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ATHEN/ Onassis Stegi: PYTHEAS TRAVELS – Reise zum Polareis

16.10.2023 | Oper international

Onassis Stegi, Athen 

Pytheas Travels
Besuchte Konzert-Performance am 15. Oktober 

Reise zum Polareis

pyth

Pytheas war der erste Südeuropäer, der Polareis sah. Der in Massalia, dem heutigen Marseille, geborene Geograf und Entdecker lebte im vierten vorchristlichen Jahrhundert. Er bereiste den Nordwesten Europas und stiess bis zum ewigen Eis vor. Seine Reisebeschreibung hat sich zwar nicht erhalten, sein Text liegt aber fragmentarisch in Zitaten anderer, wie Strabon oder Plinius d.Ä., vor. Ein griechisch-norwegisches Musikperformance-Projekt geht nun den Reisen Pytheas‘ nach. Dafür hat sich das griechische Multimediakollektiv Hypercomf mit der norwegischen Komponistin Maja S.K. Ratkje zusammengetan. Die Aufführung weist eine zweiteilige Musikspur auf, die live gespielt und vom Band daherkommt. Dazu treten Videoprojektion und zwei Erzählerstimmen. Man könnte das Ganze als eine Musiktheater-Performance oder -Installation bezeichnen. 

In gut einer Stunde vollzieht sich vor den Zuschauern, die auf die grosse Bühne von Onassis Stegi geholt werden, eine Reise von Griechenland in den hohen Norden. Das Geschehen ist dabei so zeitgenössisch wie die facettenreiche Musik von Ratkje. Das Video veranschaulicht eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff – Die Bildfelder erinnern an Schiffsfenster -, eine weibliche Stimme richtet auf Englisch Hinweise und Anweisungen an die Reisenden. Eine männliche Stimme erzählt auf Griechisch von der Reise. Anstatt von Abenteuern zu berichten, erzählt „Pytheas Travels“ von Tourismus, industrieller Ausbeutung natürlicher Ressourcen und Landschaftszerstörung. Mindestens deuten sich diese Themenkomplexe an. Bilder und Musik erzeugen einige starke Momente, gerade dann wann Realität und Fiktion resp. Animation Raum für Gedanken öffnen. Die Narration bleibt demgegenüber etwas kurzatmig und oberflächlich. Die Reise geht zu schnell vonstatten als dass sie Zeit für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den aufgeworfenen Fragen liesse. Interessant ist diese künstlerische Versuchsanordnung aber unbedingt. Sie zeigt, in welche Richtung Konzert und Musiktheater gehen können. 

Die eingespielten Erzählstimmen stammen von Guri Glans und Kostas Berikopoulos. Auf der Bühne spielen Musiker des Ergon Ensembles: Manos Ventouras (Waldhorn), Andreas-Rolandos Theodorou (Bassposaune), Konstantinos Panagiotidis (Violine) und Dimitris Travlos (Cello). Das verschiedenen Elemente greifen sehr gut ineinander. Das Zusammenspiel von Musik und Video unterstreicht in interessanter Weise den dokufiktionalen Charakter des Ganzen. Man würde sich nur mehr Reisestationen und mehr Details zu kritischen Aspekten der Erzählung wünschen.  

Am Ende gibt es viel Applaus für alle Beteiligten. 

Ingo Starz (Athen)

 

 

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