Mädchenkantorei Basel (MKB)
Regensburger Domspatzen – Dresdener Kreuzchor – Wiener Sängerknaben Jugendchöre = Knabenchöre ? !
Seit mehr als 1000 Jahren werden Knaben systematisch in Musik/Gesang ausgebildet. Erst im 16. Jh. Wurde für Mädchen in den vier Waisenhäusern von Venedig ein Schwerpunkt auf die musikalische Ausbildung der Mädchen gelegt. Diese Tradition wird von den Mädchenchören in Europa und weltweit sorgsam gepflegt. Seit 25 Jahren auch von der „Mädchenkantorei Basel“.
Auch heute noch stehen Mädchenchöre, sehr zu Unrecht, im Schatten der Knabenchöre. Die Mädchenkantorei Basel hat an ihren Weihnachtskonzerten unter Beweis gestellt, dass die Leistung der Mädchen genau so professionell und stringent sein kann, wie jene der Knaben.
Die Mädchenkantorei Basel sang mit grossem Erfolg am Benefizkonzert der „Basler Zeitung“ im grossen Kasinosaal ein Medley von Weihnachtsliedern. Dieses wurde modern arrangiert von „Michael Rath“ und „Jean-François Taillard“. Diese Zusammenarbeit mit dem „Sinfonieorchester Basel“, unter der Stabführung von „Daniel Cohen“, den Sängern und Sängerinnen der „OperAvenir“, „Bryony Dwyer, Sofia Pavone, Nathan Haller und Alessio Cacciamani“, wurde von den zahlreich erschienen ZuhörerInnen mit grossem Applaus belohnt.
Die unter dem Motto „Santa Lucia“ stehenden Konzerte waren eine Freude für Ohren und Augen. Der Gedenktag der heiligen Lucia am 13. Dezember war vor dem Gregorianischen Kalender der Tag der Wintersonnenwende, der Tag des Lichtes (lux). Ein für die Weihnachtszeit prachtvoll gewähltes Thema. Das Eröffnungslied „ Santa Lucia“ ist uns allen bekannt. Dieses neapolitanische Volkslied aus dem 19. Jahrhundert wurde unter anderem von Enrico Caruso und Elvis Presley gesungen. Die Interpretation der Mädchenkantorei mit allen Chören ist sehr speziell und berührend. Die Choreographie und die musikalische Leitung von Marina Niedel kommen den unterschiedlichen Altersklassen der fünf Mädchenchöre entgegen. Die hervorragende Arbeit in der Einstudierung der musikalisch und sprachlich so unterschiedlichen Werke ist beeindruckend. Vom schwedisch gesungenen „Lusse Lella“ bis zu Benjamin Britten, den “ Ceremony of Carols“ aus dem Jahr 1942 war der Chorgesang ebenso wie die diversen Solis makellos. Speziell beeindruck hat mich auch die Chorimprovisation „O Christe“, welche a capella dargeboten wurde. Die Diktion und die musikalische Sprache der jungen Sängerinnen sind schon sehr professionell und zeugen von hervorragender Arbeit der Chorleiterin und der beiden Stimmbildnerinnen, Deborah Betschart und Agnes Greiner. Die Instrumentalbegleitung der anderen Werke, an der Harfe Lindsay Buffington, an der Orgel und am Klavier Grace Newcombe, war sehr subtil und beeindruckte durch die subtile Musikalität.
Die Konzerte wurden in der „Tituskirche Basel“, der „Peterskirche Basel“ und im „Konzertkeller Schützen, Rheinfelden“ bei freiem Eintritt dargeboten.
Die „Mädchenkantorei Basel“ (MKB) feiert 2016 ihr 25jähriges Jubiläum. Es ist unabdingbar, dass man/frau sich der Wichtigkeit der Institution Jugendchöre, speziell Mädchenchöre, auseinandersetzt.
Wer ist die Mädchenkantorei Basel (MKB)? Was sind ihre Ziele?
In fünf Chorklassen werden Mädchen ab vier Jahren und junge Frauen altersgerecht und gezielt gefördert. Diese fünf Chöre unter Leitung von Marina Niedel treten sowohl gemeinsam als auch in Einzelkonzerten und in Koproduktionen auf und sind auch regelmässig in Produktionen des Theaters Basel eingebunden. So zum Beispiel in „Tosca“, „Woyzeck“ und „Carmen“. Ziele sind die Freude am Singen, der Umgang mit anspruchsvoller Chorliteratur, die Vermittlung vertiefter Musikkenntnisse und die Förderung von Talent und Expressivität auf der Basis sorgsamer Stimmentwicklung.
Die Mädchenkantorei Basel hat sich mit kontinuierlicher Arbeit über die Region Basel und die Schweiz hinaus einen Namen als Chorschule und Konzertchor gemacht.
Musikalische Partner sind u.a. „Basler Madrigalisten, Basel Sinfonietta, das Sinfonieorchester Basel und die Hochschule für Musik“. Erfolgreiche Konzertreisen in Europa und Teilnahme an Festivals und Podien unterstreichen die professionelle Arbeit der Kantorei und ihrem Team.
Das Team, verantwortlich für die Ausbildung und Konzerttätigkeit:
Anna E. Fintelmann Geschäftsführung
Marina Niedel musikalische Leitung
Grace Newcombe Chorassistenz & Korrepetition
Deborah Betschart Stimmbildung
Agnes Greiner Stimmbildung
Webseite: www.maedchenkantorei.ch
Die Mädchenkantorei Basel steht unter dem Patronat der „Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel“ (GGG). Sie ist Mitglied der „Schweizerischen Chorvereinigung“, bei „Europa Cantat“ und in der „European Choral Association“, bei „FrauenBasel“ und ist Initiatorin des Netzwerks „Mädchenchöre Deutschland Österreich Schweiz“.
Die Mädchenkantorei Basel, ebenso wie alle Kinder- und Jugendchöre in Europa und weltweit, nimmt einen wichtigen Platz in der musikalischen Grundausbildung junger Leute ein. Dies neben den Musikschulen und anderen Institutionen, welche sich mit der musikalischen Grundausbildung befassen. Dies wird mit wenig öffentlichen Mitteln bewerkstelligt, obgleich gerade die musische Ausbildung als Konterpart zum Sport wesentlich wird: „Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano“. „Beten sollte man darum, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist sei.“ Dies im Gegensatz zu Pierre de Coubertin, 1894 Gründer des IOK . Sein Ideal war der sportliche Draufgänger. „Mens fervida in corpore lacertoso“ (ein feuriger Geist in einem muskulösen Körper). Richtig ist wohl die Mitte zwischen den beiden Extremen.
Es ist zu hoffen, dass die Mädchenkantorei Basel, ebenso wie ihre Partnerkantoreien in ganz Europa, den gleichen Bekanntheitsgrad erreicht wie die erwähnten Knabenchöre. Dies kann vor allem mit dem von Anna Fintelmann initiierten Netzwerk „Mädchenchöre“ erreicht werden.
Peter Heuberger Basel