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BARTÓK: BLUEBEARD‘S CASTLE – Rosalind Elias, Jerome Hines – SONY Classical Opera; CD Premiere

11.02.2018 | cd

BARTÓK: BLUEBEARD‘S CASTLE – Rosalind Elias, Jerome Hines – SONY Classical Opera; CD Premiere

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Veröffentlichung: 2. März 2018

Columbia Masterworks hat Bartoks gruseligen Einakter in englischer Sprache am 20. November 1960 in Philadelphia in der Academy of Music eingespielt. Mit von der Partie waren damals das schillernd aufspielende Philhadelphia Orchestra unter der Leitung von Eugen Ormandy und zwei MET Ikonen als Blaubart und Judith, Jerome Hines und Rosalind Elias. Im Rahmen der verdienstvollen Serie Classical Opera veröffentlicht Sony nunmehr diese sängerisch herausragende Aufnahme zum ersten Mal auf CD.

Das bislang nur auf LP erhältliche und lange vergriffene Album lebt von den beeindruckenden Stimmen des auch in Bayreuth in den Jahren 1958 bis 1963 als Gurnemanz, Wotan und Marke geschätzten Basses Jerome Hines und der jungen wunderbar timbrierten Mezzosopranistin Rosalind Elias, die an der MET in 687 Aufführungen und 54 Rollen auftrat. Hines kann vom ersten Moment an mit großer viriler Autorität und dunkel samten schimmernder Stimmkraft punkten. Sein insistierendes „Frightened?“  überträgt sich mit archaischer Wucht auf den Hörer. Dabei ist sein Gesang in den Piani melancholisch zärtlich verhangen, was dieser Interpretation eine ungeheure dämonische Sogwirkung verleiht. Als Gegenpol dazu ist die lyrisch grundierte, konkreter fokussierte schlanke Stimme von Rosalind Elias gut gewählt. Selbstbewusst und unerschrocken geht sie an die Sache, ihr farbenprächtiger Mezzo mit Tendenz zum Kontraalt leuchtet silbern in den kalten Gemäuern der Burg, die sie im festen Glauben einer unerschütterlichen Liebe betritt. Den Kampf um die sieben Schlüssel, um den Weg zur innersten Wahrheit führt sie mit Würde und Nachdruck auf Augenhöhe mit dem Herzog, für den sie alles verlassen hat. Das gelingt ihr in einem lebensecht expressiven Rollenporträt, ohne je in Hysterie zu verfallen. Freilich kann sie auf dem hohen C beim fünften Tor nicht so wie Christa Ludwig „Hochäuser bauen“, in der wohl nach wie vor als Referenz unangefochtenen Aufnahme mit Walter Berry und dem London Symphony Orchestra unter Istvan Kertesz.

Dafür hat mit Eugene Ormandy ebenso ein Ungar das Sagen am Pult. Eigentlich hieß er ja Jenő Blau, bevor er zu Beginn der zwanziger Jahre in die USA emigrierte und ab 1938 dem Philadelphia Orchestra über 40 Jahre lang vorstand. Bartóks drittes Klavierkonzert wurde unter seiner Stabführung uraufgeführt. Bei Bartoks Blaubart verdichtet er im Verlauf des Dramas die Pulsfrequenz der Partitur, stets das impressionistische Klanggemälde in dunkel-kosmischen Schichten spachtelnd. Vielleicht gerät seine Lesart weniger spektakulär wie diejenigen unter Solti oder Kertesz, idiomatisch einwandfrei und spannend ist sie allemal.

Die Tonqualität ist direkt, überwiegend erstaunlich plastisch mit natürlich und klar aufgenommenen Stimmen. Das Englische stört mich persönlich nicht, auf den gesprochenen Prolog des Gedichts von Bela Balázs wurde hingegen verzichtet.

Für Stimmfetischisten und solche, die sich eine Zweit- oder Drittaufnahme der im Katalog mit an die 50 Gesamtaufnahmen prominent vertretenen Oper leisten wollen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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