Basel: Restaurant Weiherhof – Krimi-Dinner «Tödliche Hochzeit» von Renato Salvi – Mörderisch lecker! 04.12.2025

Ein mörderischer Spass: Hinten von links: Markus Vogt, Däni Roth; Ralph And Rea. Mitte: Renato Salvi, Briggs Galli (Regie-Assistenz), Maja Graf. Vorne: Rosanna Heckendorn. (Foto: Michael Hug)
Hochzeit im Restaurant Weiherhof – einem gemütlichen, kulinarisch exzellent geführten Restaurant am Basler Stadtrand an der Grenze zur Baselbieter Gemeinde Allschwil. Dort begrüsst Bräutigam Peter Langstrumpf mit gefülltem Weinglas in der Hand bereits reichlich angeheitert (oder eher angesäuert) mit reichlich viel Zynismus die Hochzeitsgäste. Grund zu Säuernis und Zynismus hat er alleweil, denn er heiratet in eine reiche Familie aus dem «Basler Daig» (Teig) ein und findet bei seiner Schwiegermutter Adelheid Sarasin keine herzliche Aufnahme – vorsichtig ausgedrückt … Nach getaner Klage ein Schluck aus dem Glas – und schon bricht Bräutigam Langstrumpf tot zusammen – um dann gleich wieder aufzustehen und den Gästen aufzuzeigen, wie es dazu kommen konnte …
Als Rückblende erfahren wir nun die ganze vertrackte Geschichte um Peter Langstrumpf, seine Braut Paris, die Schwiegermutter Adelheid Sarasin, deren dementen Ehemann Konstantin und dessen Pfleger Gaetano Cantucci. Und dann steht auch noch eine riesige Summe Geld im Raum.
Skurrile Figuren und viele Moneten bilden die ideale mörderische Kombination für eine witzige Ess-Theater-Krimi-Komödie aus der Feder von Renato Salvi. Das Stück unterhält bestens mit flottem Tempo, herrlich überzeichneten Charakteren, überraschenden Wendungen und witzigen Dialogen. Textlich besonders originell ist, dass die zuweilen diskret schlüpfrigen Pointen nicht wie üblich von den Herren sondern von den Damen charmant serviert und dabei äusserst treffend gesetzt werden – das macht Spass!
Renato Salvi ist in Basels Theater- und Fasnachts-Szene als Autor, Regisseur und Schauspieler kein Unbekannter. Seine Texte sind witzig, spritzig, teilweise etwas giftig und oft mit originellen Wortspielereien und Seitenhieben gespickt. Seine Kreativität ist riesig, die schöpferische Schaffenskraft unermesslich. So überrascht es nicht, dass er nebst der Regie (assistiert durch Briggs Galli) auch die grosse Rolle des Peter Langstrumpf gleich selbst übernimmt. Rosanna Heckendorn glänzt als Peters vermeintlich etwas sehr naive Ehefrau Paris. Rosanna Heckendorn ist nicht nur eine überzeugende Darstellerin sondern auch eine grossartige Sängerin und begeistert die Hochzeitsgesellschaft mit einer Spezialversion von «Die Schöne und das Biest» und «Flammen im Wind». Mit Maja Bürgi ist die Schwiegermutter Adelheid Sarasin wunderbar besetzt. Mit viel Spielfreude zelebriert die Schauspielerin die Boshaftigkeiten der Schwiegermama Sarasin in äusserst ausgeprägt «nobel» gesprochenem Baseldytsch. Markus Vogt als knabberfreudiger, dementer Konstantin Sarasin bietet seiner Gattin erfolgreich die Stirn und überrascht mit einem tollen Dudelsack-Solo. Mit viel Witz und gekonnt italienischem Akzent sorgt Däni Roth als Pfleger Gaetano Cantucci für viele Lacher. Auch die Gäste sind an diesem Abend Teil des Geschehens und werden auf witzige Weise vereinzelt mit einbezogen – ohne dabei jedoch Gefahr zu laufen sich zu blamieren. So werden sie in der Einladung gebeten sich dem Anlass entsprechend zu kleiden und ein hübsch verpacktes Hochzeitsgeschenk mitzubringen. «Schrott-Wichteln» ist der Fachausdruck dafür; denn am Ende des Abends darf sich jeder Gast ein Geschenk aussuchen und mitnehmen – auch eine Variante, unliebsame Gegenstände loszuwerden …
Zu einer Hochzeitsfeier gehört natürlich auch stimmungsvolle Musik. Dafür sorgt das Musik-Duo Ralph And Rea. Die beiden decken ein breites musikalisches Spektrum vom Basler Schlager über Doris Day (Que sera, sera) und Edith Piaf (Je ne regrette rien) bis hin zu Country-Musik ab und sorgen zusätzlich für allerbeste Stimmung.
Kulinarisch werden die Gäste durch den Weiherhof-Wirt und Chefkoch Ruedi Spillmann und seiner Frau Ina mit einem Viergang-Menü verwöhnt. Zwischen den einzelnen Gängen kommt dann jeweils ein Teil des Theaterstücks zur Aufführung. Ein kulinarischer Viergänger und eine darin integrierte Theateraufführung stellen den Weiherhof-Wirt und sein Team vor eine organisatorische Herausforderung. Ein besonderes Kränzchen sei hier den Servicefachkräften vor und hinter dem Büffet gewunden, welche mit viel Witz und Charme absolut zuverlässig den reibungslosen Ablauf beim Servieren und Abräumen sicherstellen – Chapeau!
Abende wie dieser entsprechen dem, was wir in der heutigen nicht immer so erfreulichen Zeit brauchen, weil sie wichtige Elemente für unser Leben enthalten, die heuer zuweilen etwas zu kurz kommen: Gemütlichkeit, Austausch und Lachen mit Freunden und neuen Bekanntschaften, feines Essen, mitreissende Musik und packendes Theater! Und das gerne auch mal unter der Woche! Tausend Dank dafür an alle im hier Beteiligten!
Michael Hug
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- Januar 2026
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