Basel: Stadtcasino – Allgemeine Musikgesellschaft – “Beethoven 2027 II: Krise und Auferstehung” – Le Concert Olympique – Kit Armstrong (Klavier) – Jan Caeyers (musikalische Leitung)
02.03.2026
Im ersten Teil des Zyklus «Beethoven 2027» setzte sich der Pianist Kit Armstrong mit dem Orchester Le Concert Olympic unter der Leitung Jan Caeyers im November 2025 mit Beethovens dunklen und hellen Stimmungen auseinander.
Der zweite Teil beschäftigt sich unter dem Untertitel «Krise und Auferstehung» mit der Zeit um 1802, in welcher der Komponist die niederschmetternde Diagnose, dass er sein Gehör verlieren wird, auseinander. Wie hat der Meister dies musikalische verarbeitet?
Das erste Klavierkonzert – aus dem Jahre 1795 – zelebriert noch Lebensfreude und Brillanz, die «Sturm-Sonate» (1801/02) sowie die zweite Sinfonie (1806) präsentieren ein weitgehend anderes musikalisches Stimmungsbild: tiefe Verzweiflung, Unsicherheit, Unentschlossenheit und Wut sowie immer wieder aufkommende optimistische Gefühle liefern hier ein musikalisches Wechselbad der Gefühle.
Dieser Konzertabend – kurz nach Ausbruch des Kriegs im Iran – passt (unglücklicherweise) perfekt in die heutige Zeit und vermittelt den Zuhörenden das Gefühl von Kraft und Mut – trotz momentaner widriger Umstände. Denn Kraft, Zuversicht und Hoffnung sind tragende Elemente in Beethovens Musik. Das grosse persönliche Engagement mit welcher der Pianist, der Dirigent und das Orchester die Botschaft der aufgeführten Werke übermitteln ist einzigartig. Die Werke werden gelebt, nicht nur aufgeführt. Darum wirkt dieses Konzert zu diesem Zeitpunkt besonders intensiv.
Kit Armstrong beginnt mit «Präludium und Fuge Nr. 1 C-Dur BWV 846» aus dem ersten Band des «Wohltemperierten Klaviers». Der letzte Ton von Bachs Stücks ist zugleich der erste Ton von Beethovens «Klavierkonzertes Nr. 1 op. 15 (1795)» – kein Wunder also, dass dem Stück Bachs ohne Unterbrechung das Klavierkonzert drangehängt und somit darin quasi integriert wird – das passt perfekt.
In einen veritablen musikalischen Rausch fallen der Pianist und Le Concert Olympic unter dem leidenschaftlichen Dirigat von Maestro Jan Caeyers. Kit Armstrong brilliert mit grösster Emotion und fabelhafter Technik.
Besonders hervorzuheben ist dabei, dass der Ausnahmepianist die Kadenz im ersten Satz selber improvisiert – selbst der Dirigent, weiss nicht, was da auf ihn zukommt, wie er in seinen Eingangsworten ausführt. Kurz: Die Kadenz schon allein ist der Besuch des Konzertes wert. Es ist überhaupt nicht überraschend, dass sich das Publikum am Schluss des ersten Satzes zu einem spontanen, kräftigen Zwischenapplaus hinreissen lässt – absolut gerechtfertigt und hochverdient!
Im zweiten Satz gerät der Dialog zwischen Klavier und der fa-bel-haf-ten Klarinette besonders berührend. Bei aller Emotion und Virtuosität achten die Aufführenden auch auf Transparenz. Mit einem freudig-witzigem verspielten Rondo klingt diese wunderbare Aufführung aus.
Nach der Pause setzt Kit Armstrong mit Beethovens «Sonate Nr. 17 d-Moll op. 31/2 für Klavier» – der «Sturm-Sonate» – den musikalischen Gegenpunkt zum Klavierkonzert. Da reissen tiefe Abgründe auf, schliessen sich wieder – um dann wieder aufzureissen. Kit Armstrongs dramatischer Vortrag gerät, gepaart mit seiner fabelhaften Technik, zum absolut ergreifenden Musikerlebnis!
Wie schon im ersten Teil dirigiert Dirigent Jan Caeyers auch Beethovens «Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 (1806) auswendig. Dabei steht er nicht auf einem Podest, sondern mit viel Raum direkt vor dem Orchester. Dies erlaubt ihm, mit grossen Bewegungen die volle Ladung Emotion in das Orchester zu transferieren. Le Concert Olympic setzt diese auch hier mit allergrösster Spielfreude mit grossen Klangbogen und sensibler innerer Differenzierung um.
Der Zyklus «Beethoven 2027» erstreckt sich insgesamt über drei Jahre – vorfreudig gespannt harren wir den kommenden Abenden mit diesen grossartigen Künstlerinnen und Künstlern entgegen!
Michael Hug

