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BADEN-BADEN/ Kurhaus: Meisterkonzert 2.0 der Carl-Flesch-Akademie

13.07.2025 | Konzert/Liederabende
Meisterkonzert 2.0 der Carl-Flesch-Akademie im Weinbrennersaal des Kurhauses am 12. Juli 2025/BADEN-BADEN 

Sibeliu’s Huldigung an die Violine
 
Wieder präsentierten hoffungsvolle Talente der Carl-Flesch-Akademie im Kurhaus ihr Können. Zu Beginn musizierte Sae Ito (29) aus der Klasse von Mate Szücs das recht wenig bekannte Konzert für Violine und Orchester in D-Dur von Franz Anton Hoffmeister. Hier blühten die Kantilenen geradezu auf, die Viola begegnete der einfühlsam musizierenden Philharmonie Baden-Baden unter der inspirierenden Leitung von Heiko Mathias Förster mit erfrischendem Impetus und nie nachlassender Energie. So ergänzten sich Instrument und Orchester gegenseitig, es entstand ein reizvolles Frage- und Antwort-Spiel. Fabian Johannes Strnad (14) aus der Klasse von Grigory Alumyan spielte anschließend sehr erfrischend den ersten Satz aus dem Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn. Der schwärmerische Ton wurde dabei sofort gut getroffen. Und den zweiten und dritten Satz dieses Konzerts bestritt Danylo Semenyuk (14) aus der selben Klasse mit kapriziöser Munterkeit.  Die Eleganz der Virtuosität paarte sich im Allegro mit innig schlichtem Ausdruck im anschließenden Adagio, das der Solist sehr ausdrucksvoll musizierte.

Von Giovanni Bottesini, der als „Paganini des Kontrabasses“ galt, erklang dann nach der Pause das überaus originelle Konzert für Kontrabass und Orchester Nr. 2 in h-Moll. Si heon Ryu (20) aus der Klasse von Dominik Wagner überzeugte hier mit großartiger Virtuosität, wobei ihn die Philharmonie Baden-Baden unter Heiko Mathias Förster einfühlsam und durchsichtig begleitete. Einflüsse von Paganini und Wieniawski zeigten sich bei vielen Passagen – und die schwierigen Flageoletttöne meisterte der Solist bravourös! Da blitzten Esprit und Grandezza gleichermaßen stürmisch hervor. Ganz in weiblicher Hand war zuletzt das Violinkonzert in d-Moll op. 47 von Jean Sibelius, wo der romantische Geist beim Spiel der Solistin Marin Fukuoka (22) aus der Klasse von Sophia Jaffe aufblühte. Sie bestritt den ersten Satz mit rhapsodischem Kadenzenreichtum und gab dem charakteristischen Hauptthema des Allegro moderato zusammen mit der Philharmonie Baden-Baden unter Heiko Mathias Förster starkes Gewicht. Das lyrische zweite und das scharf umrissene dritte Thema bewies bei dieser Wiedergabe eine erstaunliche Kraft und Klarheit. Der romantische Gefühlsausdruck dominierte nochmals bei der frei entwickelten Durchführung mit rhapsodischer Fortspinnung in besonderer Weise. Jiwoo Han (23) aus der selben Klasse musizierte dann den zweiten und dritten Satz aus dem Violinkonzert von Sibelius mit elegischer Wärme im Adagio, die sich auf das Orchester übertrug. Die weitgespannte Melodie der Violine erreichte eine ungewöhnliche Intensität. Im rondoartigen Allegro-Finale riss das energische und tanzfrohe Thema die Zuhörer unmittelbar mit. Mit ausgesuchten Rhythmen und wirkungsvoller Aufmachung der Solostimme führte das Spiel hier zu einem unbeschwerten Ausklang, wobei die herbe Melodik nicht übermäßig betont wurde. Sibelius‘ Huldigung an die Violine rückte das Instrument bei dieser ausgefeilten Interpretation ganz in den Mittelpunkt. Viele „Bravo“-Rufe. 

 
Alexander Walther

 

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