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ATHEN/ Onassis Cultural Centre: OPEN DAY: MINIMALISM(S) – ein Haus der Klänge

09.03.2016 | Konzert/Liederabende

Onassis Cultural Centre, Athen

Open Day: Minimalism(s) – Musikprogramm vom 6. März

 Ein Haus der Klänge

Das Onassis Cultural Centre engagiert sich in vorbildlicher Weise und auf hohem Niveau für zeitgenössische Formen der Künste. Und es tut darüber hinaus viel dafür, neue Publikumsschichten zu gewinnen. Der „Open Day: Minimalism(s)“ ist ein gutes Beispiel für die genannten Punkte. Das von Anargyros Deniosos konzipierte und kuratierte Programm bot Musik über einen Zeitraum von acht Stunden: Rund 50 Musikerinnen und Musiker präsentierten ein breites, facettenreiches und faszinierendes Spektrum an Minimal Music. Die Dramaturgie des Anlasses war exzellent und die Qualität der Darbietungen, welche in einem Bereich des Hauses durch Künstlervideos und Gemälde ergänzt wurden, war auf durchwegs hohem Niveau. Die grossen Musikfestivals in Salzburg und Luzern könnten dergleichen nicht besser machen. Der Umstand, dass bis auf das Abschlusskonzert das ganze Programm bei freiem Eintritt stattfand, bewirkte ein erfreulich junges Publikum. Was will man noch mehr.

 Der eigentliche „Open Day“ bestand aus mehr als 20 kurzen Konzerten, die über das ganze Haus verteilt waren. Man wurde zum Beispiel in der Eingangshalle von Bläserklängen, genauer von Arvo Pärts Kompositionen „Arbos“ (1977/1986/2001) und „Fratres“ (1977/1986/2001) empfangen, konnte sich dann auf der grossen Bühne Hans Ottes ungemein klangfarbenreiche Komposition für Klavier „Das Buch der Klänge“ (1979-82) anhören – hervorragend die Pianistin Loreda Ramou -, um später der Kurzoper für Frauenstimme und Klavier „Drawers“ (1978) von Tom Johnson beizuwohnen. Die Musiker und Sänger, die man alleine, zu zweit oder in kleineren Gruppen erleben konnte, boten erstklassige Leistungen und das Publikum ging animiert mit. Das Schlussstück des kostenfrei zugänglichen Programms war zugleich einer der Höhepunkte: John Luther Adams‘ „Three Drum Quartets from Earth and the Great Weather“ (1993). Die vier jungen Percussionisten boten eine mitreissende Show und brachten ein in rhythmischer und klanglicher Hinsicht grossartiges Stück zum Leuchten. Da das Programmheft meist keine Angaben zu den jeweils ausführenden Musikerinnen und Musikern macht, sei an dieser Stelle allen ein grosses Lob ausgesprochen.

 Ein langer musikalischer Tag wurde mit einem Konzert beschlossen, das nochmals die staunenswerte Vielfalt der Minimal Music zu Gehör brachte. Vom Klaviersolo über ein Streichquartett bis hin zum Kammerorchester reichten die wechselnden Besetzungen. Und wiederum durfte man sich an der klugen und spannungsreichen Zusammenstellung des Programms erfreuen, das unter der musikalischen Leitung von Andreas Levisianos stand. Da faszinierte etwa, wie Klaus Lang in seiner Komposition „Hungrige Sterne“ (2012) zwischen Klangbewegung und Geräusch kaum Hörbares erkundet oder Steve Reich mit seinem Stück „Eight Lines“ (1983) einen wahren Zauber an Klavier- und Bläserklängen entfacht. Zum Schmunzeln brachte einen das heitere musikalische Manifest „Volkslied“ (1971) von Louis Andriessen. Darin wird gleichsam der Weg einer Volksbewegung beschrieben, vom unorganisierten Haufen, der nach fehlerhaftem Amateurspiel klingt, hin zur organisierten Masse, die angeleitet vom Dirigenten die „Internationale“ anstimmt. Bis heute verfehlt diese Komposition ihre Wirkung nicht und zeigt in bestem Sinne, dass zeitgenössische Musik auch sehr unterhaltsam sein kann. Das Konzert stiess auf viel Begeisterung und beschloss den in jeder Hinsicht reichen „Open Day: Minimalism(s)“.

 Ingo Starz

 

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