, sie gut zu spielen. Mir fiel die romantische Musik immer leichter. Bei Beethoven hingegen hatte ich stets grössere Schwierigkeiten, obwohl ich dessen Musik schon als Kind nicht weniger liebte als die von Chopin. …“ Und so verwundert es überhaupt nicht, dass Kissin das vermeintliche Wagnis Beethoven mit eben dieser grossen Liebe, welche weit über das „Gut-Spielen-Können“ hinausgeht, in Basel eingeht und das Konzert mit der Klaviersonate Nr. 21 C-Dur op. 53 (Waldstein-Sonate) eröffnet. Auf den verspielten ersten Satz, in welchem Kissin bereits mit flüssigen Läufen und differenzierter Phrasierung und fabelhafter Technik brilliert, folgt der besinnlich verträumte langsame zweite Satz mit der verklärten Überleitung ins Rondo, in welchem der Pianist bei den finalen virtuosen Läufen seine ausserordentliche Spielfertigkeit weltmeisterlich unter Beweis stellt.

 Auf Beethovens  Waldstein-Sonate folgt Sergej Prokofjews Klaviersonate Nr. 4 c-Moll op. 29,  „Aus alten Heften“. Evgeny Kissin gestaltet klar und gefällt mit sensiblen Piani und kraftvollen Forti – und dies alles mit einer selbstverständlich wirkenden technischen Brillanz. Wie schon bei der Beethovensonate spielt er mit äusserster Konzentration, zeigt dabei dennoch viel Emotion, ohne dabei eine „Show abzuziehen“. Kissin spielt ehrlich, glaubwürdig, authentisch.

 Nach der Pause dann Kissins Steckenpferd: Frédéric Chopin. Drei Nocturnes (b-Moll op. 9 Nr. 1, H-Dur op. 9 Nr. 3 c-Moll op. 48 Nr. 1) und sechs Mazurkas (fis-Moll op. 6 Nr. 1, cis-Moll op. 6 Nr. 2, E-Dur op. 6 Nr. 4, a-Moll op. 7 Nr. 2, f-Moll op. 7 Nr. 3, cis-Moll op. 41 Nr. 1) in absoluter Perfektion – ein absoluter Genuss!

 Mit Franz Liszts „Ungarischer Rhapsodie Nr. 15 a Moll S 244 (Rakoczi-Marsch) setzt Meister Kissin einen fulminanten Schlusspunkt und zieht dabei nochmals sämtliche Register seines Könnens. Klanggewaltig, ohne dabei brutal zu werden, wirbelt der Pianist durch das Stück. Trotz aller fingerbrecherischen Virtuosität erliegt er nicht der Versuchung der Effekthascherei. Er liefert auch hier den Beweis für seine Aussage im Interview: Er spielt aus Liebe zum Komponisten und dessen Werk.

 Standing Ovation im gut besuchten Musiksaal. Hoffentlich müssen wir nicht wieder zwei Jahre  – oder noch länger – auf ein Wiedersehen und –hören mit diesem wunderbaren Künstler warten.

 Michael Hug

 

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