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AUGUSTE RODIN

18.09.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 21. September 2018
AUGUSTE RODIN
Belgien, Frankreich / 2017
Regie: Jacques Doillon
Mit: Vincent Lindon, Izïa Higelin, Séverine Caneele u.a.

Eine Menge großer bildender Künstler kam schon zu Kinoehren. An Auguste Rodin hat auf der Leinwand bisher vor allem seine Beziehung zu der ebenfalls hoch begabten Camille Claudel interessiert – Isabelle Adjani und Gérard Depardieu waren vor nun auch schon 30 Jahren (! „Camille Claudel“ stammt aus dem Jahr 1988) ein spannendes Paar. Das schafft der neue Film von Regisseur Jacques Doillon nicht, wenngleich die Beziehung der beiden auch hier eine große Rolle spielt. Vor allem aber geht es um Rodin selbst, der allerdings zwei Stunden lang als recht trockene Figur von der Leinwand kommt.

Auguste Rodin (1840-1917) war einer der größten Bildhauer Frankreichs. Wir begegnen dem 40jährigen, der stolz sagt: „Ich versuche gar nicht zu gefallen“, was man ja bei Künstlern immer besonders hoch schätzt. Auch Aussagen wie „Das Einzige, was für mich zählt, ist Wahrhaftigkeit“, machen ihm Ehre. Wenn er große Aufträge erhält, interessieren ihn die Wünsche der Auftraggeber wenig, seine künstlerischen Ideen umso mehr.

Die meiste Zeit befindet man sich in seinem Atelier, und da ist schon Camille Claudel (1864-1943), heute eine Ikone der Frauenbewegung, damals noch seine Assistentin und seine Geliebte. Lange Zeit des Films muss man sich ihre Beschwerden anhören, dass er sie als Künstlerin nicht ernst genug nimmt… Er verspricht ihr alles Mögliche, sie will nach Italien mitgenommen werden, will ein Eheversprechen, will Treue. Man weiß, wie wenig davon passieren wird. Für einen angestrengt arbeitenden Künstler ist das Dienstmädchen Rose entschieden bequemer…

Rodin hat berühmte Porträt-Büsten geschaffen, von Victor Hugo, von Honoré de Balzac, er trifft auch Cezanne (damit ein paar Promis der damaligen Epoche vorkommen) und gibt ihm den guten Rat, auf niemanden zu hören und mit seiner Arbeit nach eigenem Bedürfnis weiter zu machen: „In der Arbeit finden wir die Schönheit, ohne Arbeit sind wir verloren.“

Dann ist Camille weg, und man ist mit Rodin, Rose und seinen Modellen allein, vor allem aber mit den salbungsvollen, geschwollenen und albernen Dialogen, die diesen Film so anstrengend machen. Er wäre vielleicht eine interessante Gestalt, so düster und zerrissen, wie er ist, aber da zeigt sich, dass Vincent Lindon doch nicht die übergroße Persönlichkeit für den übergroßen Künstler mitbringt, und auch Izïa Higelin fasziniert als Camille Claudel nicht wirklich, so schwer sie Rodin ihr Leben mit ihrem Gezanke auch macht (man versteht, das heißt: man kann mitfühlen, dass ihm diese ewigen lauten Krisen schwer auf die Nerven gehen). Am ehesten überzeugend ist noch die robuste Bauerntochter Rose (Séverine Caneele), die wie ein Teufel für Rodin kämpft (auch gegen die Frauen rundum).

Ja, die Künstler sind arm, auch als Männer, kaum posieren die Frauen nackt vor ihnen als Modelle, stellen sie schon Ansprüche, werden zudringlich, und weil er Sex braucht, kann er nicht widerstehen. Zwischen zwei Damen fühlt er sich besonders wohl – aber sieht man sich deshalb einen Film über Rodin an?

Möglicherweise ist es im wirklichen Leben nicht wirklich spannend, Kunst zu machen, aber wenn man es im Kino zeigt, sollte es das doch sein – wo wäre sonst der Sinn?

Renate Wagner

 

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