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BASEL/ Schauspielhaus: GESPENSTER – Schauspiel von Henrik Ibsen – Tragisches Zugrundegehen. Premiere

11.09.2026 | Theater

Basel: Schauspielhaus – «Gespenster» – Schauspiel von Henrik Ibsen – Tragisches Zugrundegehen

Premiere: 10.09.2026

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Foto: Ingo Höhn
 
Tragisches Zugrundegehen

«Wirklichkeitsgefühl ist eine Sache der Begabung!» Diese Worte stösst Helene Alving, eindringlich-dramatisch gespielt von Carina Braunschmidt, verzweifelt aus. Ihre jahrelange Aufopferung und Selbstverleugnung im Kampf darum den Schein der Familie zu wahren, sind ergebnislos. Ihr wird klar, dass sich die ganze Tragik der Geschichte ihres verstorbenen Mannes, nun mit ihrem Sohn Osvald, feinfühlig gespielt von Dominic Hartmann, wiederholt.

Verdrängung, Patriarchat und sexualisierte Gewalt sind Wirklichkeit in dem Familiendrama «Gespenster» von Henrik Ibsen aus dem Jahr 1881, facettenreich neu inszeniert von Anna Bergmann. Zeitgemäss überzeugt eine Variantenvielfalt der Perspektiven. So rollt Anna Bergmann das Stück aus der Sicht des Hausmädchens Regine, ergreifend dargestellt von Regina Raimjanova, völlig neu auf. Das Aufbegehren gegen die gewalttätige Vergangenheit, die Bestimmung ins Bordell gehen zu müssen und der verzweifelte Versuch einen Mann zu lieben, der sich als ihr Bruder entpuppt, werden live auf Wände gebeamt und als Verdoppelung des sichtbaren Schauspiels, dem Publikum übergross nahegebracht. Die Verzweiflung endet in Schüssen mit einer Flucht ins Publikum.

Surreal-gespenstische Zwischenspiele mit Ballett, Video von Sophie Lux und sich überlagernden Stimmen, bringen den Raum zum Knistern. Themen wie Angst, Kindheitstraumata und Suizidalität verschwimmen zwischen Realität und Wahn.

Das Schauspielhaus Basel spricht eine Triggerwarnung aus und sorgt für die Möglichkeit, in einen Ruheraum begleitet zu werden.

Doch wie reagiert das Publikum auf diese schweren Themen: Machtlosigkeit, Misshandlung und Suizid? Schüler sind überzeugt: «Man muss so starke Themen ansprechen, wo kommen wir denn da sonst hin …!» – und langjährige Theaterbesucher betrachten diese Massnahme im positiven Sinne als überflüssig.

Die Kompositionen von Heiko Schnurpel bringen etwas Auflockerung in die Tragik des Stückes. Das schlichte Bühnenbild eines Wohnzimmers mit grossen Fenstern, die in die trübe düstere Regenlandschaft Norwegens führen, von Ben Baur, unterstreichen die Ausweglosigkeit, die dem Lauf dieser Tragödie zugrunde liegt und erreichen zugleich eine Gewichtung des Textes, der an sich schon klare Aussagen aufweist. So errichtet Daniel Lommatzsch beispielsweise, in der treffend gespielten Rolle des Alkoholikers Engstrand, anstelle eines abgebrannten Kinderheims, ein Bordell.

Frau Pastor, im Original Herr Manders, wird hier als Frauenrolle von Bärbel Schwarz gespielt. Ein moderner Griff der Regie, welcher Stil und Ambitionen Anna Bergmanns verdeutlicht: Frauen mehr Gewichtung und Sichtbarkeit auf der Bühne zu verleihen und weibliche Perspektiven in den Mittelpunkt zu stellen.

Darauf eingehend, wie es scheint, hat Cédric Mpaka die Kostüme so gestaltet, dass das Hausmädchen Regine sich in Rot bewusst überraschend stark von den anderen abhebt. Das Lichtdesign von Mario Bubic und die Dramaturgie von Anja Dirks führen dies weiter aus.

Insgesamt überzeugt das Ensemble mit starker Ausdruckskraft und zeigt mit geisterhaft verzerrtem Schauspiel ein Negativbeispiel der Frau, die an den Gespenstern der Vergangenheit zugrunde geht.

Aurora Rufer

 

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