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BADEN / Bühne Baden: GRÄFIN MARIZA von Emmerich Kálmán

Zu viel gewollt und zu wenig eingelöst

14.11.2021 | Operette/Musical
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Balllettszene der im Mafia-Milieu angesiedelten Handlung. Alle Fotos: Bühne Baden / Christian Husar

„Am Burgtheater spielen`s heute Kickl kauft sich eine Hose und geht mit Mückstein impfen.“ Das ist so ziemlich das Lustigste, was man an diesem Abend zu hören bekommt. Nicht am Burgtheater, sondern in der Aufführung von Emmerich Kálmáns Operette Gräfin Mariza im Stadttheater Baden, die bereits im Oktober ihre Premiere erlebt hat. Unter der Leitung von Intendant Michael Lakner ist man offensichtlich bemüht, die ausgewählten Operetten jeweils- koste es, was es wolle –  irgendwie ins 21. Jahrhundert zu versetzen. Ein mühsames Unterfangen, das nicht ohne Krampf abgeht und meist weder den Stücken noch dem Publikum guttut. Im vorliegenden Fall wird die Handlung in ein postkommunistisches Ungarn versetzt, und ist – von der Ouvertüre an, die von einem Ballett betanzt wird – eindeutig im Mafia-Milieu angesiedelt. Warum das der auch für die Choreographie verantwortliche Regisseur Leonard Prinsloo für sinnvoll hält, hat er in einem TV Interview verraten: Er könne sich nicht anders erklären, warum die Gräfin mit nur 20.000 Schweinen zur Millionärin geworden sei. Etwas mehr Phantasie, und dem Publikum wäre viel Krampf erspart geblieben. So aber ist alle drei Akte hindurch kein Zusammenhang zwischen der vom bewährten Librettisten-Duo Julius Brammer und Alfred Grünwald konzipierten Geschichte von der reichen Gräfin und ihrem Gutsverwalter, der in Wahrheit auch ein Graf ist, und den eingestreuten Balletteinlagen herzustellen. Einmal tanzen sie als Ratten mit glühend roten Augen, dann mit Masken wie im venezianischen Karneval und schließlich als schwarzbestrumpftes Sado-Maso-Truppe. Vom gerühmten Charme und Schmäh dieses Operettenjuwels bleibt so leider nur mehr wenig übrig. Eine weitere Intention, das schwierige Durch-, Neben- und Miteinander von Kroaten, Ungarn und Roma aufzuzeigen, wird kaum eingelöst.

Am überzeugendsten an diesem Abend ist die bezaubernde Musik mit ihren zündenden Melodien und Tänzen, ist die bezwingende Mixtur aus ungarischen Klängen und Zigeunerweisen, aus Wiener Walzer und Foxtrott-Rhythmen. Christoph Huber, der junge musikalische Leiter, leistet am Pult des Orchesters der Bühne Baden ganze Arbeit und lässt so viele Schwachstellen auf der Bühne vergessen. Die Musik Kálmáns lässt sich einfach nicht unterkriegen.

Gesanglich ist das Gebotene nicht ganz so erfreulich. Monika Rebholz als Mariza hat eine solide Mittellage, klingt in der Höhe aber oft angestrengt und scharf, was dazu führt, dass sie mit ihrem Sopran eigentlich nur dann punkten kann, wenn sie die erregte, erzürnte Gräfin gibt. Die tiefen Töne, die es in dieser Partie auch gibt, sind dafür so gut wie nicht vorhanden. Reinhard Alessandri, der als Verwalter/Graf zum Einsatz kommt, fehlt der Schmelz, der einen Lehár- und Kálmán-Tenor auszeichnet. Er klingt trocken und oft zu verhalten, was leider auch für seine schauspielerischen Leistung zutrifft.

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Verena Barth-Jurca (Lisa) und Thomas Zisterer (Koloman Zsupán).

Erfreulich und durchwegs erfrischend sind die Auftritte von Verena Barth-Jurca in der Rolle der Lisa. Mit ihrem hellen Sopran und ihren darstellerischen Fähigkeiten setzt sie heitere Akzente und sorgt, unterstützt durch Thomas Malik (Fürst Populescu) und Thomas Zisterer (Baron Koloman Zsupán), deren gesangliche Performance mit ihren komischen Talenten allerdings nicht Schritt halten kann, für Heiterkeit.

Als Dritter-Akt-Komiker hat Oliver Baier einen genussvoll zelebrierten Gastauftritt in der Sprechrolle des Penizek, treuer Diener seiner Herrin. Diese, die Fürstin Bozena Cuddenstein zu Chlumetz, wird von Uschi Plautz mit viel Outrage, die dieser Rolle aber durchaus zuträglich ist, ausgestattet. Stocksteif gerät hingegen der wohl mysteriös gemeinte Auftritt von Jerica Steklas. Höflicher Applaus im Zuschauerraum mit vielen leeren Plätzen.

 

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