Baden-Baden / Festspielhaus: „LOHENGRIN“ Zweite Auffühung am 31.03.2026

Brautgemach. Copyright: Festspielhaus
Zu den „Oster-Festspielen 2026“ präsentierte das Festspielhaus seinen Gästen und Freunden eine Reihe elitärer Konzerte sowie die Neuinszenierung der romantischen Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner. Den Grundgedanken „romantisch“ schien auch die Dirigentin Joana Mallwitz zu beflügeln, denn in dieser Art der Interpretation hörte ich das Werk nach hundertfachen Besuchen zumindest während der letzten Jahrzehnte nicht. Nun stellte ich mir selbst die Frage: mag ich´s dramatischer, kerniger oder mehr in verhaltener Form? Gewiss ist mir die erste Version auf Dauer lieber, jedoch war ich von der Mallwitz-Lesart der Partitur fasziniert und genoss jede Note!
Man kann es als sensationell bezeichnen mit welcher Akkuratesse die versierte Maestra mit dem großartig disponierten Mahler Chamber Orchestra sensibel Wagners Lyrik und Poesie auslotete, den vortrefflich musizierenden Klangkörper in höchste Instrumental-Sphären führte und es zuweilen wiederum an dramatischen wohlklingenden Ausbrüchen nicht fehlen ließ, Kam aus dem Staunen nicht heraus mit welcher Noblesse und Präzusion dieses qualitative Orchester in allen Instrumtalgruppen aufspielte, man musste diesem Klangzauber einfach erliegen. Stets mit wachem Blick zur Bühne war die vorzügliche Dirugentin allen Damen und Herren der Solistenriege sowie den Chören eine kongeniale Partnerin,
Im wahrsten Sinne auf orchestralen Rosen gebettet übertrug Mallwitz ihr romantisches Konzept auf die Sängerinnen und Sänger. Pardon meine Damen, dass ich dem Titelhelden den Vorzug gebe. In eindrucksvoller Vokalise sang Piotr Beczala den Lohengrin, ließ sein wunderschönes Timbre wie flüssiges Silber strömen, beeindruckte mit hinreißender Legatokultur, führte sein herrliches Tenormaterial in glanzvolle Höhenbereiche, krönte seinen Vortrag mit emotionalen Piani und schenkte zudem dem Part eine glaubwürdige Darstellung, Auch seine exzellente Artikulation sei gepriesen. Man könnte Beczala dato als besten konkurrenzlosen Rollenvertreter bezeichnen.
Zu anmutiger Darstellung verstand es Rachel Willis-Sorensen ihre Elsa mit einem unglaublichen vokalen Liebreiz zu umfloren. Prächtig entströmten wahre Goldtöne ihrem herrlich warm timbrierten Sopran, ungewöhnlich lyrische Tongebungen umrahmten den Vortrag. Die Sängern bezauberte mit traumhaften Piani und wunderbaren Phrasierungen, glanzvollen leichten Höhenflügen und setzte zudem auch dramatische Töne zur rechten Zeit.

Ensemble. Copyright: Festspielhaus
Wie flüssige Lava ergoss sich das dunkle Timbre von Tanja Ariane Baumgartner. Wohldosiert verstand es die Mezzosopranistin der Ortrud nuanciert die vokalen Attribute wie Dämonie, Listim Duett mit dem Angetrauten sowie auch wundervolle weiche Töne im grandiosen Zwiegespräch mit Elsa zu vermitteln. Die voluminösen Ausbrüche wie vor wenigen Jahren in Frankfurt vermisste ich bei Entweihte Götter oder beim finalen Zieh´hin, schmälerten jedoch in keiner Weise die glanzvolle Gesamtleistung der vortrefflichen Künstlerin.
Wolfgang Koch gab mit markant geführtem Bariton dem Telramund dramatische Konturen. Sonore Basstiefen schenkte Kwangchul Youn dem Heinrich und edle vokale königliche Würde. Mit kräftigem, bestens geführtem und sehr schönem Baritontmbre rief Samuel Hasselhorn zum Gericht.
Vier Edeldamen sowie vier Edle waren Solisten aus den beiden Chören. Großartig formierten sich der Tschechische Philharmonische Chor Brünn/Petr Fiala und der Philharmonia Chor Wien/Thomas Böttcher zu qualitativ bestechender Einheit.
Nach zwei gewöhnungsbedürftigen Inszenierungen von Johannes Erath erschreckt mied ich die letzten Jahre sein künstlerisches Handwerk, schob nun alle Vorbehalte beiseite und wurde heute angenehm überrascht. Erath erzählte die Story um den Schwanen-Ritter ohne wesentlichen Verfremdungen, Herbert Murauer schuf die optische Ausstattung: eine dimmbare Neonleuchte bildete den Bühnenrahmen, in einem Neonkreis inmitten spielte die Haupthandlung, außerhalb im Halbdunkel konnte mein trübes Augenpaar kahle Bäume wahrnehmen. Unvermeidliche Tische und Stühle dienten als Interieurs ebenso war das Brautgemach damit elegant in weiss mit Tischtuch und Kerzenhalter bestückt, eigentlich plausibel wozu das überflüssige Bett? DieAnkunft Lohengrins sowie weitere Ereignisse fanden auf leicht diagonaler Erhöhung statt. Die neutralen Kostüme und Anzüge für Solisten und Chor kreiierte Gesine Völlm, lediglich Elsa und Ihr Retter stachen in weiss hervor, Ortrud erhielt zum Münstergang eine schwarze Glitzerrobe. Die ausgezeichnete Lichtregie sowie die Videoeinblendungen oblagen. Joachim Klein/Bibi Abel.
Die Wellen der Begeisterung schlugen hoch und Bravochören feierte man das gesamte Team.
Gerhard Hoffmann

