Die Wiener Operette lebt doch noch….in BADEN. 7.11.2025. DIE LUSTIGE WITWE- Premiere im Stadttheater

Maximilian Mayer, Nina Bezu. Foto: Christian Husar
Seit vielen Jahren habe ich keine Operettenaufführung gesehen, die mir so gut gefallen hat. Ein Regisseur hat es heute schwer, er muss etwas hineinbringen, sonst fallt er bei der Presse durch; das tut auch Henry Mason, er siedelt das Stück im Nachkriegs Paris an, wo die verarmte pontevedrinische Gesandtschaft noch immer viele Kriegsschäden beherbergt. Ein großer Luster nimmt prominentent Platz ein; Dieser Rahmen stört nicht, die Regie vertraut dem Original und dem Talent der Sänger, sorgt für einige recht gute Einfälle und Pointen, das Stúck funktioniert und läuft korrekt ab…..danke! Die Sänger mússen viel tanzen und machen da ihre Sache sehr gut. Die Kostüme sind auffallend schön
Die vier Protagonisten waren ausgezeichnet, am meisten überraschte mich Maximilian Mayer als Danilo mit seinem jugendlichem Charme, kerniger und gut sitzender Stimme, fabelhaftem Aussehen und er hat auch den gewissen Schmäh. Lange muss ich zurückdenken um mich an einen ähnlich guten Gesandtschaftssekretär zu erinnern….Liewehr, Grundeen, Minich, Wächter…..bravo! Über die Glawari von Nina Bezu kann ich ähnliches bemerken, eine schöne warm timbrierte Stimme, die wie Irosch, Lotte Rysanek und Scheyrer auch im großen Opernfach daheim ist…. Mozartpartien, Puccini (Mimi und LIu…), sie singt auch die Salome, hoffentlich nicht zu oft. Sie kann piano singen und hat kein störendes Vibrato. Wie ihre Kollegen auch intoniert sie perfekt. Dazu noch eine wunderschöne Erscheinung…..brava! Beide sind ihren Rollenkollegen in der Volksoper um einiges überlegen.
Auch das zweite Paar hat Qualität und kommt gut an, Jasmina Sakr als Valencienne hat mehr Stimme als in dieser Rolle üblich und Robert Bartneck hat keine besonders große Stimme; er weiß aber Melodien zu singen, hat Timbre und Farben. Andreas Lichtenberger, der Baron Zeta -kein gelernter Sänger- kommt mit seinem doch etwas heiklem Lied gut zurecht, im Dialog drúckt er manchmal etwas zu viel auf die Tube. Alle Nebenrollen sind gut verständlich, Njegus ist hier kein „warat, dadat“- Komiker mit Holzhammer, er ist ein gespaltener Mensch, der letzlich als Grisette sein Glück zu finden scheint. Zuvor setzt Alexander Jagsch gekonnt trockene Pointen, dezent und beeindruckend…..danke! Das Orchester spielt recht gut, aus Platzmangel sind einige Instrumente schwach besetzt, zb die Celli; und der Dirigent, Michael Zehetner hat alles gut im Griff, seine Schlagtechnik ist sehr deutlich und die Tempi stimmen.
Der Erfolg war riesig, es gab gut nuancierten langen Applaus mit vielen BRAVOS, keine quietschende Jubelbrigade war am Werk…..TJA, das Publikum scheint doch in eine Operette zu kommen, um vor allem unterhalten und nicht um belehrt zu werden. Der Vergleich mit der verunglückten Lustigen Witwe in der Volksoper drängt sich natürlich auf, und da schaut es für die VO nicht gut aus, dort war nur das Orchester entschieden besser, auch der Chor. Lotte de Beer hat es in all den Jahren nicht geschafft auch nur eine Operette zum Erfolg zu machen, und das im Haus, das einmal weltweit das erste Haus der Wiener Operette war und noch immer es sein sollte..
Wenn man mit Regietheaterideen versucht das Unlogische logisch zu machen und den Kitsch zu entkitschen, wird man immer ausrutschen; fast alle Operetten haben unlogische Sujets und ein wenig Kitsch. Das stört nicht, wenn die Sänger gut sind und Persönlichkeit haben. Der neuen Direktion der Bühne Baden kann man gratulieren und ihr wünschen, diesen Weg weiter zu gehen. Operettenliebhabern sei der Ausflug in die Kurstadt empfohlen
alcindo

