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BADEN-BADEN / Festspielhaus: „HÈLÈNE GRIMAUD-BAMBERGER SYMPHONIKER-JAKUB HRUSA“

12.01.2020 | Konzert/Liederabende

Baden-Baden: „HÈLÈNE GRIMAUD-BAMBERGER SYMPHONIKER-JAKUB HRUSA“ – 11.01.2020


Foto: Manolo Press Michael Bode

Zum Auftakt des Neuen Jahres boten Hélène Grimaud sowie die renommierten Bamberger Symphoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrusa im Festspielhaus  einen interessanten Konzertabend.

Den Auftakt bildete die „Symphonie D-Dur“ des böhmischen Komponisten Jan Vaclav Vorisek einem Schüler J. N. Hummels. Auf die Begabung des jungen Vorisek wurde man früh in Prag aufmerksam, entsandte ihn nach Wien und unter den Fittichen seines Lehrers entwickelte sich der gelehrige Komponist zu einem brillanten Phänomen in der Wiener Musikszene was dazu führte, dass er bei der Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde im Jahre 1814 gleich als Korrepetitor, Dirigent und Organist eingestellt wurde. Anfang der 1820er Jahre genoss Vorisek eine glanzvolle Karriere als Konzertpianist. Eine starke Affinität zu Beethoven war bekannt welchen er vergötterte und dessen „Zweite Symphonie“ er auch am 18. April 1819 dirigierte und welche wohl des Umstands wegen das heutige Programm beschloss. Mit 34 Jahren starb Vorisek an Tuberkulose, Beethoven entsandte noch seinen Leibarzt um das Leben des jungen Mannes zu retten, doch vergeblich.

Nun war es ein Anliegen des Dirigenten Jakub Hrusa die „Symphonie D-Dur“ des jungen tschechischen Komponisten aufzuführen. Und das Resultat? Man könnte schier Shakespeare zitieren, anmutig ohne Höhen und Tiefen plätscherte das viersätzige 30minütige Werk dahin, wohlgefällig von den Bamberger Symphonikern konsequent auf der Basis funktioneller Tonalität gespielt. Besondere differenzierte Farbwerte beinhaltete speziell das Andante mit seinen schönen melodischen rhythmischen Akzenten.

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch das „Klavierkonzert KV 466“ von Wolfgang Amadeus Mozart in der exemplarischen Interpretation von Hèléne Grimaud. Die später für Beethoven so bezeichnend thematischen Bezüge ganzer Werke scheinen in diesem Werk auffallend vorbereitet und zwar im ersten und dritten Satz. Ähnelt das Konzert in seiner „Seelenverwandtschaft“, jenen Folge-Grundgedanken in welcher die musikalische Romantik so schwelgerisch aufging.

Nach der langen orchestralen Einleitung mit den thematischen Bezügen zu „Don Giovanni“ erhob sich das Soli im Zwiegespräch des Allegro welches die französische Pianistin melancholisch, herrlich transparent, leicht im Anschlag fokussierte. Schnörkellos von prismatischem Funkeln, brillant virtuos unterfüttert erklang die von Ludwig van Beethoven hinzugefügte Kadenz. Spielerisch anmutend, traumhaft elegisch nahm sich Grimaud der Romance an und avancierte quasi zur Trägerin des melodischen romantischen Empfindens.

In technisch-vehementer Tastatur, glasklarer Intonation bestach die Pianistin mit wohl dosierten Tempi während des finalen Allegro assai, deren Timing nie die Deutlichkeit der Artikulation vermissen ließen. In gegenseitig künstlerischer Wertschätzung begleitete Jakub Hrusa mit seinen Bamberger Musikern in lebendiger, dennoch teils verhaltener Dynamik.

Die herzliche jedoch keineswegs rauschende Begeisterung des Publikums wurde wohl deshalb (?) mit keiner Zugabe belohnt.

Zum Konzertfinale erklang die „Zweite Symphonie“ von Ludwig van Beethoven mit welcher das Festspielhaus das Beethoven-Jubiläumsjahr einläutete. Dieses Werk war bereits mit den Dimensionen und Strukturen der folgenden Werke des Meisterkomponisten ausgestattet und Jakub Hrusa überraschte die Zuhörer mit einem völlig  entschlackten Beethoven-Sound klangschön, transparent, zu mäßigen Tempi. Beschwingt leitete der Dirigent mit den moderat musizierenden Bambergern in das Adagio molto und gab den Blick frei in die freundlichen Weiten des sanglichen Eröffnungsthemas. Den schwelgend innigen Klängen folgten sobald die düsteren Motive und schließlich vereinten sich alle zum gewaltigen Unisono-Forte der Tonstufen. Gleich neuen Perspektiven anmutend bekam es der strukturellen Klarsicht, dass die sich vorwitzig herein platzenden Hörner und Oboen den Beginn auf humorvolle Weise störten.

Von einer innigen Melodie getragen erklang das Larghetto welche sich in immer wieder in eigenartig wechselnder Instrumentation variierte tänzerisch, heiter, naiv voll irdischen Glücks. Vortrefflich ließ Hrusa sein akkurat musizierendes Orchester mit den weichen Violinen und den klangvollen Holzsegmenten das volkstümliche Paysage intime auskosten.

Im Scherzo geriet der musikalische Ablauf zum weniger unheimlichen Hasten, kam dem Jagen eines apokalyptischen Spukes gleich welcher sonst gespenstig vorüber braust kaum nahe. Ein bizarres Fangballspiel entspann sich zwischen Bläsern und Streichern im gegensätzlichen Trio mit seiner schlichten Weise, in welchem allerdings das freche Stampfen der Blasinstrumente die Oberhand gewann. Besinnlich wirkten die Folgebilder, die Motive aller Sätze leuchteten auf, wurden in kunstvoller Verflechtung eigenwillig überspielt. Temperamentvoll mobilisierte der versierte Dirigent zum finalen Allegro molto in gebündelter Energie seinen Klangkörper zu hymnisch musizierendem Jubel, welcher diese lebensbejahende Musik bekenntnishaft krönte.

Die Begeisterung des Publikums war nun intensiver und wurde mit Mozarts Ouvertüre zu „Le Nozze di Figaro“ belohnt.

Gerhard Hoffmann

 

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