Olympia – Städtisches Musiktheater Maria Callas, Athen
Kino-Konzert: Fritz Lang’s „Metropolis“
Besuchte Veranstaltung am 16. Januar 2024
Filmisches Gesamtkunstwerk
Fritz Langs Film „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 zählt zu den zentralen Filmen der 1920er Jahren. Vor 14 Jahren konnte er in einer weitgehend wiederhergestellten Fassung dem Publikum der Berlinale präsentiert werden. Natürlich ist der Film auch dem filmkundigen Publikum in Griechenland wohl bekannt. Die rekonstruierte Version von 2010 war bereits hier zu sehen. Es ist aber immer wieder ein Ereignis, wenn man ein solches Werk mit Livemusik erleben kann. Nun hatten sich das Athener Olympia Theater und das Griechische Filmarchiv für eine Vorführung mit Orchester zusammengefunden. Man hatte dafür das Babylon Orchester aus Berlin und den filmerfahrenen, in Deutschland lebenden Dirigenten Stefanos Tsialis gewonnen. Das Ergebnis machte grossen Eindruck auf das erfreulich junge Publikum.
Die Originalmusik zu „Metropolis“ stammt von Gottfried Huppertz, der schon 1924 die Musik zu Fritz Langs zweiteiligem Werk „Die Nibelungen“ geliefert hatte. Es war denn auch die vollständig überlieferte Komposition, die entscheidend zur Rekonstruktion des Films beitrug. Langs Meisterwerk „Metropolis“, das Religion, genauer eine Erlöserfigur zur Humanisierung einer modernen, maschinisierten Welt in Szene setzt, wird von einer spätromantisch geprägten Musik begleitet. Die Komposition arbeitet mit Leitmotiven, greift aber auch auf zeitgenössische Formen, den Foxtrott zum Beispiel, zurück. Die Musik ist nicht progressiv wie anderes, was man im Berlin dieser Tage hören konnte – man denke an Schönberg und seinen Kreis. Sie hat aber Drive und gibt den Bildschöpfungen von Fritz Lang einen starken emotionalen Resonanzraum. Und man sollte sie wirklich live erleben, um die geradezu opernhafte Seite des Films zu verstehen.
Der Berliner Babylon Orchester versteht sich vorzüglich auf Filmmusik und kennt Huppertz‘ Partitur bestens. Auch in kleiner Besetzung schafften die Musikerinnen und Musiker beeindruckend grossen Sound. Spätromantische Emphase und spritzig vorgetragener Foxtrott kamen so wunderbar zusammen. Der Dirigent Stefanos Tsialis führte das Orchester sicher und gekonnt durch den Abend. Das Timing stimmte, Bilder und Töne liefen synchron ab und demonstrierten, wie gut Musik den filmischen Raum erweitern kann. Man wünscht sich mehr solcher Abende in Athen.
Am Schluss herrschte grosse Begeisterung im ausverkauften Olympia Theater.
Ingo Starz (Athen)

