19.06. 2026, Bad Elster „Naturtheater“ : „IL TROVATORE“

Ivana Veberova, Mikhael Spadaccini. Foto: Bad Elster
Zum zweiten Mal binnen zwei Wochen im sächsischen Paradekurort in Bad Elster im waldreichen Vogtland, lernte ich nun eine wunderbare Spielstätte mit dem „Naturtheater“ kennen. Nur wenige Gehminuten vom Ortskern entfernt, und doch schon mitten im Wald ist diese Spielstätte bereits 1911 (!) ins Leben gerufen worden, allerdings war dann 1952 Schluß und der Ort wurde dem Verfall Preis gegeben. 2006 gelang es der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft mit der Stadt Elster zur Neubelebung: Für Webers „Freischütz“ , der damals gegeben wurde, wüßte ich keinen schöneren Aufführungsort. Seit 2018 gibt es sogar eine fahrbare Überdachung über der relativ steil ansteigenden, und dadurch von überall beste Sicht bietenden Tribüne, die bei Schlechtwetter eben geschlossen werden kann. Davon war an diesem Abend keine Rede und die Vöglein zwitscherten wunderbar, und in der Pause konnte man am Waldrand in Liegestühlen Platz nehmen, oder gar in den Wald spazieren – ein herrlicher Platz, wo es sich wirklich lohnt, ihn aufzusuchen ( wie der ganze Ort, der eine unglaubliche Ruhe und Kraft ausstrahlt).
Das mit dem Auto circa zwei Stunden entfernte J.K. Tyl-Theater Pilsen gastierte diesmal mit „Il trovatore“ – Verdis „Feueroper“ ,wie sie auch manchmal genannt wird. Wohl nur ein Zufall, daß – kaum hatte das Stück begonnen – die Sirenen heulten, und dann immer wieder die heulenden Folgetonhörner der Einsatzfahrzeuge sich in den leiseren Stellen durchschlagskräftig mit den Stimmen der Solisten duellierten und ungewollte „Ensembles“ bescherten. Erstaunlich, daß sich diese aber nicht drausbringen ließen. Leider wurde auch hier mit Mikroports – viel zu laut!! – verstärkt! Ein wenig dezente „Unterstützung“ für das Orchester hätte meiner Meinung nach gereicht – aber leider muß heute alles in Pop-Konzert-Lautstärke die Ohren der Besucher zudröhnen. Mir wäre lieber, man muß genauer hinhören – da gewöhnt man sich schnell dran und hört intensiver und genauer. Um noch bei Kritik zu bleiben: schade, daß der Abend schon um 19:30 begann, und dadurch zwei Drittel bei vollem, bzw leicht zu dämmernd beginnendem Licht ablief, was viel vom magischen Theatererlebnis wegnimmt. Noch dazu wo andauernd links und rechts der Tribüne „wichtige“ Personen – manche sogar mehrmals – auf und ab spazierten und das Schotter knirschen zumindest am Rand, wo ich gesessen bin extrem störend war. Das gehörte auf jeden Fall abgestellt!
Aber nun genug „gemerkert“ – es war ein schöner, stimmiger Theaterabend. Ich kannte die einfache, aber effiziente Inszenierung von Michal Lieberzeit mit sehr sparsamen Bühnenbild schon von Pilsen – und sie erfüllte ihren Zweck auch hier tadellos. Mit dem Italo-Belgier Mickael Spadaccini hatte man eine Top-Protagonisten aufgeboten, dessen dunkelsamt timbrierter Tenor sehr gut zum Manrico passt und der auch optisch kaum besser auf die Bühne gebracht werden kann. Nach den bereits heldisch klingenden Passagen in den Duetten mit seiner Mutter Azucena – die Jana Foff Terourova mit Verve und grinta mit ihrem durchschlagskräftigen Mezzo bestens bewältigte – sang er „Ah si, ben mio“ tadellos lyrisch mit gefühlvoller Verdi-Kantilene und trumpfte mit der „pira“ und im Finale kräftig auf – „Otello“ läßt bereits grüßen…Ivana Veberova gab eine anmutige, vollstimmige Leonora mit angenehmen Sopran und sehr gefühlvollen Phrasen. Miguelangelo Cavalcanti war der Luna, der sich aufgrund einer unüberhörbaren – zwar nicht angesagten – aber schlimmen Indisposition jeglicher Kritik entzog. Der eher spröde, aber bombensichere Ferrando war angeblich nicht der am Programmzettel angeführte Jan Hnyk, stellvertretend für die weiteren Comprimarii sei die attraktive und stimmlich tadellose Radka Sehnoutkova hervorgehoben. Orchester und Opernchor des J.K. Tyl Theater entledigten sich routuniert ihrer Aufgaben, die der GMD von Bad Elster Florian Merz leitete. Er zeichnet für ein tolles, viele Sparten abdeckendes Programm verantwortlich – es lohnt sich diesen kunstsinnigen Ort im Dreieck Sachsen – Bayern – Böhmen zu besuchen und in den Programmen zu stöbern.
Michael Tanzler

