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BADEN: ERNST IST DAS LEBEN (BUNBURY)

03.09.2015 | Theater

Baden: „ERNST IST DAS LEBEN“ („BUNBURY“) – Sommerarena 29.8.2014

Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, dass das von Bettina Hering (der künftigen Schauspielchefin der Salzburger Festspiele) geleitete Landestheater Niederösterreich keine erste Bühne ist, mit dieser Demontage eines Oscar Wilde-Stückes, das in Baden Premiere hatte und danach in St. Pölten gespielt wird, wurde er überzeugend erbracht. Mir ist klar, dass die seit mehreren Jahren bestehende Koproduktion von Baden und St. Pölten (unter Opferung der von mir geschätzten Gastspiele deutscher Tourneetheater) in der Kulturpolitik des Landes Niederösterreich begründet ist, mit solchen Inszenierungen wird aber Baden mehr geschadet als genützt, und dessen ambitioniertes Programm niveaumäßig gedrückt. Das hat der rührige Dir. Reinthaller wirklich nicht verdient. Dass es nur 4 Aufführungen gab (eine 5. zum Spielzeitabschluss am 6.9. wurde abgesagt), machte das Übel nur unwesentlich geringer.

Die normalerweise unter dem Titel „Die Kunst ernst zu sein“, „Ernst sein ist alles“ oder nur “Bunbury“ gespielte Komödie „The Importance of Being Earnest“ übt wie alles bei Oscar Wilde Kritik an der Gesellschaft, doch überwiegen immer das Komödiantische, der Wortwitz und der Pointenreichtum. Dabei ist sie an die viktorianische Zeit gebunden und wirkt bei Transferierung in die Moderne unlogisch. Das mag der Grund dafür sein, dass der irische Dichter heute nur mehr selten gespielt wird. Bevor man ihn aber so verunstaltend inszeniert wie die Holländerin Maaike van Langen, soll man es lieber ganz bleiben lassen. Das Bühnenbild von Moritz Müller bestand aus einigen nüchternen Schrägen und keinerlei Versatzstücken (Mobiliar), was die Schauspieler nötigte, bergsteigerische Fähigkeiten und tadellose körperliche Kondition zu besitzen bzw. Konversation auf dem Bühnenboden zu führen. Dafür hätten sie sich Alpinmedaillen verdient.

Der vor einem schwarzen Vorhang spielende 1. Akt schleppte sich lähmend dahin, so dass es fast nicht ins Gewicht fiel, dass er durch von außen tönende Lautsprecherdurchsagen empfindlich gestört wurde. (Was kein gutes Licht auf die Stadt Baden wirft, die gerne ihre Kulturaktivitäten in den Vordergrund stellt.) Im 2. Akt wurde die Bühne geöffnet, worauf die öde hölzerne „Berglandschaft“ in ihrer ganzen Tristesse richtig sichtbar war. Erst mit dem Schluss dieses Aktes gewann die Aufführung etwas Tempo, welches dann nach der Pause, in den beiden Folgeakten, zu einigen komischen Momenten führte, die jedoch keinen Hintergrund, sondern lediglich aufdringliche, übertrieben hektische Lustigkeit besaßen. Dazu passten die z. T. schrillen Kostüme von Nicole von Graevenitz und die z. T. ordinäre Vokabel verwendende deutsche Fassung von Elfriede Jelinek, welche aber zumindest die Wortspiele von „Ernst“ und „ernst“ gut herüberbrachte.

Die Schauspieler sind insofern schwierig zu beurteilen, als sie ja von der Regie behindert waren. Immerhin überzeugten Pascal Lalo als Jack Worthing und Fabian Krüger als Algernon Moncrieff, wobei der Zweitgenannte zur Betonung des Dandyhaften Anleihe bei seinem Burgtheater-Kollegen Michael Maertens nahm und dessen Sprechweise imitierte. Babett Arens enttäuschte als undeutlich sprechende Lady Bracknell ohne Ausstrahlung. Die beiden jungen Damen waren bei Marion Reiser (Gwendolen Fairfax) und Lisa Weidenmüller (Cecily Cardew) an sich in ordentlichen Händen, doch war Letztere gezwungen, zu outrieren. Cornelia Köndgen gab die Miss Prism mit unnatürlicher Hascherl-Stimme und Michael Scherff sowie Pascal Groß komplettierten als Pastor Schasuble resp. Diener und Butler (dass Groß in der 2. Rolle als Conchita Wurst-Double aufzutreten hatte, war ebenso unnötig wie das Meiste).

Ein deprimierender Abend ohne Atmosphäre. Dem entsprach, dass nach der Pause mehrere Sitze leer blieben.

Gerhard Ottinger

 

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