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AVIGNON/Grand Opera: TURANDOT von Giacomo Puccini

17.05.2026 | Oper international

Grand Opera  Avignon „Turandot“ von Giacomo Puccini am Sonntag, den 17.Mai 2026

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Copyright: Opera Avignon

Am 17.Mai 2026 stand zum zweiten Mal in dieser Spielzeit Giacomo Puccini`s  letztes großes Werk „ Turandot“ auf dem Spielplan des Opernhauses in Avignon.

Die Stadt Avignon in Südfrankreich liegt am östlichen Ufer der Rhone und  ist eine prächtige Stadt . Sie gilt mit ihren mittelalterlichen Bauten auch als die „Stadt der Päpste“, denn sie war die Residenz der Päpste von 1309- 1376 und ist sicherlich alleine schon eine Reise wert.

„Turandot“ wurde an diesem besagten Abend in „gestrichener Form“ gespielt, das heißt, dass nur der Teil des Werkes, den Puccini selbst komponiert hatte, gezeigt wurde. Sie endet mit dem Tod der Liu. Somit wurde also auf den Teil, den Franco Alfano in meisterhafter Weise nach dem tragischen Tod des großen Meisters aus dem Restmaterials zusammengestellt hatte, verzichtet.  Eine seltene, aber durchaus vor allem für Opernpuristen gängige Praxis.

Als Turandot zeigte sich Catherine Hunold als eisige Prinzessin. Die französische dramatische Sopranistin, die die großen dramatischen Sopran und hohen Mezzosopranpartien im deutschen und italienischen Fach in den letzten Jahren abdeckt und zuletzt auch als Elektra in Mexiko zu hören war, sang die Titelpartie.  Die voluminöse Stimme passt für die Rolle perfekt, auch die Spitzentöne kommen sicher. Sie zeigt eine wirklich sehr beeindruckende Leistung dieser enorm schwierigen Partie. Zurecht wird sie gerne mit Regine Crespin verglichen.

Mickael Spadaccini ein junger, aufstrebender italienisch -belgischer Tenor, der in unseren Gefilden weniger bekannt ist, lässt das Publikum an diesem Abend aufhorchen. Er verfügt über eine blendende äußere Erscheinung, die gut zu dem verkörpernden Helden passt. Seine baritonale Stimme, die über ein enormes Durchschlagsvermögen verfügt, wird von ihm in sehr differenzierter Weise geführt.

Seine Stimme strömt dabei in prächtiger Weise, die an die großen Zeiten dramatischer italienischer Tenöre, wie Mario del Monaco oder Franco Corelli`s erinnern lässt. Auch der Vergleich der Stimme mit der animalischen Kraft eines wilden Tieres kann bei ihm durchaus in Betracht gezogen werden. So kann er seine mächtige Stimme aber auch  in wunderbarer Weise bei der Arie „ Non piangere Liu“ zurücknehmen und hüllt sie in der mittleren Passage in weichen Samt, die „high notes“ kommen allesamt strahlend.

Die Wucht des großen Puccini Orchesters bei entscheidenden Passagen, wie zum Beispiel in der Rätselszene muss er keineswegs fürchten, denn die Stimme gelangt mühelos durch die orchestralen Klangwogen.

Die Stimme wird auch sehr elegant in der großen Arie im dritten Akt  „ Nessun dorma „ geführt.

Spadaccini wird in naher Zukunft in Krefeld/Mönchengladbach in Deutschland erstmals den Otello singen. Er gehört meiner Meinung nach zu den jungen Sängern, von denen man eine große Karriere in naher Zukunft durchaus erwarten kann und die dem ausdrucksvollen Sänger auch zu wünschen ist. 

Die französische Sopranistin Claire Antoine kann die beiden Arien der Liu mit viel Emotion und hervorragender Gesangstechnik  wunderbar bewältigen und ihren lyrischen Sopran gut zur Geltung bringen. Positiv fällt auch die große Stimme des kroatischen Sängers Luciano Batinic auf. Mit Klangqualität und emotionalem Einsatz gestaltet er die kleine Rolle des Timur perfekt.  Batinic spielt dabei auch seine große Präsenz und Bühnenerfahrung aus, die er in den großen Bassrollen, wie Simon Boccanegra oder Boris Godounov einzusetzen weiß.

Ping , Pang , Pong  , gesungen von Vincenzo Nizzardo, Sebastian Droy und Carlos Natale passen gut in das hervorragende Ensemble der Sänger. Victor Dahhani singt mit sehr sonorer und kräftiger Stimme den alten Kaiser.

Federico Santi leitet das Orchestre National Avignon-Provence und den Chor und zeigt eine sehr einfühlsame Gestaltung des letzten großen Meisterwerks Puccinis.

Die Inszenierung von Paco Azorin zeigt ein opulentes und dem Sujet gut angepasstes Bühnenbild mit prächtigen Kostümen von Ulises Merida

Turandot wurde somit in Südfrankreich in eindrucksvoller Weise dargestellt- ein Erlebnis.

Dr. Alexander Gallee

 

 

 

 

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