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BADEN-BADEN/ Festspielhaus: Live-Stream „Hausfestspiel“ mit Christian Tetzlaff (Violine) und Kiveli Dörken (Klavier) . Cesar Francks Violinsonate

18.02.2021 | Konzert/Liederabende

Live-Stream „Hausfestspiel“ mit Christian Tetzlaff (Violine) und Kiveli Dörken (Klavier) am 17.2.2021 im Festspielhaus/BADEN-BADEN

Ergreifend und stürmisch bewegt

Von Cesar Francks Violinsonate in A-Dur gibt es auch eine Fassung für Violoncello und Klavier. Aber wenn sie so leidenschaftlich und stürmisch gespielt wird wie von Christian Tetzlaff (Violine) und Kiveli Dörken (Klavier), dann möchte man nur die Violinfassung hören. Kontrapunktische Sequenzen, schwebende Rhythmen und Modulationen in entfernte Tonarten sind hier insofern schwer zu interpretieren, weil die strenge Logik des Werkes immer wieder betont werden muss. Man muss also eine sehr schwierige Balance halten, um diesem Werk gerecht zu werden. Das eigentlich sanfte Thema des ersten Satzes überwältigt hier als „idee fixe“ mit einer nie nachlassenden Energie und Spannungskraft, die auch die motivische Arbeit und Variationstechnik in geradezu elektrisierender Weise erfüllt. Im leidenschaftlich erregten zweiten Satz explodiert das Terz-Motiv. Die turbulente Bewegung dieses Satzes gerät bei der konzentrierten Wiedergabe nie aus dem Gleichgewicht. Und im dritten Satz werden die Themen kunstvoll miteinander verbunden. Im Stil der „Recitativo-Fantasia“ triumphieren Improvisation und Ausdruck. Wie sich aus ihnen das Thema für den Kanon des Finales formt, besticht bei dieser konzentrierten Wiedergabe aufgrund einer ausserordentlich elektrisierenden dynamischen Steigerung. Wie in einem Mosaik werden hier die einzelnen Noten und Motive miteinander verwoben. Und die geheimnisvolle Verbundenheit der beiden Interpreten erreicht gerade im letzten Satz nochmals einen enormen Spannungsgrad. Nicht nur der Rondo-Charakter dieses letzten Satzes wird von Christian Tetzlaff und Kiveli Dörken in seiner ganzen Unwiderstehlichkeit und klanglichen Schönheit herausgearbeitet. Der melodische Gesang der Violine erreicht so eine wunderbare Intensität und geschmeidige Ausdruckskraft, was durch die explosive Kraft von Kiveli Dörkens Klavierspiel stark unterstrichen wird. Als Zugabe ist noch der langsame Satz aus der Sonate für Violine und Klavier Nr. 4 in a-Moll op. 23 von Ludwig van Beethoven zu hören. Auch bei dieser Interpretation scheint die Zeit still zu stehen. Dynamische Gegensätze, Umkehrungseffekte und deklamierende Phrasierung erreichen einen betörenden Klangzauber. Der lyrische Abgesang mit Fugato-Charakter bleibt stark im Gedächtnis. Und auch das kontrapunktische Gerüst dieses Andantes in Sonatensatzform zeigt leuchtkräftige Konturen. Franck schrieb dieses berühmte Werk übrigens 63jährig im Jahre 1886 als Hochzeitsgeschenk für den 28-jährigen Geiger Eugene Ysaee. Und die deutsch-griechische Pianistin Kiveli Dörken hat die Violinsonate von Cesar Franck mit Christian Tetzlaff auch schon beim Musik-Festival auf der griechischen Insel Lesbos musiziert, das sie veranstaltet. 

Alexander Walther

 

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