Baden-Baden / Festspielhaus: „DON GIOVANNI“ – 19.12.2025

Persson, Richter, Bengtsson, Schuen. Foto: Michael Bode
Mit einer interessanten Premiere des „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart eröffnete das Festspielhaus seine „Winter-Festspiele 2025“. Sängerinnen sowie Sänger wandten sich in der Vergangenheit dem Taktstock oder der Regie zu dass, jedoch Dirigenten Regie führen kam bisher seltener vor, heute haben wir es erlebt. Ivan Fischer am Pult des Budapest Festival Orchestra übernahm ebenso die szenische Leitung und um es sogleich zu formulieren, dachte ich so bei mir Schuster bleib bei deinem Leisten! Fischer erzählte die Story real am Libretto, ließ die Damen und Herren teils gleich ihrer eigenen Statue auf zwei Sockeln agieren, verlor sich teils im personellen Leerlauf, die Figuren wirkten zuweilen sich hilflos selbst überlassen. Überflüssige Statisten sowie Mitglieder der Opera Company sollten lediglich über die innere Leere hinwegtäuschen. Die Säulen der Bühne wurden bestens beleuchtet (Andrea Tocchio), die prächtigen Kostüm-Créationen besorgte Anna Biagiotti bestens vereint in vortrefflicher Gesamtoptik.
Am Pult seines ungarischen Orchesters wählte Ivan Fischer eine schier kammermusikalische Lesart der Partitur, seidenweich ,licht, transparent erklangen die Streicher, bestens disponiert artikulierten sich die Bläsersegmente im stilistisch eleganten orchestralen Gesamtkonzept. Jedoch zu Lasten der dramatischen Zwischentöne verlor sich der Dirigent mehr in lyrischem Zelebrieren und bevorzugte breite Tempi. Lediglich beim grandiosen Finale schien Fischer aus seiner Lethargie zu erwachen. Gewiss war dieser Musizierstil gewollt und bot auch akustisch positive Reize von denen besonders die beiden Donnas profitierten.
Maria Bengtsson erlebte ich bisher als exzellente Mozart- und Strauss-Interpretin, gestaltete Donna Anna mit einem vokalen feinziselierten Liebreiz, ihr wunderbar timbrierter Sopran bezauberte mit anmutigen Piani, traumhaft weichen Tönen, adelte ihren Vortrag mit herrlichem Legato und stilsicheren Koloraturen. Miah Persson mir vorab ebenso bekannt verfügte über ähnliche Sopran- Attribute, gestaltete Donna Elvira, dem Temperament der Figur entsprechend mit mehr energischem Nachdruck und ließ ihr schönes Timbre gehaltvoll erblühen. Strahlend hell, schönstimmig erklangen die Sopranfarben von Giulia Semenzato als quirlige Zerlina.
André Schuen überzeugte mich erneut als Don Giovanni, wie zuvor während seiner phänomenalen Lied-Recitals ungemein. In prächtiger Fülle ließ der Bassbariton sein herrliches Timbre facettenreich strömen, beeindruckte mit feinen Piani und nuancierten Tongebungen in den Tiefen- und Höhenbereichen und avancierte so zum vokalen Mittelpunkt der Aufführung.
Als Inkarnation des Leporello gilt seit Jahren Luca Pisaroni doch versteht es der kluge Bariton seinem herrlichen Material stets variable Nuancierungen und flexible Töne zu schenken, sodass die Partie immer wieder in neuem Licht erscheint. Keineswegs tölpelhaft erschien Masetto, klangvolle Fülle schenkte Daniel Novola seinem kernigen Basswohllaut.
Bernard Richter schenkte dem Don Ottavio während der Rezitative zunächst eine ungewohnt herb-männliche Note, überraschte jedoch während seiner herrlichenArien mit vortrefflich timbriertem koloratursicherem Mozart-Tenor bester Qualität.
Sonore Basstiefen vereint mit schönem Timbre war von Krisztian Cser zu vernehmen.
Ein langgehegter Wunsch wurde dem Rezensenten erfüllt mit der vortrefflich interpretierten Höllenfahrt endete das Don Giovanni-.Finale.
Bravochöre, prasselnder Applaus jedoch keine überschäumende Euphorie belohnte alle Beteiligten gleichwohl.
Gerhard Hoffmann

