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BAD SCHALLERBACH/ Atrium: „Nirgendsland“ ist überall in dieser Welt Für Mascha Kaléko zum 50. Todestag der großen Lyrikerin

07.08.2026 | Konzert/Liederabende

„Nirgendsland“ ist überall in dieser Welt (am 6.8.2026)

Für Mascha Kaléko zum 50. Todestag der großen Lyrikerin

scollo

Der seit 30 Jahren bestehende und von Intendant Peter Gillmayr gegründete Musiksommer Bad Schallerbach veranstaltete einen bemerkenswert musikalisch-literarischen Abend zu Ehren des 50. Todestages der Berliner Autorin Mascha Kaléko (1907-1975), der am Donnerstag, 6. August 2026, viele Neugierige im Atrium Bad Schallerbach versammelte. Was weiß man schon von dieser außergewöhnlichen, wortgewaltigen Künstlerin, die der Nachwelt über 700 Texte in Form von Gedichten, Liedern, Chansons und Prosastücken hinterließ und damit sogar unseren Liederfürsten Franz Schubert übertreffen konnte. Kalékos Schaffen ruft geradezu nach einer Ausweitung, Bearbeitung und Weiterführung. Das neue Konzertprojekt verband politische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft poetisch zu einem tief bewegenden Bühnenprojekt. Gestaltet wurde es vom Etta Scollo Trio & Corinna Harfouch, alle kompetente, weitgereiste Künstlerinnen ihres Faches zu einem musikalischen Dialog, der die Tiefe und Vielschichtigkeit von Kalékos Werk und Leben zum Klingen brachte. Analog dem schweren Schicksal ihres Lebens, chronologisch ausgebreitet zu einem unverwechselbaren Klangbild. Auch das Ungesagte zwischen den Zeilen schafft eine zu Herzen gehende Atmosphäre gleich zu Beginn des Abends. Wenn Etta Scollo ihren von der Gitarre begleitenden Song melancholisch in den Saal haucht, Corinna Harfouch ausgesuchte Texte Kalékos rezitiert, Barbara Bouman auf Klarinette und Saxophon gesanglich untermalt und Susanne Paul intime Töne auf dem Cello dem Klangwunder beimischt. Was für ein herrliches Quartett, das sich für artverwandte Kulturprogramme empfiehlt! Mascha Kaléko hätte es gefallen, zu welchen Ausdrucksmöglichkeiten ihre Verse in Dur und Moll inspirieren. „Nirgendsland“ aus ihrem Poem „Kein Kinderlied“ titelte der Abend und hätte nicht treffender gewählt werden können. Ergänzungen, wie Sprachliches auf Italienisch, da die Komponistin Etta Scollo zwischen Berlin und Sizilien lebt, oder persönlich gefärbte lautmalerische Behübschungen, auch mimisch Begleitendes im Vortrag gereichten der Neuschöpfung des Projektes von einer anderen Art nur zum Vorteil.

So ließ die eineinhalb Stunden dauernde Performance die Spannung keine Minute los und wird die Erinnerung an die endlich erweckte Künstlerin fortan wachhalten. In der Literatur des 20. Jahrhunderts wird man mit Vergleichsversuchen kaum Erfolg haben. Ein Morgenstern, Kästner, Ringelnatz oder gar Heine, hätten sie sie auf ihre Sehnsucht vergessen? Die Musik zu Kalékos Sprache spielt auf anderen Registern. Und wartet noch auf weitere Vertonungen und Klangfarben auf der emotionalen Reise. Es ist alles erlaubt, was gefällt. Je länger es zu hören ist, umso besser gefällt der gekonnte Stilwechsel der neuen Musik klassizistischer Herkunft. Genau wie Kalékos Leben. Da stehen Traurigkeit neben Lebenslust, raffinierte Wendungen neben zaghafter Tongebung, emotionale Regungen neben jazzigen Kapriolen, lyrisch-lustige Fantasien neben charismatischen Chansons, Walzer für die Nacht ohne Schlaf,  beschwingte Canzoni, wie der Rhythmus überhaupt als ein kraftspendender Motor die Musik für Kaléko vorantreibt. Viel zu schnell verging das Vergnügen. Draußen tobte der Sturm das Regengewitter zum Aufbruch nach einer Zugabe mit den Worten der Dichterin: „“Mein schönstes Gedicht  – ich schrieb es nicht. Aus tiefsten Tiefen stieg es – ich schwieg es“. Jetzt lebt es wieder, dachte das mit Blumen und Applaus bedankte Damenquartett im Atrium des attraktiven Kurortes.

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

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