Sibeliu’s Huldigung an die Violine
Von Giovanni Bottesini, der als „Paganini des Kontrabasses“ galt, erklang dann nach der Pause das überaus originelle Konzert für Kontrabass und Orchester Nr. 2 in h-Moll. Si heon Ryu (20) aus der Klasse von Dominik Wagner überzeugte hier mit großartiger Virtuosität, wobei ihn die Philharmonie Baden-Baden unter Heiko Mathias Förster einfühlsam und durchsichtig begleitete. Einflüsse von Paganini und Wieniawski zeigten sich bei vielen Passagen – und die schwierigen Flageoletttöne meisterte der Solist bravourös! Da blitzten Esprit und Grandezza gleichermaßen stürmisch hervor. Ganz in weiblicher Hand war zuletzt das Violinkonzert in d-Moll op. 47 von Jean Sibelius, wo der romantische Geist beim Spiel der Solistin Marin Fukuoka (22) aus der Klasse von Sophia Jaffe aufblühte. Sie bestritt den ersten Satz mit rhapsodischem Kadenzenreichtum und gab dem charakteristischen Hauptthema des Allegro moderato zusammen mit der Philharmonie Baden-Baden unter Heiko Mathias Förster starkes Gewicht. Das lyrische zweite und das scharf umrissene dritte Thema bewies bei dieser Wiedergabe eine erstaunliche Kraft und Klarheit. Der romantische Gefühlsausdruck dominierte nochmals bei der frei entwickelten Durchführung mit rhapsodischer Fortspinnung in besonderer Weise. Jiwoo Han (23) aus der selben Klasse musizierte dann den zweiten und dritten Satz aus dem Violinkonzert von Sibelius mit elegischer Wärme im Adagio, die sich auf das Orchester übertrug. Die weitgespannte Melodie der Violine erreichte eine ungewöhnliche Intensität. Im rondoartigen Allegro-Finale riss das energische und tanzfrohe Thema die Zuhörer unmittelbar mit. Mit ausgesuchten Rhythmen und wirkungsvoller Aufmachung der Solostimme führte das Spiel hier zu einem unbeschwerten Ausklang, wobei die herbe Melodik nicht übermäßig betont wurde. Sibelius‘ Huldigung an die Violine rückte das Instrument bei dieser ausgefeilten Interpretation ganz in den Mittelpunkt. Viele „Bravo“-Rufe.