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ATHEN/ Onassis Stegi: EROTIC POSTCARDS FROM GREECE

Von Sommer und Sex in Hellas

01.11.2020 | Theater


Copyright: Onassis Stegi

Onassis Stegi, Athens: Erotic Postcards from Greece

Besuchte Vorstellung am 31. Oktober 2020

Von Sommer und Sex in Hellas

Das griechische Tourismusministerium warb dieses Jahr in grossem Umfang für den einzigartigen griechischen Sommer. Nun da dieser vorbei ist, mag es interessant sein darüber nachzudenken, was es eigentlich mit dem Gerede vom griechischen Sommer auf sich hat. Wird da mehr als nur ein moderner Mythos verhandelt? Anestis Azas und Lena Kitsopoulou haben sich für Onassis Stegi auf die Suche nach den erotischen Momenten des Sommers gemacht. Er liefert dabei Konzept und Regie, sie zeichnet sich mit dem Team für den Text verantwortlich.

Ausgangspunkt der Recherche sind offensichtlich erotische Postkarten aus Griechenland, Zeugnisse von Urlaubsaffären. Sie tauchen an einer Stelle des Abends auf, genauer sie werden verlesen. Um diesen erotischen Kern herum plätschert eine Szenenfolge dahin, die von liebestollen Touristinnen und Lockdown, von griechischen Gigolos und Urlaubsstress berichtet. Knisternd ist die Atmosphäre dabei niemals und das Thema verschwindet regelmässig aus dem Fokus. Neben den Postkarten werden ein paar Stories zum sexuellen Aspekt der Sommerzeit geliefert, eine stringente Erzählung oder analytischer Tiefgang stellen sich jedoch nicht ein. Muss der vielersehnte griechische Sommer auf der Bühne wirklich so oberflächlich und spannungsarm daherkommen? 


Copyright: Onassis Stegi

Das Bühnenbild von Eleni Stroulia und die Kostüme von Vasileia Rozana bieten ein buntes Sammelsurium, das in gewisser Weise bestens mit der reichlich führungsschwachen Regie korrespondiert. Ästhetisch ist das ziemlich unbefriedigend und streckenweise einfach langweilig. Sicher, Lena Kitsopoulou vermag etwas Energie auf der Bühne zu verbreiten, wenn sie einmal in Aktion tritt. Neben ihr wirken die anderen Akteure aber schwach: Kostas Koutsolelos, Ioanna Mavrea, Theano Metaxa, Sofia Priovolou, George Vourdamis und der Musiker Gary Salomon. Es bleibt zu hoffen, dass das sommerliche Sexleben in Griechenland aufregender ist als diese Stückentwicklung.

Ingo Starz (Athen)

 

 

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