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ATHEN/ Onassis Stegi: I AM (VR) – Virtual Reality-Performance von Susanne Kennedy

05.01.2023 | Theater

Onassis Stegi, Athen 

I AM (VR)

atu

Besuchte Performance am 4. Januar 2023
Erkenne dich selbst 

Onassis Stegi widmet sich in jüngster Zeit verstärkt den Schnittstellen zwischen Kunst und neuen Technologien. Dies geschah etwa in den Sommermonaten 2021 und 2022 mit grossangelegten Ausstellungen im Athener Park Pedion tou Areos. Videoarbeiten und interaktive Werke säumten die Pfade im Grünen. Nun hat das Kulturzentrum eine Produktion von Susanne Kennedy nach Athen geholt, die die deutsche Theaterregisseurin zusammen mit Markus Selg und Rodrik Biersteker geschaffen hat. Kennedy feierte 2013 an den Münchner Kammerspielen ihren künstlerischen Durchbruch mit „Fegefeuer in Ingolstadt“, ihre Inszenierung von „Die Selbstmord-Schwestern“ wurde am Athens Epidaurus Festival gezeigt. Nun kehrt sie mit einer Virtual Reality-Performance in die griechische Hauptstadt zurück. 

„I AM (VR)“ ist eine Art Psychotrip oder Therapiesitzung, deren Narration um das Aufsuchen eines Orakels kreist. Inspiriert ist das Ganze natürlich vom antiken Orakel in Delphi. Als Leitmotiv der 35minütigen Performance, welche gleichsam durch den Zuschauer in Gang gesetzt wird, scheint ein kurzer Satz zu dienen, der als Inschrift den antiken delphischen Apollotempel zierte: „Erkenne dich selbst!“. Mit Headset und Kopfhörer versehen betrifft man Virtual Reality, eine andere phantastisch anmutende Welt. Farbenfrohe Innenräume und Landschaften begegnen einem da, man entdeckt entspannt daliegende Figuren mit Headsets, die einem als Alter Ego-Figuren zeigen, worum es geht. Der Trip zielt auf Selbstfindung, er will uns die Kraft der Imagination verdeutlichen: „If you think of fire, you are on fire. If you think of war, you will cause war. All depends on your imagination.“

Kennedys Arbeit hat visuell durchaus ihren Reiz, auch wenn man sich mehr Bewegung oder Interaktion gewünscht hätte. Man fühlt sich wenig selbstbestimmt in dieser virtuellen Welt. Und man darf auch nicht die entscheidende Frage ans Orakel richten, die zu überlegen man aufgefordert wurde. Es sind Einflüsterungen, die den Pfad der vermeintlichen Selbstfindung säumen. Manches klingt interessant, anderes weniger. Dramaturgisch ist „I AM (VR)“ eher schwach. Es verkauft uns Lebensweisheiten in Form einer Virtual Reality Show. Wir sehen schöne, bunte Bilder, geniessen die optischen Reize, die Selbstfindung bleibt dabei allerdings eher auf der Strecke. 

Ingo Starz (Athen)

 

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