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BAD ISCHL: Was wissen denn schon die Götter der griechischen Mythologie ? Bad Ischl als Fundgrube vergessener Operettenschätze

21.08.2026 | Operette/Musical/Show

Was wissen denn schon die Götter der griechischen Mythologie ? Bad Ischl als Fundgrube vergessener Operettenschätze

Wenn auch immer gesagt wird, das Operette sei ein sterbendes Genre der Musikgeschichte, wird dies seit Jahren treffend widerlegt wird. Nämlich in Bad Ischl beim jährlichen Lehár Festival im Sommer, wo Intendant Thomas Enzinger entgegen anderer Theater statt abgespielter Stücke gerne Raritäten auf sein Programm setzt. Heuer ist ihm eine seltene Perle aus der Operettenliteratur für das Festival gelungen, nämlich Lehárs frühe Operette „Der Göttergatte“. Seit 120 Jahren bei der umjubelten Uraufführung oft nicht einmal in den Lexika entschlafen und kaum irgendwo auf die Bühne gebracht. Das hat schon seinen Grund, ohne dass man böse Vermutungen anstellen möchte. Die Handlung spielt in der Welt der griechischen Mythologie, ist etwas dünnflüssig und ziemlich verworren. Rollentausch, Verwechslungsgeschichte, Wortwitz,  Esprit, wenn auch viel Charme, wurde in das Stück gesteckt, man muss schon genau aufpassen, wie, was und mit wem es die Götter treiben bis zum versöhnlichen happy end, wenn der Göttergatte seine Göttergattin wieder in Händen hält. Aber was wissen denn schon die Götter ?

Regie führt zum ersten Mal der Sängerschauspieler Paul Schweinester, feinfühlig im Umgang mit dem Originallibretto von Victor Léon und Leo Stein und geschickt ergänzt mit temporeichen Aktualisierungen, Anspielungen auf Bad Ischl oder die Kulturpolitik (Bundeskanzler Christian Stocker).  Komödianten sind überhaupt alle im Gesamtensemble, singen mit kräftigen Stimmen, spielen mit Leib und Seele ihren Part und tanzen zu lustigen Bonmots, der Intendant ist ja auch selbst mit von der Partie und sucht als Theaterdirektor Mäandros verzweifelt nach einem Ersatz für den Hauptdarsteller seines Stückes, wie es im Vorspiel für das Geschehen heißt. Es war nicht schwer, einen solchen zu finden. Die Rolle des Jupiter ist mit dem Startenor Matjaz Stopinsek besetzt, seine Gattin Juno mit Cinzia Zanovello, die übrigen Götter sind Gerd Vogel als Sosias, Lukas Karzel als Merkur, Eva Schöler als Charis, Martin Lechleitner als Amphitryon,  Nina Jakovljevic als Thalia, Sorina Florina Neacsu als Polyhymnia und Fiona Mantovan als Terpsichore. Aber Ischl kann sich auch Umbesetzungen, eben Partienwechsel, leisten im Programm, das insgesamt sechs Vorstellungen vom Göttergatten aufweist. Ich sah die vorletzte, in der nicht die geringste Spur von einem Spannungsverlust zu spüren war und das Publikum zum Lachen brachte. Die halbszenische Aufführung kommt mit wenig Requisiten aus, erzeugt aber locker die richtige Stimmung für das vergnügliche Gefühlschaos. Die Musik mit ihrem bekannten Mix aus einfallsreichen Melodien aus anderen Werken Lehárs entschädigt für vielleicht noch sonstige Erwartungen von einem gewohnten Werk der leichten Muse. Marius Burkert am Pult des Lehár-Festival-Orchesters blieb dem Temperament ungarischer, slawischer oder wienerischer Herkunft nichts schuldig, die in Kostümen von Peter Plaschek gekleideten Chorsänger (Matthias Schoberleitner) machten in vollem Eifer mit und wie einfallsreich Katharina Glas die Choreografie ausstatteste, machte eben das perfekte Gelingen der Produktion aus, die 1927 schon auf eine weitere Entdeckung Thomas Enzingers für sein Festival wartet. Ja, mit einem derart engagierten Team und Oper-rettern kann man sich schon an das Herzeigen von Programm-Stiefkindern wagen. Dazu gehören auch die Einführungen zur jeweiligen Vorstellung durch Barbara Kreuzer, deren euphorischer Vortrag das Fachwissen weit übertroffen hatte.

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

 

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