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BASEL: DER FREMDE von Albert Camus, Adaption von Patrick Gusset. Premiere

15.01.2016 | Theater

Theater Basel: Albert Camus „DER FREMDE“ Adaption von Patrick Gusset  Premiere: 14. Januar 2016 kleine Bühne

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Sophie Eglin, Anna Sonnenschein, Johanna Heusser, Ilario Raschèr, Dina Sennheuser, Joris Mundwyler, Birkan Cam, Tino Zihlmann                                                 ©Simon Hallström

Der Fremde von Albert Camus ist eines der wichtigen Werke der existentialistischen Literatur. Das schwierige Unterfangen, einen Roman der Weltliteratur auf die Bühne zu bringen kann gelingen. Sehr oft jedoch ist das Scheitern vorprogrammiert. Dem Regisseur Patrick Gusset und der Dramaturgin Fiona Schreier ist es gelungen, dem Roman von Camus eine gültige, dem Werk entsprechende Bühnenfassung, zu geben. Diese kann mit den Bühnenwerken Jean-Paul Sartres wie „LES MOUCHES“, „LA PUTIN RESPECTUEUSE“, „LES MAINS SALES“ und auch mit „MORTS SANS SEPULTURE“ verglichen werden.

Das Ensemble zeigt eine hervorragende Leistung, dies umso mehr als die neun sehr jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, sie sind 18 Jahre bis 24 Jahre „alt“, insgesamt 31 Rollen spielen. Dies ist bedingt eine immense Arbeit, muss doch jede Rolle, jeder Charakter studiert und gespielt werden. Ich verzichte auf die Aufzählung wer welche Rolle gespielt hat. Das SchauspielerInnen- Team um den Regisseur Patrick Gusset setzt sich zusammen aus: Marin Bülle, Birkan Can, Sophie Eglin, Johanna Heusser, Joris Mundwiler, Dina Sennheuser, Anna Sonnenschein und Tino Zihlmann live auf der Bühne sowie Katja Jung als Mutter (Video).

Das gesamte Geschehen findet in der Erinnerung von Meursault statt. Die die ProtagonistInnen spielen diese Erinnerungen. Das Spiel wird von Meursault erklärend begleitet. Der Text übernimmt die Dialoge, die direkten und indirekten Reden aus dem Roman sehr präzise. Die philosophische Essenz, auch das abstruse Moment des Romans von Camus wird so herausgearbeitet. Es wird auch klar das dieses Moment die Ursache des Geschehens und nicht die Folge davon ist. Die Aktualität in der heute globalisierten Welt, wo jede und jeder sich zu orientieren versucht und dabei nur mit Schwierigkeiten persönlich Leitplanken findet, wird hervorragend dargestellt.

Die Bühne wurde von Chasper Bertschinger entworfen, für die Kostüme war Svenja Gassen verantwortlich. Das Video drehte Jonathan Hug und die gekonnte Lichtführung kreierte HeidvoegelinLights.

Die vorwiegend jungen Zuschauer, das Durchschnittsalter dürfte in etwa dem der Protagonisten entsprechen, dankten dem jungen Team auf der Bühne mit einem Applaus, der an ein Rockkonzert erinnerte.

Eingeladen hatte zu diesem sehr gelungenen Abend die Organisation „ Junges Haus“ des Basler Theater. Das Junge Haus spielt im Gefüge des Theater Basel eine besondere Rolle: Es lädt sein Publikum, ob jung, ob alt, nicht nur zum Schauen und Diskutieren, sondern auch zur Mitwirkung ein. In dem, was die Menschen verschiedener Altersgruppen zwischen 7 und 80 Jahren aus Basel und Umgebung in die Spielclubs, Workshops und Seminare mitbringen, spiegeln sich die Themen, Energien und Konflikte, die die Region hervorbringt. So eine Organisation ist wichtig, um junges Publikum für Sprechtheater, Musikbühne zu begeistern. Und Produktionen wie „DER FREMDE zeigen was möglich ist.

Peter Heuberger Basel

 

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