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BADEN-BADEN/ Festspielhaus/ Hausfestivals“: „JULIAN PRÈGARDIEN“

19.02.2021 | Konzert/Liederabende

Baden-Baden: „JULIAN PRÈGARDIEN“ – 18.02.2021

Bildergebnis für julian pregardien
Julian Prégardien. Foto: Marco Borggreve

Am zweiten Abend des „Haus-Festivals“ im Festspielhaus gastierten der Tenor Julian Prégardien begleitet vom Pianisten Èric Le Sage und hatten den Liederzyklus „Dichterliebe“ von Robert Schumann auf dem Programm. Zum gleichen Stream-Konzept wie gestern erfolgten die Abläufe, nach 25 Minuten Standbild ging es endlich los.

Irgendwo las ich dereinst die drei bedeutungsvollen Worte  Der gelöste Zauberbann! Vereinen sie nicht auf wunderbare Weise die Texturen der Gedichte von Heinrich Heine in der genialen Vertonung von Robert Schumann? Selten zuvor ist die Ambivalenz der Liebe mit all ihren Zuständen wie Glück, Erfüllung aber auch Sehnsucht, Verzweiflung, Leid so vollkommen künstlerisch im Liedschaffen dargestellt worden wie exemplarisch von Schumann während seiner immensen Schaffensperiode des Jahres 1840.

Als Jung-Spund lernte ich den Tenor Julian Prégardien in diversen Rollen während seines vierjährigen Engagements an der Oper Frankfurt kennen und danach wenige Male bei Recitals. In völlig natürlicher höchst erfreulicher Stimmentwicklung erlebte ich heute den inzwischen gereiften Mittdreißiger als exzellenten Lied-Interpreten.

Während unserer momentan mehr als depressiven Zeiten weckte das Eröffnungs-Lied Im wunderschönen Monat Mai! sehnsuchtsvolle Hoffnungen. Bereits während diesen interpretatorischen Phrasen wurde die formelle, harmonische, emotionale Beziehung des Sängers zum Werk gewahr. Ob nun im Höhenstrahl, vom Pianissimo und Mezzavoce bis zum Forte Julian Prégardien beherrschte die ganze dynamische vokale Palette in schierer Schwerelosigkeit. Aus meinen Tränen sprießen – Wenn ich in deine Augen seh erklangen in tiefer Empfindung, fein emphatisch nuanciert. In sparsam bedeutungsvoller Mimik, zu vokal dunkelgetönten weichen Mittelbereichen seines herrlich timbrierten Tenors setzte der famose Gestalter dramatische Akzente insbesondere bei den Strophen Im Rhein, im heiligen Strome Ich grolle nicht. Die melancholische Ambivalenz des Vortrags erschütterte regelrecht, unendlich desolat im Sog der Verzweiflung erklang  Ich hab im Traum geweint, da überwältigten selbst mich alten Hasen die Emotionen.

Während der Sänger jede Nuance des Textes vortrefflich gestaltete, gelang ebenso Èric Le Sage die musikalische bedeutsame Untermalung. In jeder Phrase schien der Pianist mit dem Solisten zu atmen und verstand es am Flügel mal sensibel verhalten, teils dramatisch und ungemein rhythmisch „orchestral“ zu begleiten.

Vom ersten bis letzten Lied faszinierte diese Interpretation auf faszinierende Weise zur prägnanten natürlichen nie manierierten Diktion des Sängers, in regelrecht beglückender Verbindung sensibler Linienführung des herrlich strömenden, wohlklingenden Stimm-Materials. Bravo!

In entspannter Atmosphäre stellten sich die Künstler danach den Fragen der charmanten Moderatorin Jasmin Bachmann sowie den Internet-Musikfreunden. Fast heiter beschwingt, wie zur Einleitung sang Julian Prégardien hoffnungsvoll-zuversichtlich vom Wonnemonat Mai zur Vertonung  Kurzes Erwachen komponiert vom Achtzehnjährigen Schumanns.

In Vorfreude fiebere ich bereits schon jetzt dem nächsten Event des ausgezeichneten Sängers entgegen.

Gerhard Hoffmann

 

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