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BADEN/ Bühne Baden/ Stadttheater: „LUDWIG VAN TANZT“. – poetischer Ballettabend als Beitrag zum Beethoven-Jahr

04.10.2020 | Ballett/Tanz


Der sinnend-sehnsüchtige Beethoven beim Schreiben von Liebensbriefen: Daniel Greabu. Fotocredit: Lalo Jodlbauer

Baden/Bühne Baden/Stadttheater:

03.10.2020 : „LUDWIG VAN TANZT“.poetischer Ballettabend als Beitrag zum Beethoven-Jahr

Trotz der aktuellen schwierigen allgeneinen Situation finden auch auf der Bühne Baden Vorstellungen statt – und im Beethoven-Gedenkjahr wird sogar mit einer Ballettpremiere dem Komponisten (1770-1827) gehuldigt. Ballettchef und Choreograf Michael Kropf stellt mit diesen komplexen Herausforderungen in der Durchführung der Probenarbeit konfrontiert, nun sein neuestes Werk vor, das vom Ballett der Bühne Baden unter Mitwirkung vom Europaballett St.Pölten getanzt wird. (Folgevorstellungen sind am 10.Oktober und 11. März in Baden, ein Gastspiel im Festspielhaus St. Pölten gibt es am 18. Dezember)

In Anlehnung an den Film „Ludwig van B. – meine unsterbliche Geliebte“ (1994) konzentriert sich Michael Kropf in seiner Tanzversion auf die Liebschaften und die damit verbundenen heftigen Gefühle im Leben von Beethoven und setzt diese tänzerisch um – daher auch bei „Ludwig Van tanzt“ der Untertitel „Die unsterbliche Geliebte“. Zu den Frauen wie Josephine, Magdalena, Giulietta, Elisabeth, Fanny und Theresa führt Kropf  als weitere Figur das Schicksal ein, das Beethoven begleitet und immer wieder in den verschiedenen losen biografischen Szenen handlungsbestimmend auftaucht.  Auch der Tod  ist untrennbar mit dem Leben verbunden – er erscheint ebenso immer wieder bis er am Ende Beethoven die Hand reicht und ihn mit sich fortführt – während seine Kompositionen unsterblich bleiben. Aus dem umfangreichen Werk des Komponisten hat Kropf für sein Ballett verschiedene Stücke ausgewählt – darunter natürlich „Für Elise“, Teile der „Schicksalssinfonie“ oder für das Finale die bekannten Klänge aus Beethovens „Neunter. Sinfonie“ (Arrangements: Matthias Schaff).  Gespielt wird vom Orchester der Bühne Baden unter der Leitung von Franz Josef Breznik (den Abstandsregeln Rechnung tragend verteilen sich die Musiker auf den Orchestergraben und die beiden Proszeniumslogen). Kropf, der auch für die Konzeption und Bühne verantwortlich zeichnet, nützt u.a. Videotechnik, um die Worte des Briefe schreibenden Beethoven an die Bühnenrückwand einzublenden und setzt Sprache ein, indem er diese Texte von einem Sprecher aus dem Off lesen lässt um so auch im Lauf des Abends mit wechselender Tonqualität (dumpfer und leiser) Beethovens Schwerhörigkeit zu simulieren. Das Klavierspiel der Schülerinnen wird  im Orchester „gedoubelt“. Verschiebbare Bühnenelemente und einige wenige Möbel und Requisiten skizzieren mit einfachen Mitteln die unterschiedlichen Handlungsorte. Die historisierenden Kostüme stammen von Friederike Friedrich.


Maria Penyaz als das lebensbegleitende Schicksal. Fotocredit: Lalo Jodlbauer

Den Persönlichkeiten seines Ensembles entsprechend hat Michael Kropf die Charaktere seiner handelnden Personen optimal besetzt: Daniel Creabu überzeugt als leidenschaftlicher, ausdrucksstarker Beethoven, Maria Penyaz ist das allgegenwärtige Schicksal, Samir Bellido begeistert als Tod durch große Bühnenpräsenz, Karina Giehler verkörpert Beethovens Sehnsuchtsliebe Josephine und Klauss Luli gefällt als Beethovens Neffe Karl. Die Tänzerinnen und Tänzer vom Europaballett St. Pölten zeigen viel Esprit und ergänzen mit viel Power in den Ensembleszenen und solistisch zu einem harmonischen Ganzen. 


Samir Bellido als unausweichlicher Tod. Fotocredit: Lalo Jodlbauer

Das Publikum war begeistert – es gab viel  Jubel und Standing Ovations für die Tänzerinnen und Tänzer sowie das Leading Team.   

Kürzlich wurde bekanntgegeben, dass Michael Lakner seinen Vertrag bei der Bühne Baden als Künstlerischer Leiter bis 2027 verlängert hat. Der Vertrag von Michael Kropf wurde hingegen nicht verlängert und so setzt der gebürtige Wiener in seiner letzten Badener Spielzeit mit dieser neuen Ballettproduktion noch ein kräftiges Lebenszeichens der Sparte Ballett.

Ira Werbowsky.

 

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